Kleiner Raum, riesige Informationsmengen

Forscher entwickeln Datenspeicher für die Ewigkeit

Quarzglas-Chip
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Eine winzige Scheibe aus Quarzglas kann enorme Datenmengen speichern. Der abgebildete Chip enthält die gesamte Bibel in englischer Sprache.

Southampton – Britische Forscher haben aus Quarzglas ein Daten-Speichermedium entwickelt, das enorme Informationsmengen über Milliarden Jahre speichern soll – und dabei auch noch verblüffend wenig Platz benötigt.

Die Wissenschaftler sprechen von einem „enormen Vorwärtsschritt“ bei der digitalen Datenaufzeichnung. Eine einzige Speicherscheibe des neuartigen Nanostruktur-Glases kann auf der Fläche eines Zwei-Euro-Stücks 360 Terabyte an Daten speichern - das entspricht in etwa 15.000 Blu-ray-Filmen oder anderthalb Milliarden digitalisierten Büchern. Die Forscher der Universität von Southampton wollen mit Hilfe der neuen Technologie die gesamte Geschichte der Menschheit aufzeichnen. Professor Peter Kazansky, Mitglied der Forschergruppe, ist begeistert: "Diese Technologie kann die letzten Hinweise auf unsere Zivilisation bewahren: All unser Wissen, vor dem Vergessen geschützt.“

Mehrere Milliarden Jahre Lebensdauer

Für diesen Zweck braucht es nicht nur viel Speicherplatz, sondern auch eine hohe Lebensdauer des Materials und der darauf gespeicherten Daten. Auch diese Voraussetzung erfüllt das Quarzglas, versprechen die britischen Forscher. Bis zu 1000 Grad Celsius sollen die Scheiben verkraften, bei Raumtemperatur ist die Lebensdauer der Daten quasi endlos, denn selbst bei 190 Grad verblassen die gespeicherten Informationen erst nach rund 14 Milliarden Jahren. Damit stellt das Quarzglas herkömmliche CDs und DVDs deutlich in den Schatten: Diese halten zwar bis zu 100 Jahre durch, aber nur bei optimalen Lagerbedingungen. Licht, Feuchtigkeit, zu trockene Luft oder Kratzer machen den Silberlingen häufig schon viel früher den Garaus.

Im Gegensatz dazu könnten die Quarzglasscheiben überall wo große Datenmengen sicher und dauerhaft gespeichert werden müssen, eine gefragte Alternative darstellen - etwa in Nationalarchiven, Museen und Bibliotheken, aber auch in kommerziellen Unternehmen.

UN-Menschenrechtscharta als erstes gespeichert

Bekannt ist die Technologie bereits seit 2013, nun konnten einige wichtige zeitgeschichtliche Dokumente gespeichert werden - in einer Form, die die Menschheit überdauern könnte. Als erstes war die UN-Menschenrechtscharta an der Reihe, gefolgt von der Bibel und anderen historischen Schriften.

Die Dokumente werden mittels ultraschneller Femtosekunden-Laser aufgezeichnet, die extrem kurzwellige und hochintensive Lichtimpulse produzieren, hundertmal dünner als ein menschliches Haar. Sie verändern die Art wie Licht durch das bestrahlte Quarzglas fällt, sowie die Polarisation des Materials. Diesen Effekt nutzen die Wissenschaftler, um die aufgezeichneten Daten wieder auszulesen, mithilfe eines optischen Mikroskops und eines Polarisators, dessen Wirkung der von Polaroid-Sonnenbrillen ähnelt. Zu der riesigen Kapaziät trägt bei, dass die Daten in fünf Dimensionen gespeichert werden können: Informationsträger sind Größe und Ausrichtung sowie die dreidimensionale Position der Nanostruktur des Glases.

Nun suchen die Wissenschaftler zahlungskräftige Unternehmen, die die bahnbrechende Technologie zur Marktreife bringen sollen.

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