Fans wollen Album nicht mal geschenkt

Zwangsbeglückung: U2 und Apple im Shitstorm

U2 Apple
+
U2 und Apple ernten harsche Kritik für ihren Gratis-Download.

Cupertino - Die Rockband U2 hat ihren Fans ihr neues Album geschenkt - doch auch die Apple-Nutzer, die die Musik der Iren nicht mögen, haben sie jetzt auf ihren Rechnern. Der Protest ist heftig.

Es war gleich eine doppelte Überraschung, die Apple-Chef Tim Cook bei der heiß erwarteten Präsentation des iPhone 6 am Mittwoch aus dem Hut zauberte: Die irische Superband U2 kam zu dem Event auf die Bühne und heizte dem Publikum im kalifornischen Cupetino ordentlich ein. Doch damit nicht genug: Die Rocklegenden schickten den rund 500 Millionen iTunes-Nutzern gleich ihr brandneues Album "Songs of Innocence" umsonst auf ihre Rechner, Laptops und Smartphones - ob die das wollten oder nicht. Was für Fans der Mannen um Frontmann Bono eine feine Sache ist, empfinden andere als unerträgliche Belästigung. 

Marketing-Coup wird zum Werbe-Desaster

So wurde der Marketing-Coup zum Werbe-Desaster: Ein heftiger Shitstorm brach über U2 und den Branchenriesen mit dem Apfel-Logo herein. Auf Twitter häuften sich die fassungslosen bis bissigen Kommentare.

"Wie zum Teufel kommt Apple darauf, dass Leute dieses neue U2-Album tatsächlich wollen?", fragte sich ein User.

Ein anderer bezeichnete das Werk als Virus.

Ein dritter schrieb (nicht ganz ernst gemeint und sehr zweifelhaft in der Wortwahl), er fühle sich von Apple vergewaltigt.

Selbst eingefleischten Fans geht es zu weit, dass sie nicht einmal mehr gefragt werden, ob sie das Album wollen, wie man auf der Facebook-Seite der Iren in den Kommentaren lesen kann.

Der britische "Guardian" listete zehn Dinge auf, die man mit dem ungewollten Album anstellen kann. Darunter finden sich originelle Ideen wie eine akustische Bestrafung für den unartigen Nachwuchs in Form einer 24-stündigen Dauerschleife in einem eigens dafür eingerichteten WiFi-Netz im Kinderzimmer. Auch schön ist der Vorschlag, auf seinem Handy einen Song der Scheibe als Klingelton für Mitmenschen einzurichten, die man nicht ausstehen kann.

72 MB "Datenmüll"

In Zeiten, in denen Streaming-Dienste so beliebt wie nie sind, erscheint die Idee eines Downloads bereits ziemlich antiquiert. Doch auf Spotify und Co. wird man "Songs of Innocence" nicht finden. Viele ärgert es dementsprechend, dass die 72 MB des Downloads ihren Rechner-Speicherplatz "zumüllen", andere können schlichtweg mit der Musik - im Gegensatz zu der aus der Anfangs- und Hochzeit der Band - nichts anfangen.

Da hilft es auch nicht viel, dass man die schuldigen Dateien der "unschuldigen Songs" auch löschen kann, denn in der Einkaufsliste finden sie sich wieder (und werden, wenn man nicht aufpasst, erneut heruntergeladen). Wenigstens kann man sie dort ausblenden, bis sie nach etwa einem Monat von selbst verschwinden. 

Fragwürdiges neues Model

Diese Zwangsbeglückung stellt das neue Modell dar, mit dem Apple Musik an die Hörer bringen will. Das sieht vor, dass der Konzern dem Label (hier Universal Music) eine (in dem Fall ungenannte) feste Summe anstatt des üblichen Albumpreises zahlt. So soll ein Anreiz für den für drei Milliarden Dollar erworbenen Musikdienst Beats geschaffen werden. U2 wiederum hofft auf neue Fans, wie Bono auf der Homepage der Band schreibt, und einen Verkaufs-Schubser für ihre alten Platten.

Cook hat nichts weniger vor, als auf diese Weise die "Art und Weise zu verändern, wie Musik gehört und angesehen wird", wie er selbstbewusst tönt. Nach dem verheerenden Echo sollte er sich das vielleicht noch einmal überlegen...

Haakon Nogge

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.