CES: Autos, virtuelle Realität und vernetztes Zuhause

Das Logo der Technik-Messe CES in Las Vegas. Foto: Andrej Sokolow
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Das Logo der Technik-Messe CES in Las Vegas. Foto: Andrej Sokolow

Die Elektronik-Messe CES in der glitzernden Kasino-Metropole Las Vegas gibt traditionell den Ton für das Technik-Jahr vor. Sie dürfte auch diesmal wieder einigen Automessen die Schau stehlen.

Las Vegas (dpa) - Auf der Elektronik-Messe CES (6. bis 9. Januar) feierten einst der Videorekorder und die DVD Premiere, aber inzwischen hat die Technik-Show in Las Vegas einen überraschenden weiteren Schwerpunkt gefunden: Autos.

Vor einem Jahr präsentierte hier Daimler seinen futuristischen selbstfahrenden Prototypen F015, ein Audi fuhr autonom 900 Kilometer von Kalifornien in die Kasino-Stadt in der Wüste von Nevada. Diesmal werden wohl vor allem Elektroautos im Mittelpunkt stehen.

Erwartet wird, dass die Opel-Mutter General Motors die produktionsreife Version ihres kleineren und günstigeren elektrischen Chevy Bolt enthüllt. Der vom Abgas-Skandal durchgerüttelte Volkswagen-Konzern will ebenfalls ein Elektrofahrzeug vorstellen. Spekuliert wird, es könnte eine mit Strom fahrende Neuauflage des legendären VW-Busses sein.

Zwei von Volkswagen veröffentlichte Fotos mit Vorder- und Rückansicht lassen auf jeden Fall einen Van vermuten. Auf einem davon ist als möglicher Name "Budd.e" zu erkennen - wohl in Anlehnung an "Bulli", wie der klassische VW-Transporter auch oft genannt wird.

Außerdem will der von einem chinesischen Milliardär finanzierte Tesla-Herausforderer Faraday Future einen ersten Blick auf sein Fahrzeug erlauben, das bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. Die Firma, über die kaum etwas bekannt ist, sorgte jüngst für Aufsehen mit Plänen für den Bau einer mehr als eine Milliarde Dollar teuren Batteriefabrik. Von dem Auto war bisher aber gerade einmal der Schatten in einem kurzen Video auf der Website zu sehen.

Schließlich gab es zuletzt Medienberichte, Google und Ford wollten zur CES eine Partnerschaft bei selbstfahrenden Autos bekanntgeben. Der Autoriese könnte demnach die von Google entwickelten kleinen Elektro-Zweisitzer für die Stadt bauen. Einer anderen Darstellung zufolge kommt die Software des Internet-Konzerns für autonomes Fahren in Wagen von Ford. So oder anders: Es wäre die erste große Partnerschaft von Google mit einem Auto-Giganten bei selbstfahrenden Fahrzeugen. Bisher setzten die Hersteller auf die Entwicklung eigener Alternativen.

Auch wenn Autos sich ins CES-Rampenlicht drängen - die Verbraucher-Elektronik, mit der die Messe vor fast 50 Jahren begann, ist auch noch da. Hier zeichnen sich dieses Jahr vor allem drei Schwerpunkte ab: Virtuelle Realität (VR), das Internet der Dinge mit dem vernetzten Zuhause und alle Arten von Wearables, der kleinen Computer, die man direkt am Körper trägt.

Für die VR-Brillen, mit denen der Nutzer in virtuelle Welten eintauchen kann, kommt 2016 nach jahrelanger Entwicklung schließlich der erste Markttest. Samsung verkauft seine Gear VR bereits, demnächst folgen Sony mit der Playstation VR und die seit langem erwartete Brille des Pioniers Oculus, der inzwischen zu Facebook gehört. Jetzt wird es Zeit, mit Inhalten wie Spiele und Videos zu zeigen, was die Technik kann. Schließlich muss der Verbraucher überzeugt werden, sich recht klobige Geräte aufzusetzen, die an undurchsichtige Skibrillen erinnern.

Samsung will die CES nutzen, um bei der Heimvernetzung das TV-Gerät in den Mittelpunkt zu rücken. "Der Fernseher ist mit allen Konnektivitäts-Optionen ausgestattet, damit kann er ideal als Hub für die Vernetzung der Hausgeräte fungieren", sagt Samsung-Manager Kai Hillebrandt. Der südkoreanische Elektronik-Riese kündigte an, dass alle seine neuen Fernsehgeräte mit Ultra-HD-Auflösung auch als Schaltzentralen für das vernetzte Zuhause eingesetzt werden könnten. Insgesamt dürfte es eine Flut von Technik für das Smart Home geben.

Bei den Wearables waren in den vergangenen Jahren in Las Vegas viele Fitness-Tracker und Computer-Uhren zu sehen, die meisten hinterließen jedoch kaum eine Spur außerhalb des Messegeländes. Seit der vergangenen CES etablierte sich die Apple Watch vom Start weg als Marktführer bei Computer-Uhren, und der Platzhirsch Fitbit blieb die Nummer eins im Geschäft mit Fitness-Bändern. Die CES könnte einen Hinweis geben, was die Konkurrenz dagegen zu bieten hat. So will Samsung einen smarten Gürtel aus seinem Innovationslabor Creative Labs zeigen, der unter anderem die gemachten Schritte und die im Sitzen verbrachte Zeit zählt.

Aber auch die klassische Unterhaltungselektronik wird bei der CES nicht zu kurz kommen. Der südkoreanische Branchenriese LGkündigte bereits am Sonntag neue Fernsehgeräte an, die ein besonders kontrastreiches Bild und mehr Farb-Vielfalt dank der vor allem von Fotos bekannten HDR-Technologie (High Dynamic Range) bieten sollen.

Tweet von Volkswagen

Ankündigung von Samsung

Website Faraday Future

LG zu neuen Fernsehgeräten

Smart Home: Das vernetzte Zuhause ist noch nicht breit im Alltag angekommen - aber in Las Vegas werden wieder Hunderte Geräte zu sehen sein, die sich miteinander und mit dem Internet verbinden lassen. So will Samsung einen Kühlschrank mit einem riesigen Display vorstellen, wie vom Blog "The Verge" aufgespürte Werbebanner zeigen. Ein Problem bleibt oft die Kommunikation zwischen Technik verschiedener Anbieter - einheitliche Standards wie in anderen Elektro-Bereichen gibt es nicht. Das Problem soll gelöst werden durch die direkte Kooperation der Hersteller, offene Schnittstellen sowie Onlinedienste, die im "Internet der Dinge" als eine Art Vermittler auftreten.

Lernende Maschinen: Für die Nutzer oft unsichtbar, werten Computer in der Cloud eine Vielzahl von Daten aus, um sich besser an ihre Bedürfnisse anzupassen. Das Ergebnis sollen zum Beispiel schlaue Messenger-Dienste sein, die Fragen beantworten oder kleine Aufgaben wie eine Restaurant-Reservierung erfüllen können. Facebook experimentiert damit in dem Dienst "M" in seinem Messenger, Google soll auch daran arbeiten. Einige Geräte auf der CES werden auf Amazons Sprach-Assistenten Alexa zurückgreifen.

Drohnen: Vor einem Jahr sorgte Intel-Chef Brian Krzanich für Aufsehen auf der CES mit kleinen Fluggeräten, die auch beweglichen Hindernissen ausweichen können. Inzwischen können das immer mehr Drohnen. Das chinesische Branchen-Schwergewicht DJI testet ein Geofencing-System, dass die Drohnen automatisch von für sie verbotenen Zonen zum Beispiel um Flughäfen fernhalten soll.

Neue Anschlüsse: Hartnäckig halten sich Gerüchte, Apple könnte beim nächsten iPhone ganz auf einen klassischen Ohrhörer-Stecker verzichten und dafür auf seinen digitalen Lightning-Anschluss setzen. Außerdem breitet sich in immer mehr Geräten der neue USB-C-Anschluss aus, über den Daten und auch Ladestrom übertragen werden können.

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