Kaum war die Nachricht der Staatsanwaltschaft Hannover um kurz vor acht Uhr in der Welt, explodierten die Diskussionsforen im Netz. Im Sekundentakt prasselten im Kurzmitteilungsdienst Twitter die Stimmen herein. Die Netzgemeinde diskutierte mit einer Mischung aus Kritik, Hohn, Sorge und Humor.
Es zeigte sich einmal mehr: Twitter ist ein Echtzeitmedium, ein Radar für die Befindlichkeiten sehr vieler Menschen. Reichlich Beachtung fand beispielsweise eine Einschätzung der Tagesschau-Redaktion, die per Twitter in die Welt gesetzt und verbreitet wurde: „Ein einmaliger Vorgang in der deutschen Geschichte.“ Außerdem gab es zahlreiche Appelle: „Herr Wulff, treten Sie heute zurück, suchen Sie sich einen neuen Job und halten sich bitte von der Politik fern“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer schrieb: „Herr Präsident Wulff, die Zeit ist reif, die Abschiedsrede zu schreiben.“
Andere mahnten jedoch, bei den Fakten zu bleiben: „Nicht vergessen – Aufhebung der Immunität heißt nur, dass die Saatsanwaltschaft ein Verfahren einleiten darf. Vgl. Art. 60 IV iVm. 46 III GG“.
Wenn es bei Twitter hoch hergeht, ist dies auch immer ein Trittbrett für verschiedene Interessen. So twitterten nicht nur die Medien fleißig zum Thema - auch wurden so eigene Beiträge oder Wulff-Satiren an den Mann gebracht.
Die Mehrheit der Nutzer hingegen griff auf Twitter zum Humor. So fragte ein Nutzer: „Ob sich Wulff jetzt selbst begnadigen kann?“. Ein anderer User spottete in Form einer vermeintlichen Eilmeldung: „Wulff-Biografie wird verfilmt. Titel: Die unerträgliche Leichtigkeit des Scheins“. Hohn brach sich auch Bahn in einer anderen Wortmeldung, die Twitter-typisch auf 140 Zeichen begrenzt sind: „Spannende Frage nach Wulff ist ja jetzt: Kommt nun Gauck oder Gottschalk oder Markus Lanz als neuer Präsident?“. Andere fragten, ob Bettina Wulff jetzt ins Dschungel-Camp müsse.
Innerhalb kürzester Zeit schaffte es die Wulff-Meldung in die Rangliste der wichtigsten Twitter-Themen. Desinteresse hingegen blieb die Ausnahme. Eine Nutzerin immerhin schrieb: „Aber was interessiert mich Wulff: Ich höre jetzt Isoldes Liebestod.“
Von Philipp David Pries



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