Das Geschäft mit positiven Rezensionen

Achtung! Jede 4. Bewertung im Netz gefälscht

Berlin - Es ist ein lukratives Geschäft geworden, Kunden-Rezensionen im Internet zu fälschen. Denn Unternehmen wissen, dass sich Produkte mithilfe positiver Bewertungen doppelt so gut verkaufen. Mit unangenehmen Folgen für User.

Laut der Online-Plattform für Kundenzufriedenheitsanalyse ProvenExpert.comsind 25 bis 30 Prozent der Online-Rezensionen gefälscht. Auch WISO, das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin des ZDF, sprach dies jüngst in einem Online-Beitrag an und zog ähnliche Schlüsse.

Das ZDF traf einen Mann, der aus gutem Grund lieber unerkannt bleiben wollte. Denn er lebt davon, Kunden-Rezensionen zu faken. Er ist Inhaber einer Agentur, die gezielt positive Produktbeschreibungen im Netz platziert und Kunden aus einem breitgefächerten Branchen-Spektrum versorgt. Zu seinen Angestellten zählen Studenten, freie Texter und Journalisten. 

Wie erkennt man Fakes?

Doch wie erkennt man Fakes? Vorsicht geboten ist laut Remo Fyda, Geschäftsführer von ProvenExpert.com,bei ausschließlich positiven Bewertungen: Die Wahrscheinlichkeit, dass gleich mehrere Kunden nichts an einem Produkt auszusetzen haben, sei verschwindend gering. Gibt es nur "sehr gute" und "sehr schlechte" Bewertungen, sollte man ebenfalls zweimal hinschauen. Wenn es nämlich nur extrem positive und extrem negative Meinungen gibt, ist die Gefahr groß, dass der Anbieter gravierende Bemängelungen beschönigen möchte. Oder aber konkurrierende Anbieter erlauben sich hier eine Bewertungsschlacht und schreiben sich gegenseitig nieder, wie der Stern informiert.

Suchmaschinen-Optimierung ist oft das Ziel 

Wird der Produkt- oder Firmenname mehrmals vollständig in der Rezension genannt, geht es dem Verfasser vermutlich um Schleichwerbung oder Suchmaschinenoptimierung. In diesem Zusammenhang sollten Sie auch bei besonders ausführlichen Bewertungen aufmerksam sein: Oft beschreiben Pseudo-Kunden ein Produkt sehr ausführlich, um eine hohe Dichte an Schlagwörtern erreichen zu können, warnt ProvenExpert.com. Unmöglich lange und weit ausholende Bewertungen sind daher ebenso mit Vorsicht zu genießen wie auffällig kurze und dabei auffällig positive. Hier will offenbar jemand den Bewertungsdurchschnitt pushen, warnt Stern Online.

Übertriebene Kunden-Rezensionen

Stutzig werden sollten Sie auch, wenn mehrere Bewertungen in kurzer Zeit abgegeben wurden, sagt Fyda. Ist davor und danach wenig Feedback zu finden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Fakes handelt. Noch offensichtlicher wird das, wenn sich die Bewertungen auch stilistisch ähneln. Verfasst ein und derselbe Rezensent mehrere Bewertungen für einen bestimmten Hersteller, ist ebenfalls Skepsis angebracht.

Lassen sich Bewertungen und Bewertende verifizieren?

Immer mehr Anbieter verbinden die Nutzerprofile ihrer Kunden mit Social Media Präsenzen, um den Betrügern entgegen zu wirken. Denn Fake-Facebook-Profile anzulegen ist immerhin weit mehr Arbeit, als mal eben eine Fake-Rezension zu verfassen.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ ZB

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