Die Schikane stoppen: Was bei Cybermobbing hilft

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Kopf in den Sand stecken bringt nichts: Mobbing-Opfer sollten mit Vertrauten reden und nicht passiv bleiben. Foto: Silvia Marks

Laut der JIM-Studie 2014 waren etwa 17 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die das Internet nutzen, schon einmal Opfer von Cybermobbing. Dagegen sind Schüler und Eltern nicht völlig machtlos, wenn sie über Prävention und Intervention Bescheid wissen.

Berlin (dpa/tmn) - Social-Media-Plattformen laden dazu ein, sich öffentlich zu präsentieren und zu inszenieren. Doch: Die Darstellung bietet auch eine Angriffsfläche für Mobbing. Vor allem Teenager sind betroffen. Schüler und Eltern sollten vorbeugen und - wenn es zu Vorfällen kommt - sich wehren.

"Diese Art der Selbstdarstellung im Internet bietet immer auch eine Möglichkeit, andere zu mobben", sagt Brigit Kimmel, Pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. "Gerät ein digitaler Inhalt in falsche Hände, kann es zu einer rasanten, nicht aufzuhaltenden Verbreitung kommen". Dabei lassen sich solche im Netz verbreiteten Inhalte nicht zwangsläufig auf einen einzigen Täter zurückführen.

Cybermobbing ist eine neue Form von Gewalt. "Es bezeichnet das Schikanieren und Fertigmachen einer Person mit Hilfe von Internet, Handy oder Sozialen Netzwerken", sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Dabei werden beleidigende Kommentare, Bilder oder Videos eines Opfers im Internet verbreitet.

"Durch diese Öffentlichkeit, die ein Täter über das Netz herstellt, erfährt bewusst und gewollt ein Opfer eine zusätzliche Demütigung", erklärt Schmidt. Ein großes Problem: Solche Inhalte lassen sich kaum mehr aus dem Netz löschen.

Pädaogin Birgit Kimmel kennt vier Arten: Bei der Schikane erhält das Opfer wiederholt beleidigende und verletzende Nachrichten per E-Mail, SMS oder Messenger. Bei der Verleumdung verbreiten sich Gerüchte großflächig übers Netz. Das Bloßstellen funktioniert, indem ein Täter Vertrauliches über das Opfer an Dritte sendet. Und beim Ausschließen oder Ignorieren wird dem Opfer eine Teilnahme verweigert - etwa an Gruppen oder Chats.

Die Opfer leiden unterschiedlich. "Häufige Folgen von Mobbing wie auch Cybermobbing sind Leistungsabfall, psychosomatische Erkrankungen, selbstverletzendes Verhalten wie auch extreme Rache- und Gewaltfantasien bis hin zu Selbstmordgedanken und Selbstmord", erklärt Brigit Kimmel. Mädchen richten ihre Aggressionen häufig gegen sich selbst oder nach innen, Jungen dagegen tragen dies eher nach außen.

Viele Betroffene behalten ihre Probleme für sich. "Die meisten Mobbingopfer verschweigen oft, was sie erleben, denn sie fühlen sich schuldig und machen sich Vorwürfe", betont Kimmel. Viele holen deswegen oft erst sehr spät oder gar keine Hilfe.

Von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche reagieren ganz unterschiedlich: "Einige sind eingeschüchtert und ziehen sich zurück, um keine Angriffsfläche mehr zu bieten", erklärt Susanne Rieschel, Sprecherin des Elternmedienratgebers "Schau hin".

Diese Kinder nutzten das Netz weniger oder machten ihre Geräte aus, wenn andere sich nähern. "Andere sind bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt, reagieren aggressiv oder werden krank." Schlafprobleme oder Beschwerden vor der Schule träten auf. "Wenn Eltern sie darauf ansprechen, spielen viele Jugendliche ihre Situation herunter", sagt Susanne Rieschel.

Wer von Cybermobbing betroffen ist, sollte einiges beachten. Erfolgt das Mobbing über Social Media, kann man bei den meisten Diensten den Mobber melden oder blockieren. "Dies sind wichtige erste Schritte, damit der Mobber nicht weiter belästigen kann", sagt Birgit Kimmel. "Wenn das nichts bringt, besteht die Möglichkeit, sich ein neues Profil, eine neue Handynummer oder eine neue Mail-Adresse zuzulegen." Wer beleidigene Nachrichten erhält, sollte am besten erst gar nicht reagieren.

Passiv sollte man aber nicht unter allen Umständen bleiben: "Je nach Eskalationsgrad des Konflikts und der Beziehung zum Täter kann es auch angebracht sein, den Täter sehr bestimmt zum Aufhören aufzufordern", rät Birgit Kimmel. Wichtig ist das Sichern der Beweise: "Kopien von unangenehmen Nachrichten, Bildern oder Online-Gesprächen können helfen, anderen zu zeigen, was passiert ist, und bieten eine höhere Wahrscheinlichkeit, die Täter zu ermitteln", erklärt die Pädagogin.

Generell empfiehlt die Expertin, so wenig persönliche Angaben wie möglich im Netz preiszugeben und sich bei Bildern im Zweifel gegen das Versenden oder Veröffentlichen zu entscheiden - je nachdem, was auf dem Foto zu sehen ist. In jedem Fall sollten Eltern zur Prävention so früh wie möglich mit ihren Kindern über Cybermobbing sprechen.

"Es gibt keinen speziellen Tatbestand, der Cybermobbing unter Strafe stellt", sagt Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Jedoch können durch Cybermobbing verschiedene Straftatbestände vorliegen. Oft handelt es sich um Beleidigung oder Verletzung des Rechts am eigenen Bild.

"Ob eine strafbare Beleidigung vorliegt, ist abhängig vom Wortlaut sowie dem Gesamtzusammenhang", sagt der Kriminaloberrat. Auch Fotomontagen oder Gesten wie der Stinkefinger könnten im Gesamtzusammenhang als Beleidigung gesehen werden: "Eine solche wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet."

Zudem ist die Veröffentlichung von Bildern oder Filmaufnahmen ohne das Wissen des oder der Gezeigten strafbar. "Dieser Verstoß wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet", sagt Schmidt.

Bei Cybermobbing können noch weitere Straftatbestände vorliegen, wie zum Beispiel Bedrohung, Erpressung, Körperverletzung oder Verletzung des Briefgeheimnisses. "Grundsätzlich sind Kinder unter 14 Jahren strafunmündig, auch wenn eine rechtswidrige Tat vorliegt", so der Experte. Als strafrechtliche Nebenfolge komme beispielsweise die Einziehung der Tatmittel wie Handy, Notebook oder Smartphone in Betracht.

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