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„Solarstrom ist zu teuer“

Experten üben massive Kritik an Förderpraxis und fordern Begrenzung für neue Anlagen

„Solarstrom ist zu teuer“

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Kassel/Berlin. Die Solarbranche in Deutschland bekommt Gegenwind von überraschender Seite. Der an einem raschen Ausbau der erneuerbaren Energien interessierte Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) will Umweltminister Norbert Röttgen heute vorschlagen, den Bau neuer Fotovoltaikanlagen zu begrenzen.

Deutschland sei kein Land für solare Stromerzeugung, sagt Ökonom Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrats. Foto: dpa

Eine Zahl wird offiziell nicht genannt, aber SRU-Mitglied Olav Hohmeyer erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er einen jährlichen Zubau von 1000 Megawatt (MW) für vertretbar hält.

Das entspricht der Leistung eines Großkraftwerks. Zum Vergleich: 2010 lag die neu installierte Leistung bei 7000 MW und war damit doppelt so hoch wie 2009.

Als Grund für die Deckelung nennt der SRU auch die ständig steigende Umlage, mit der alle Kunden für vergleichsweise teuren Ökostrom bezahlen müssen. Sie liegt derzeit einschließlich Mehrwertsteuer bei 4,2 Cent je Kilowattstunde (kWh). Damit muss ein durchschnittlicher Drei-Personenhaushalt in diesem Jahr rund 150 Euro allein für den Ökostrom-Aufschlag zahlen. Davon entfallen allein 60 Euro auf die Solarenergie, die aber nur zwei Prozent zur Stromversorgung beiträgt.

In diesem Jahr summiert sich die Ökostromumlage auf insgesamt 13,5 Milliarden Euro, die alle Stromkunden –vom Rentnerhaushalt bis zum Industriebetrieb – aufbringen müssen. Verbraucherschützer laufen schon seit langem Sturm gegen die ständig steigene Umlage, die 2010 bei 2,44 Cent je kWh lag.

Der Ökonom Hohmeyer, der im SRU für Energie zuständig ist, misst Solarstrom auch künftig keine nennenswerte Rolle bei der Umstellung auf erneuerbare Energien ein. Beim Ziel der 100-prozentigen Ökostromversorgung bis 2050 spiele Fotovoltaik „eine winzige Rolle“. Hohmeyer sieht für die Stromversorgung der Zukunft folgende Verteilung: 80 Prozent soll der Wind, je fünf Prozent sollen Wasser und Biogas beisteuern. Die restlichen zehn Prozent sollen Importe bringen. „Wir wollen die 100-prozentige Versorgung mit Ökostrom, aber wir dürfen dazu nicht auf die Solarenergie als teuerste Form aller Erneuerbaren setzen“, sagte er. Sonne könne im Mittelmeerraum eine wichtige Rolle bei der Energieversorgung der Zukunft einnehmen. „Für das nördliche Mitteleuropa ist diese Energiequelle zu teuer“, sagte Hohmeyer. Deutschland sei kein Land für solare Stromerzeugung.

Erst in der vergangenen Woche war die Branche der drohenden Deckelung beim Bau neuer Solaranlagen entgangen, indem sie Röttgen einen zubauabhängigen Rückgang der garantierten Einspeisevergütung vorschlugen.

Der Präsident des Branchenverbandes BSW-Solar, Günther Cramer, zeigte sich überrascht vom SRU-Vorstoß. „Wir halten einen Zubau von etwa 3500 MW für sinnvoll und verantwortbar“, sagte er. Cramer ist zugleich Vorstandssprecher des Solartechnik-Herstellers SMA in Niestetal (Kreis Kassel), der 5500 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits 2017 werde Solarstrom ohne Förderung wettbewerbsfähig sein, betonte der SMA-Chef.

Von José Pinto

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