Grafikpracht entfesseln - Computerspiele richtig einstellen

Wer ein wenig mit den Grafikeinstellungen experimentiert, wird oft mit einem besseren Spieleerlebnis belohnt. Foto: Caroline Seidel
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Wer ein wenig mit den Grafikeinstellungen experimentiert, wird oft mit einem besseren Spieleerlebnis belohnt. Foto: Caroline Seidel

Auflösung und Kantenglättung, Framerate und Physikeffekte: Laien verstehen im Grafikmenü von PC-Spielen oft nur Bahnhof. Mit den richtigen Einstellungen zaubern aber selbst Mittelklasse-Rechner oft schönere Welten auf den Monitor als jede Konsole.

München (dpa/tmn) - Günstige Spiele, viel mehr Freiheiten und fast die gleiche Auswahl an Titeln: Wer statt mit einer Spielekonsole viel oder nur am PC zockt, weiß warum. Neueinsteiger erleben vor den ersten virtuellen Abenteuern am Windows-Rechner aber oft einen Kulturschock.

Denn anders als bei Konsolen bieten die Menüs vieler PC-Spiele Stellschrauben, mit denen sich das Spielerlebnis an Computer und Vorlieben anpassen lässt.

Diese Fummelei ist für viele PC-Zocker Ehrensache: "Es gibt eine Gruppe von Hardcore-Gamern, die ständige Upgrades und die Bastelei drum herum für das letzte bisschen Leistungsfähigkeit nicht scheuen", sagt Florian Dickgreber, Geschäftsführer und Spieleexperte bei der Unternehmensberatung AT Kearney. Über jeden Fachbegriff in den Menüs Bescheid zu wissen, ist für Spielspaß am PC aber keine Voraussetzung.

Ein paar Tricks und Kniffe sollten aber auch Laien kennen. Denn passen die Einstellungen, kann selbst ein Mittelklasse-PC aktuellen Konsolen das Wasser reichen. "Technisch sind PCs, wenn es um Spiele geht, nach wie vor weiter als die Konsolen", so Dickgreber.

Vor dem Ausflug in die Grafikeinstellungen des Spiels sollten PC-Zocker aber erst einmal ihr System aufräumen. Wichtig ist dabei vor allem, dass für die Grafikkarte stets der aktuellste Treiber installiert ist. Gerade kurz vor dem Release neuer Blockbuster bringen AMD und Nvidia gerne neue Software auf den Markt, die deren Stärken besonders zur Geltung bringt.

Wer neue Treiber nicht von Hand installieren will, kann sich die kostenlosen Programme Geforce Experience für Nvidia-Karten oder Gaming Evolved für AMD-Modelle auf den Rechner holen. Sie laden neue Treiber nicht nur selbstständig herunter, sondern können ausgewählte Spiele auch automatisch optimal ans eigene System anpassen.

Wo das nicht funktioniert, ist Handarbeit gefragt. Die erste Frage ist meist die nach der Auflösung. Welche Pixelzahl die richtige ist, hängt massiv von der Grafikkarte im PC ab. "Teure Grafikkarten haben mehr Prozessoren an Bord und können damit mehr Rechenarbeiten parallel erledigen", erklärt Michael Guthe, Professor für Graphische Datenverarbeitung an der Uni Bayreuth. "So lassen sich höhere Auflösungen oder mehr Details darstellen."

Die Standardauflösung von 1920 mal 1080 Pixeln (Full HD) schultern oft schon die günstigeren Karten problemlos. Die teure Spitzenklasse ist vor allem für Quad- oder Ultra-HD-Monitor wichtig. Full-HD-Spieler brauchen eine schnelle Grafikkarte dagegen vor allem für realistische Schatten und Spiegelungen: "Technisch anspruchsvoll sind heute eher die Effekte, also die Shader, nicht so sehr die geometrischen Details der Spielwelt", so Guthe.

In der Praxis bedeutet das: Mit dem Abschalten von ein oder zwei eher unauffälligen Effekten lässt sich oft mehr erreichen als mit dem Herunterregeln der Auflösung. Ausprobieren lohnt sich. Das gilt übrigens nicht nur für Grafikeffekte, sondern auch für andere Verzierungen. Spiele wie "Tomb Raider" oder "The Witcher 3" haben zum Beispiel Spezialtechniken an Bord, um die langen Haare ihrer Hauptfiguren realistisch zu simulieren. Das Ergebnis sieht zwar beeindruckend aus, kostet aber auch viel Rechenkraft.

Ein sehr wichtiger Effekt ist die Kantenglättung (Anti-Aliasing). Das verhindert zum Beispiel die störende Treppchenbildung oder nerviges Flimmern bei diagonalen Linien in der Spielwelt. Je nach Spiel und Grafikkarte stehen für die Kantenglättung verschiedene Methoden zur Auswahl, die kryptische Namen wie MSAA und SSAA tragen.

Für einen guten Kompromiss zwischen Bildqualität und Leistungshunger empfiehlt die "Gamestar"-Fachzeitschrift für AMD-Grafikkarten die Methode EQAA und für Nvidia-Karten MFAA. Mit SMAA ist der Leistungsverlust durch Kantenglättung den Angaben nach noch geringer. Bietet ein Spiel die bevorzugte Methode im Grafikmenü nicht an, lässt sie sich in einigen Fällen über die Systemsteuerung erzwingen. Das klappt allerdings nicht bei jedem Spiel, warnt "Gamestar".

Besitzer besonders schneller Rechner können in der Systemsteuerung von Nvidia- und AMD-Karten auch das Downsampling aktivieren, das sich hinter den Abkürzungen DSR und VSR verbirgt. Damit zeichnet die Grafikkarte die Spielwelt zunächst in einer Auflösung, die der Monitor eigentlich gar nicht erlaubt - etwa Ultra HD statt Full HD. Dann wird das Bild wieder heruntergerechnet. Das Ergebnis sieht laut den "Gamestar"-Experten oft besser aus als ein Original-Full-HD-Bild mit Kantenglättung, frisst aber viel Rechenleistung.

AMD Gaming Evolved

Fraps

Gamestar-Guide zu Kantenglättung

Wie flüssig ein Spiel nach all der Bastelei läuft, verrät die Bildwiederhol- oder Framerate. Messen lässt sie sich über Software wie Geforce Experience und Gaming Evolved oder mit der Gratis-Variante des populären Programms Fraps. Welcher Wert dabei ideal ist, hängt vom subjektiven Empfinden des Nutzers und vom Spiel ab. In einem schnellen Multiplayer-Shooter ist eine hohe Framerate wichtiger als in einem gemütlichen Adventure.

Als Faustregel gilt: 30 Bilder pro Sekunde, auch als Frames per Second (FPS) bezeichnet, sollten es mindestens sein. Alles darunter empfindet das menschliche Auge in der Regel als störendes Ruckeln. Der Zeitschrift "PC Games Hardware" zufolge ist eine stabile Bildwiederholrate außerdem wichtiger als ein möglichst hoher Spitzenwert. Glatte 30 FPS fühlen sich beim Spielen in der Regel besser an, als wenn der Wert wild zwischen 20 und 50 schwankt.

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