"Shore, Stein, Papier"

$ick - mit Drogengeschichten zum YouTube-Star

"$ick"
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"$ick" sitzt am 18.12.2013 in Osnabrück (Niedersachsen) bei Dreharbeiten vor einem Computer. In der Internetserie "Shore, Stein, Papier" erzählt der ehemalige Heroinabhängige von seiner Jugend. Die Reihe bei Youtube ist ein Internethit.

Hannover - Drogen, Gewalt, Gefängnis - in der Internetserie "Shore, Stein, Papier" erzählt ein ehemaliger Heroinabhängiger von seiner kaputten Jugend. Die Reihe läuft bei YouTube und ist ein Hit.

„Im Grunde ist es ja nur eine Biografie, die ich da erzähle. Dass darin auch Drogen und Gefängnis vorkommen, ist fast nebensächlich“, sagt $ick. So nennt sich der Internetstar, der seinen bürgerlichen Namen nicht verrät. $ick sei sein Spitzname in der Hip-Hop-Szene, sagt er - und der passe ja auch irgendwie zu seiner Geschichte: krank. Mit 15 fängt er an, Drogen zu nehmen, Marihuana, Amphetamine und das, was auf den Straßen seiner Heimatstadt Hannover nur Shore genannt wird. Es dauert eine Zeit, bis er kapiert, dass dieses Shore Heroin ist. Er raucht es auf der Straße oder in zugigen U-Bahn-Stationen.

$icks nüchterne Erzählweise kommt gut bei den Zuschauern an

Mit 18 landet $ick auf der Straße, fängt an zu klauen, macht kleine Einbrüche, muss irgendwann in den Knast. Das geht so weiter, bis er 32 Jahre alt ist. In der YouTube-Serie „Shore, Stein, Papier“ erzählt er Stück für Stück seine Geschichte. Er macht das ruhig, unaufgeregt und anschaulich. Ende 2012 ging die erste Folge online, seitdem gab es rund 140 Episoden. Viele wurden zehntausende Mal angeklickt, die erste Folge sogar über 300.000 Mal. Auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken werden die Videos geteilt, die Kommentare sind fast ausschließlich positiv. Vor allem $icks nüchterne Erzählweise kommt gut bei den Zuschauern an. Er wird inzwischen auch auf der Straße erkannt.

Wo in Niedersachsen $ick aber heute lebt, was er arbeitet und wie sein Leben derzeit aussieht - das will der 40-Jährige nicht öffentlich machen. Ob die von ihm geschilderten Erlebnisse tatsächlich alle so passiert sind, bleibt damit auch schwer nachprüfbar. Die Sprecherin der Suchthilfe Step in Hannover, Stephanie Schünemann, sagt auf dpa-Anfrage: „Die Sendung 'Shore, Stein, Papier' ist aus Sicht eines einzelnen Betroffenen eine glaubwürdige Darstellung.“

"Das gehört zu meinem Leben dazu, warum sollte ich lügen?"

Die Sendung habe zwar keinen präventiven Charakter. „Der offene und teilweise schonungslose Umgang, in dem über die Lebenswelt eines Suchtkranken erzählt wird, gibt jedoch Einblick in die Abhängigkeit von illegalen Drogen und befasst sich somit mit einem Tabuthema, das viel häufiger Aufmerksamkeit bräuchte, um professionelle Aufklärung stattfinden zu lassen“, sagt Schünemann.

Und $ick sagt: „Es hat lange gedauert, bis ich kapiert habe, dass es mir gut tut, darüber zu reden.“ Inzwischen erzähle er seine Geschichte frei und ohne Scham. „Das gehört zu meinem Leben dazu, warum sollte ich darüber lügen?“ Dabei achtet er darauf, nicht moralisch oder tugendhaft zu sein. „Die Drogen und die Kriminalität sind eigentlich fast egal“, sagt er der dpa bei einem Gespräch im Dezember. „Im Grunde geht es doch nur um bestimmte Emotionen und was sie mit einem machen.“

"Natürlich kann ich jederzeit wieder einen Rückschlag haben"

Wie wichtig diese Gefühle sein können, erzählt er gleich in den ersten Folgen: Am Anfang seiner Drogenkarriere steht der Umzug mit seiner Mutter zum Stiefvater nach Hannover. „Ich stieg am 3. März 1986 in Hannover aus und dachte nur, was für eine Drecksstadt.“ Schnell rutscht er in die Heroinszene. Die Innenstadt der niedersächsischen Landeshauptstadt war vor der Expo im Jahr 2000 berüchtigt für seine Drogenszene.

Über das Heute sagt er: „Mir geht es gut, aber natürlich kann ich jederzeit wieder einen Rückschlag haben“. Inzwischen habe er auch wieder Kontakt zu seiner Mutter. „Sie kann durch die Serie viele Dinge von damals besser verstehen.“

Nach dem Ende der Serie will $ick ein Buch über sein Leben schreiben, er kann sich auch vorstellen, mit seiner Geschichte auf Tour zu gehen. Anfragen von Lehrern gebe es bereits, die ihren Schülern die Videos vorspielen, um ihnen die Realität eines Drogenabhängigen in Deutschland zu zeigen. „Für mich ist es auch die erste richtige Chance, die ich in meinem Leben realisiere, um legal mein Geld zu verdienen.“

dpa

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