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Wenn die Heimat fremd wird: Viele Deutsche gehen zum Arbeiten ins Ausland - Doch bei der Rückkehr droht ein Kulturschock

Viele Deutsche gehen zum Arbeiten ins Ausland - Doch bei der Rückkehr droht ein Kulturschock

Wenn die Heimat fremd wird

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Melsungen. Eigentlich hatte sich Daniela Sennert auf Deutschland gefreut. Familie, Freunde, ihre Wohnung - all das hatte sie vermisst in Australien. Knapp zwei Jahre hat Sennert für den Melsunger Pharmahersteller B.Braun in Sydney gearbeitet, seit Mai 2008 ist sie wieder in Deutschland. Aber die Rückkehr ist anders verlaufen als erwartet.

Arbeitete zwei Jahre in Australien: Daniela Sennert. Foto: privat/nh

„Es war extrem schwierig, sich hier wieder zu integrieren“, sagt die heute 28-Jährige. Auch jetzt gibt es noch Momente, in denen sie sich nach Australien zurücksehnt. Zum Beispiel an der Supermarktkasse. „Die deutschen Verkäufer kommen mir plötzlich total unfreundlich vor“, sagt Sennert. „In Australien haben mich die Kassierer immer gefragt, wie es mir geht und wie mein Tag war.“

Was Sennert erlebt, ist normal. „Im Ausland entfremdet man sich von der eigenen Kultur“, sagt Andreas Bittner, Geschäftsführer des Instituts für Interkulturelles Management (IFIM) in Rheinbreitbach bei Bonn.

Aber neben diesem umgekehrten Kulturschock kommen auf manche Rückkehrer auch handfeste berufliche Schwierigkeiten zu. Denn ob sie in Deutschland wieder ihren alten Job zurückbekommen, ist keineswegs sicher. Das Unternehmen muss mit dem Mitarbeiter zwar einen Entsendevertrag abschließen. „Darin steht aber meist nur, dass sich die Position des Beschäftigten nach der Rückkehr nicht verschlechtert“, sagt Bittner. Es kann also sein, dass er in eine andere Abteilung wechseln muss - im Extremfall auch an einen anderen Unternehmensstandort in Deutschland oder im Ausland.

Daniela Sennerts Vertrag bei B.Braun war dagegen komfortabel: Darin war festgeschrieben, dass sie weiterhin in Melsungen arbeiten könnte. In welcher Funktion, stand zwar nicht im Vertrag. Aber Sennert hatte Glück. Sie kehrte in ihre frühere Abteilung zurück, und wurde dort erst zur Teamleiterin, dann zur Projektmanagerin befördert. Trotzdem musste sie sich umgewöhnen. „In Australien werden Mitarbeiter häufig für ihre Arbeit gelobt und sind dadurch motivierter“, sagt Sennert, „das kommt in Deutschland manchmal zu kurz.“

Etwas mehr Hilfe nach der Rückkehr hätte sich Sennert gewünscht. Die Vorbereitung auf Australien sei sehr gut gewesen: Sie nahm an einem interkulturellen Seminar teil und fuhr vor dem Arbeitsbeginn in Sydney schon einmal dorthin, damit sie eine Woche lang ihren Arbeitsplatz kennenlernen konnte. „Aber als ich wieder nach Deutschland kam, war die Haltung eher: Sie kennen sich ja aus, dann sehen Sie mal zu“, erinnert sich Sennert. Hilfe fand sie beim internationalen Stammtisch, den die Personalabteilung für alle Rückkehrer (Expatriates) organisiert. Selbstverständlich ist das nicht: Rein rechtlich sind Unternehmen nicht verpflichtet, ihren Mitarbeitern bei der Wiedereingliederung zu helfen.

Trotz allem hat Sennert ihren Auslandsaufenthalt nicht bereut. „Es hat mich weitergebracht - beruflich und privat“, sagt sie. Nur der Karriere wegen, rät sie, solle keiner ins Ausland gehen. „Das Wichtigste ist die Erfahrung an sich.“

Von Judith Féaux de Lacroix

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