Mobile World Congress

Smartphone-Firmen zieht es in andere Branchen

Barcelona - Auch bei hochmodernen Smartphones werden für Neuerungen manchmal verworfene alte Ideen herausgefischt: LG macht bei seinem neuen Computer-Telefon den Akku austauschbar. Die Hersteller wollen sich stärker von einander abheben.

Der Wettbewerb bei Computer-Handys wird schärfer - und die Anbieter nehmen neues Geschäft in anderen Branchen ins Visier. So will Smartphone-Marktführer Samsung seinen Bezahldienst bei vernetzten Autos etablieren. Und der chinesische Branchen-Dritte Huawei will mit einem Windows-Tablet klassische PC-Hersteller herausfordern. Kurz bevor am Sonntagabend Samsung seinen neuen iPhone-Herausforderer vorstellen sollte, sorgte zum Auftakt der Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona der südkoreanische Konkurrent LG für Aufsehen mit dem ersten konsequent modularen Smartphone G5.

Das G5 ist mit einer ganzen Reihe von Zusatz-Modulen als Multifunktionsgerät konzipiert. Mit dem Zusatz „LG 360 Cam“ wird es zu einer Kamera für Panorama-Ansichten. Für bessere klassische Fotos gibt es das einschiebbare Kamera-Modul „Cam Plus“. Und das mit Bang & Olufsen entwickelte „LG Hi-fi Plus“ soll das Smartphone zu einer Audio-Anlage machen. An komplett modularen Smartphones wird unter anderem bei Google gearbeitet, doch die Modelle sind noch nicht reif für den Markt.

Die Batterie kann man austauschen: Das Fach lässt sich herausziehen, und der Akku wird dann durch einem vollgeladenen ersetzt. LG tanzt damit aus der Reihe: Bei den meisten Hersteller sind seit Jahren keine austauschbaren Akkus mehr vorgesehen. Bei LG können Nutzer mit einem zusätzlichen „Smart Controller“ zudem Drohnenflüge steuern und dabei Bilder auf dem Display des eingesteckten Smartphones verfolgen.

Huawei will mit seinem Tablet MateBook mit Windows 10, einem Doppelkern-Prozessor von Intel und einer Ansteck-Tastatur heutige Notebooks ersetzen, sagte Geräte-Chef Richard Yu. Der chinesische Konzern folgt damit beim Einstieg ins PC-Geschäft dem Vorbild von Microsoft und Apple, die mit dem Surface Book und dem iPad Pro auf eine ähnliche Geräteklasse setzen.

Der MateBook ist stark auf Unternehmenskunden ausgerichtet. So sind in dem dafür entwickelten Stift ein Laser-Pointer und Knöpfe zur Bedienung von Präsentations-Software integriert. Als weitere Innovation gibt es ein Zusatzmodul mit Anschlüssen, die PC-Nutzer bei einem Tablet vermissen könnten.

Das Geschäft mit klassischen Notebooks und Desktop-Rechnern steht seit Jahren unter Druck - allein 2015 sanken die Verkäufe um rund ein Zehntel. Die Kategorie der sogenannten 2-in-1-Geräte, die als Notebook und Tablet genutzt werden können, wächst hingegen.

Auch der Smartphone-Markt ist im Wandel. Neue Anbieter etwa aus China drängen mit günstigeren Geräten auf den Markt. In Europa oder den USA schwächte sich das Wachstum deutlich ab. Die Hersteller versuchen, ihre Geräte mit zusätzlichen Anwendungsszenarien attraktiv zu machen.

Die VW-Tochter Seat will gemeinsam mit Samsung und SAP die Parkplatz-Suche mit dem vernetzten Auto vereinfachen. Die Unternehmen stellen zur Mobilfunk-Messe Mobile World Congress in Barcelona ein System vor, bei dem man über eine App entsprechend ausgerüstete Parkplätze reservieren und auch bezahlen kann. Der deutsche Software-Anbieter SAP verarbeitet dabei die Daten in seiner Cloud und Samsung stellt seinen Bezahldienst zur Verfügung.

Zunächst ist eine Testphase geplant, der Termin für einen Marktstart wird noch nicht genannt. Über die Plattform sollen auch weitere Dienste angeboten werden, zum Beispiel rund ums Tanken, kündigte die zuständige SAP-Managerin Tanja Rückert an. Nach Ideen aus der Branche könnten Tankstellen Fahrer vernetzter Autos in der Nähe zum Beispiel mit Rabatt-Coupons anlocken.

Von Samsung wurden in Barcelona die neuen Flaggschiffe seiner Premium-Smartphones Galaxy S erwartet. Trotz großer Geheimhaltung wurden viele Details der vermutlichen Ausstattung des Galaxy S7 und der „Edge“-Variante bereits seit Tagen im Netz zusammengetragen und diskutiert. So galt als wahrscheinlich, dass das Edge mit einer Diagonale von 5,5 Zoll noch etwas größer ausfällt als das Vorgängermodell. Große Technologie-Sprünge wurden nicht erwartet, dagegen aber Verbesserungen in vielen Details, etwa bei der Kamera, beim Sound und der Akku-Laufzeit.

dpa

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