Einfluss auf neue Generation wird immer größer 

Von "LeFloid" bis "Dagi Bee": So mächtig sind die YouTube-Stars 

+
Als "LeFloid" erklärt Florian Mundt Jugendlichen das Weltgeschehen. Auch die Kanzlerin war bei ihm bereits zum Interview geladen. Foto: Bundeskanzleramt/Steffen Kugler

Washington - Zehn Jahre nach der Geburt von YouTube gedeihen in dem Portal längst eigene Promis heran. In den USA sind die Stars der Videoplattform mittlerweile Millionäre.

Was vor einem Jahrzehnt mit Heim- und Katzenvideos anfing, ersetzt inzwischen für viele das traditionelle Fernsehen. Auf der Videoplattform YouTube werden täglich millionenfach Klicks generiert - und dadurch eigene Stars.

In den USA verdienen die Macher hinter den erfolgreichsten Kanälen inzwischen Millionen. Die Videos wirken simpel: Die neuen Stars im Netz geben ihre Koch- oder Schminktipps, spielen Parodien oder ganze Sketche. Oft filmen sie einfache Einblicke in ihr Privatleben oder äußern Meinungen zu aktuellen Themen.

Online-Videos übertrumpfen Fernsehen

Doch ihr Einfluss bei Jugendlichen ist mächtig, zeigt eine Umfrage des US-Medienunternehmens Defy Media. Demnach gucken die befragten 13- bis 24-Jährigen in den USA im Schnitt 11,3 Stunden Onlinevideos in der Woche - drei Stunden mehr als herkömmliches Fernsehen. Die Befragten lebten in oder nahe der Großstädte Atlanta, Los Angeles und Minneapolis.

Nach eigenen Angaben hat YouTube momentan über eine Milliarde Nutzer, das sind fast ein Drittel aller Internetnutzer weltweit. Allein auf mobilen Geräten erreicht die Seite mehr Zuschauer zwischen 18 und 49 Jahren als jeder TV-Kabelsender, heißt es bei der Videoplattform.

Hinter den scheinbar privaten und spontanen Heimvideos bekannter YouTuber steckt eine ausgefeilte Marktstrategie: der Mensch oder der Kanal wird zur Marke. Neben festen Einnahmen aus Werbung wird auf eigene Merchandise-Artikel, Schminkprodukte oder Kochbücher hingewiesen - dank mehrerer Millionen Abonnenten ein lukratives Geschäft. Wer an Konkurrenzdenken innerhalb des Portals denkt, irrt: Die Stars treten als Gäste auf anderen Kanälen auf, finden so neue Abonnenten. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

Schwedischer YouTube-Star verdient mit Videos 11 Millionen Euro

Unangefochtener Topverdiener unter den YouTube-Stars ist der Schwede Felix Kjellberg, im Netz bekannt als "PewDiePie". Seine mehr als 40 Millionen Abonnenten verhalfen ihm vergangenes Jahr zu einem Einkommen von zwölf Millionen Dollar (11 Mio Euro), berichtet das Magazin "Forbes". Kjellbergs Zuschauer sehen ihm regelmäßig beim Testen von Videospielen zu. In der "Forbes"-Liste der amerikanischen YouTube-Topverdiener schafft es selbst die zehntplatzierte Rosanna Pansino noch auf etwa 2,5 Millionen Dollar (2,3 Mio Euro) im Jahr.

Auch in Deutschland hat sich eine wachsende YouTube-Szene entwickelt. Künstler wie "YTITTY" oder "Unge" haben den Durchbruch geschafft, einige der deutschen Stars verdienen teilweise bis zu sechsstellige Beträge im Jahr, wie Bertram Gugel, Berater im Bereich Webvideo, gegenüber der Rheinischen Post schätzt.

Es gibt auch Kritik 

Ganz so viele Abonnenten wie die Vorbilder aus Amerika haben sie nicht, doch auch viele deutsche Kanäle verzeichnen deutlich über eine Million Abonnenten. Der 28-jährige Florian Mundt landete im Juli gar ein Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel - ganz nach dem Muster der drei Stars, die im Januar US-Präsident Barack Obama befragen durften. Auf YouTube erklärt Mundt Jugendlichen als "LeFloid" regelmäßig die Nachrichten.

Doch neben 4,3 Millionen Klicks gab es auch Kritik für das Interview: Die Fragen zu simpel, von Merkel als Plattform für die eigene Botschaft benutzt, lautete der Vorwurf deutscher Journalisten. Auch "LeFloids" Kollegin Nicole Ochmanczyk alias "Dagi Bee" gerät durch nicht ausgewiesene Produktplatzierungen immer wieder ins Abseits. In einem Interview nennt sie lediglich Werbegelder als Einnahmequelle.

Bekannter als manche Schauspieler oder Sänger 

Trotz allem bleibt den Youtube-Stars, ob in Deutschland oder den USA, die Unterstützung ihrer jungen Fans erhalten. In den USA sind YouTuber mittlerweile bekannter als so mancher Schauspieler oder Sänger. Lilly Singh alias "Superwoman" hat mit ihrem Programm eine weltweite Tour durch 25 Städte hinter sich, Rosanna Pansino wurde durch ihre Kochvideos zur Bestseller-Autorin.

Was alle Stars gemeinsam haben: Ein aktiver Austausch mit den Zuschauern. Kommentare werden beantwortet, Selfies mit Fans in den sozialen Netzwerken geteilt. "Es ist eine neue Generation von Berühmtheiten", erklärt Jeetendr Sehdev, Professor für Marketing an der University of Southern California. "Sie sind sowas wie die Anti-Stars - weil sie echt sind."

dpa

Studie Defy Media

YouTube-Statistik

Forbes-Liste

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.