Wunderflunder oder sperriges Gerät?

Microsoft Surface 3 Pro im großen Test

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Seit wenigen Tagen steht der Microsofts Surface 3 Pro in den Läden.

München - Seit wenigen Tagen steht der Microsofts Surface 3 Pro in den Läden. Das 12-Zoll-Tablett eröffnet eine neue Klasse der mobilen Computer. Wunderflunder mit Windows oder doch nur sperriges Gerät? Wir haben uns den Surface genauer angeschaut. 

Update vom 7. Mai 2015: Apple und Samsung sind die Standard-Tablets. Das will Microsoft jetzt ändern und hat mit seinem Surface 3 einen Laptop ohne Tastatur herausgebracht. Wie er sich im Praxistest schlägt, haben wir für Sie getestet.

Zehn Zoll in der iPad-Klasse, nun 12 Zoll beim Surfcae 3 Pro – allein schon in der Größe unterscheidet sich Microsofts neuester Streich von der Masse seiner Mitbewerber. Das Tablet ist kein Schnäppchen, die günstige Variante ist für 800 Euro zu haben. Doch ein Surface 3 macht Spaß.

Handling

Ein mächtiges Stück Technologie ist der Surface durchaus, bei einer Bildschirmdiagonalen von 12 Zoll (30,5 cm) ist er beinahe so groß wie ein DIN A4-Blatt aus dem Kopierer. Die Dicke ist erträglich angesichts dessen, dass der Surface ein vollwertiger Windows-PC ist. Der Surface macht im Vergleich zu einem iPad Air keinen übermäßig wertigen Eindruck, auch wenn das Gehäuse aus einer stabilen Magnesiumlegierung besteht. Bauart-bedingt ist das Tablet sowieso kein Design-Wunder. Mit rund 800 Gramm ist der Surface schwerer als ein iPad Air (480 Gramm), aber leichter als die meisten Ultrabooks. Das Gewicht entspricht etwa dem des ersten iPads – man kann den Surface einige Zeit halten, ohne einen Krampf zu bekommen. Mit 9,1 Millimeter ist er etwas dicker als ein iPad (7,5) oder ein Samsung 10-Zoll-Tablett (7,9), allerdings setzt der vollwertige USB-Anschluss der Abflachung beim Microsoft-Tablet technische Grenzen. Der Surface liegt zudem bei der Leistung deutlich über normalen Pads, weswegen die Abmessungen sehr handlich zu nennen sind. Eine deutliche Verbesserung ist der nun stufenlos verstellbare, fest eingebaute Ständer.

Display

Hell und scharf, aber verspiegelt – das ist die Kurzfassung. Das Display bietet eine Auflösung von 2160 x 1440 – das sind 216 dpi, was eine Unterscheidung einzelner Bildpunkte für das menschliche Auge unmöglich macht. Apple hatte diese Displaydichte als Retina in den Markt eingeführt, und es ist eine Wohltat für die Augen. Unter normalen (Büro)-Bedingungen ist der Surface gut nutzbar, ebenso zu Hause auf der Couch oder am Schreibtisch. Fürs Fernsehschauen reicht es auch. Im Freien spiegelt das Display wie das vieler anderer Tablets oder Ultrabooks und nötigt zu mancher Verrenkung. Die Touch-Funktionalität ist flüssig und präzise.

Leistung

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einem Surface und beispielsweise einem Android-Tablet selber Größe: Im Surface 3 Pro werkeln Intels mobile Versionen von i3, i5 oder i7 – welcher, ist eine Frage des Geldbeutels. Die Prozessoren sind technisch auf dem neusten Stand. Das Tablet steht Ultrabooks mit ähnlichen Prozessoren in Nichts nach, zumal der Surface vier oder acht GB RAM mitbringt – weniger darf es bei Windows 8.1 Pro auch nicht sein. Zur zufriedenstellenden Schwuppdizität, also zur gefühlten Arbeitsgeschwindigkeit, trägt freilich auch die verbaute SSD bei. 64 GB hat sie in der kleinen, 256 in der größten Konfiguration.

Microsoft Surface 3 Pro in Bildern

Microsoft Surface 3 Pro in Bildern

Ersteres ist ordentlich knapp bemessen und für einen regulären Laptop-Einsatz zu wenig. Unser von Microsoft zur Verfügung gestelltes Gerät hatte einen i5 4300U und vier GB Arbeitsspeicher. Die Leistung des Surface ist insgesamt gut und reicht aus, den Anspruch Microsofts zu erfüllen, der Surface sei Tablet und Laptop zugleich.

Anschlüsse

Ein Mindestmaß muss bei einem Laptop-Ersatz schon sein: ein USB-3-Anschluss, microSD-Kartenleser, Kopfhöreranschluss und Mini-DisplayPort. Der Surface kommuniziert per Bluetooth 4.0 oder WLAN nach 802.11ac / 802.11 a/b/g/n (bis 450 und 660 Mbit/s) mit der Außenwelt – das ist aktueller Standard.

Bedienung

Auf unserem Testgerät war Windos 8.1 Pro installiert, das sich gut bedienen ließ und den Surface zu allen nötigen Arbeiten befähigt. In diesem Punkt unterscheidet sich das Tablet nicht von gängigen Ultrabooks, es lässt sich auch per Maus gut bedienen, bietet den bekannten Desktop und die Kompatibilität zu gängiger Software. Das abgespeckte Windows 8 RT wird bei der dritten Surface-Generation nicht mehr eingesetzt. Eine Besonderheit ist der mitgelieferte Stift, der für die Benutzung von OneNote optimiert ist – ein Druck auf den Knopf am Ende startet Microsofts Notizprogramm. Mit dem Stift verwandelt sich der Surface in einen durchaus brauchbaren Notizblock. Zwar ermöglicht die dünne Stiftspitze – wie bei anderen Ultrabooks wie Sonys Vaio Fit und einer Reihe anderer Windows-Laptops und Tablets – eine kugelschreiber-ähnliche Verwendung, doch macht die Verzögerung zwischen Eingabe und Anzeige schnelles Schreiben zu einer bisweilen frustrierenden Sache. Für schnelle, kurze Notizen oder Zeichnungen reicht es allemal. Wegen der flachen Bauform und der Fähigkeit der Software, eine aufgelegte Hand zu erkennen und zu ignorieren, gehört der Surface zu den besten digitalen Schreibblocks auf dem Markt.

Akku

Bis zu neun Stunden gibt Microsoft als Laufzeit an, dann muss der Surface ans Stromnetz. Der Netzstecker übrigens ist flach und magnetisch, das Tablet kann flach liegen, während es geladen wird. In der Praxis hängt die Laufzeit natürlich von der Nutzung ab. Unter normalen Bedingungen sind acht Stunden machbar. Viele andere schaffen mehr, bieten aber zumeist auch weniger.

Type Cover

In einem Punkt liegt Microsoft mit der eigenen Werbung „Alle Vorteile eines Laptops, alle Vorteile eines Tablets“ etwas daneben – die Tastatur, Type Cover genannt, muss für rund 130 Euro extra gekauft werden. Natürlich kann man auch gängige Tastaturen über USB oder Bluetooth anschließen. Will man die Mobilität des Surface nutzen, kommt man um diese Investition nicht herum. Die Tastatur ist ordentlich, wenn auch bauart-bedingt klein. Nutzer mit großen Händen müssen sich umgewöhnen, wenn sie sonst mit normalen Tastaturen oder größeren Laptops arbeiten. Immerhin bietet das Type Cover ein Trackpad. Der Anschluss hält sicher, das Cover dient zugeklappt als Displayschutz, auch wenn es nicht magnetisch gehalten wird. Praktisch: Das Cover hat eine Schlaufe für den Stift. Microsoft bietet zudem ein Dock (200 Euro), das Ladestation, fünf USB-Ports, Ethernet fürs Netzwerk und Monitoranschluss bietet. Damit wird der Surface dann tatsächlich ein potenzieller Rechner für den Arbeitsplatz.

Preise

Gibt sich der Surface 3 Pro wenig Blößen, ist der Preis seine wohl größte Schwäche. 799 Euro für die kleinste Version (i3, 4 GB RAM, 64 GB SSD) sind angemessen, wenn man ein leistungsfähiges Zweitgerät will. 1949 Euro für die größte Variante (i7, 8 GB RAM, 256 GB SSD) sind happig. Der wohl beste Kompromiss schlägt mit 1299 Euro zu Buche: i5, 8 GB RAM, 256 GB SSD. Jeweils plus Type Cover für 129,99 Euro. In dieser Preisklasse konkurriert der Surface mit der höheren Spielklasse der Ultrabooks.

Fazit

Der Surface 3 Pro eröffnet genau genommen eine neue Geräteklasse. Tablets mit einem vollwertigen Windows in dieser Größe sind bisher die Ausnahme. Zwar gibt es ähnlich große Android-Tablets, auch Apple soll einem an iPad dieser Größenklasse arbeiten – vergleichbar ist das nicht. Speziell im beruflichen Umfeld mit oft Windows-basierten Systemen kann der Surface 3 Pro punkten und wird seinen Markt finden – das Pro im Namen ist Programm, und nicht umsonst bleibt der kleinere Surface 2 im Handel. Wer plant, sich ein hochwertigeres Ultrabook anzuschaffen, sollte einen Blick auf der Surface 3 werfen. Bei Technik und Bedienung gibt es kaum Kritikpunkte. Die begrenzte Akku-Laufzeit ist angesichts der Leistung verschmerzbar. Der Preis allerdings ist für den Consumer-Markt etwas zu hoch, doch als Surfmaschine mit eBook-Option ist der Surface 3 Pro sowieso nicht konzipiert. (ike)

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