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Chronikpflicht für alle Facebook-Nutzer

Chronikpflicht für alle Facebook-Nutzer - Ein Pro und Kontra

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In wenigen Tagen wird Facebook die Timeline für alle Nutzer verpflichtend einführen. In dieser Chronik präsentieren dann die weltweit 800 Millionen Mitglieder des sozialen Netzwerks ihr Profil als interaktiven Lebenslauf. Das ruft Datenschützer auf den Plan.

© dpa

Das komplette Leben im Netz: Mit der neuen Timeline (zu deutsch: Chronik) werden ungeordnete Profile auf Linie gebracht.

Wo war ich am 5. Januar? Was hat mir im April 2010 gefallen? Seit wann spiele ich Farmville? Das neue Facebook-Profil-Format Timeline, das in Deutschland als Chronik bekannt ist, beantwortet all diese Fragen. In ihr wird das gesamte Facebook-Leben auf einer Seite gebündelt. Seit Mitte Dezember kann jeder Facebook-Nutzer diese Funktion aktivieren. Nachteil: Wer einmal zur Chronik gewechselt hat, kann nicht mehr zurück.

In den kommenden Wochen will Facebook die Chronik für alle Nutzer verpflichtend einführen. Danach haben die Nutzer sieben Tage Zeit, das eigene Profil durchzusehen, und zu bearbeiten, bevor es online sichtbar ist. Doch die Tatsache, dass mit der Chronik alle Daten zeitlich geordnet und leichter auffindbar gemacht werden, die man je bei Facebook eingestellt hat, schreckt Datenschützer auf.

Sie fordern eine längere Übergangszeit, bevor die neue Ansicht online geht. Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar forderte unlängst mindestens vier Wochen zur Prüfung der Daten. Zudem warnt Caspar: „Wenn jetzt nicht mehr die Möglichkeit gegeben sein soll, sich für oder gegen die Chronik zu entscheiden, könnte der soziale Druck weiter steigen, Daten im Netz preis zu geben.“

Als „ultradreist“ bezeichnete der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert gegenüber der Frankfurter Allgemeinen das Verhalten von Facebook. Dies widerspreche den Zusicherungen, die der Konzern dem irischen Datenschutz gegenüber gemacht habe, dass bei einer Veränderung der Profileinstellungen die Einwilligung des Nutzers eingeholt wird. Doch Facebook hält dagegen: Die Einstellungen zur Privatsphäre bleiben bei allen Inhalten unverändert und können nach wie vor vom Nutzer bearbeitet werden.

Hintergrund: Interaktiver Lebenslauf

Kernstück der Chronik ist eine riesige Grafik am oberen Bildschirmrand. Abbilden darf der Nutzer dort alles außer Werbung oder verbotenen Bildern. Überlagert wird das breitformatige Foto vom eigenen Profilbild, unter dem die wichtigsten Daten wie Beruf, Wohnort und Lebenspartner zu finden sind – das natürlich nur, wenn diese Daten im Profil angegeben wurden. Darunter stehen zwei Spalten mit den eigenen und Einträgen anderer Nutzer sowie Fotos, Kommentare, Videos und besuchte Orte. Neu ist zudem, dass hier bis zum Eintritt in das soziale Netzwerk zurückgegangen werden kann. Auch die Zeit vor Facebook kann vom Nutzer ergänzt werden – zum Beispiel mit wichtigen Ereignissen wie der eigenen Hochzeit. Gesteuert wird das Ganze über eine Leiste am rechten Bildschirmrand.

Von Julia Mohr

Sind die Bedenken gegenüber der Timeline berechtigt?

Pro - von HNA-Redakteur Willi Ditzel

Mir gefällt das soziale Netzwerk Facebook, aber nicht die Chronik. Das beginnt bei deren Optik, die mir ebenso aufgezwungen wird wie der Fakt, dass man künftig von Anbeginn meiner Aktivitäten an nachvollziehen kann, welche Videos ich mir im Netz angeschaut, welche Musik gehört und welche Nachrichten ich wann gelesen und gemocht habe. Ich möchte den Augenblick mit Facebook-Freunden teilen, nicht mein Leben. Die sieben Tage, die mir Facebook gibt, um in gut 60 Schritten die Chronik zu typisieren, sind zu wenig. Es gibt schließlich noch ein Leben und soziale Kontakte außerhalb sozialer Netzwerke.

Kontra - von HNA-Redakteur Philipp David Pries

Jetzt schreien sie wieder Zeter und Mordio, die Datenschützer Deutschlands. Sie regen sich auf über die Timeline – die doch in Wirklichkeit vor allem die eigene Facebook-Seite aufhübscht. Was man im sozialen Netzwerk an Beiträgen oder Fotos veröffentlicht hat, ist schon jetzt vollständig einsehbar – nur nicht so bequem. Es bleibt eine Illusion, dass Aktivitäten auf Facebook keine dauerhaften Spuren hinterlassen. Der Konzern will viele Daten von uns, damit er möglichst zielgerichtet Werbung schalten kann. Die verpflichtende Timeline ist da nur der nächste Schritt. Wer das Grundprinzip nicht akzeptiert, war und ist bei Facebook falsch.

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