Duldungsstatus der Roma-Familie Saciri wird nicht weiter verlängert – Protest und Einsatz für ein Bleiben

Abschiebung in die Kälte droht

+
Abschiebung droht: Der 15-jährige Seneli Saciri (Mitte) soll in den Kosovo zurück. Kenan Emini (links) vom Roma Center und Stefan Klingbeil (Arbeitskreis Asyl) wollen das verhindern.

Göttingen. Schon morgen müssen Seneli (15), Jelena (16) Siad (18) und ihre Mutter Bahtija (48) Deutschland den Rücken kehren, denn ihr Duldungsstatus wurde Mitte Februar von der Göttinger Ausländerbehörde nicht verlängert. Seit neun Jahren lebt die Familie Saciri hier.

Sie floh 2003 aus dem politisch instabilen Kosovo. Ein Zurück ist für die Familie undenkbar, denn die Roma sind im Kosovo rassistischen Anfeindungen ausgesetzt, beziehen keine sozialen Leistungen, leben am Rande der Gesellschaft.

Gegen den Beschluss der Abschiebung wehren sich der „Göttinger Arbeitskreis zur Unterstützung von Asylsuchenden“ (AK Asyl) und der Verein „Roma Center“, die die Abschiebung aufs Schärfste verurteilen. Gestern demonstrierten etwa 50 Menschen vor dem Neuen Rathaus für ein Bleiberecht der Familie.

„Ich habe Angst, weil ich nicht weiß, was mich im Kosovo erwartet“, erzählt Seneli Saciri, der mit seiner Schwester Jelena die Martin-Luther-King Schule besucht. Die Heimat ihrer Mutter ist ihnen fremd, sie sprechen weder Serbisch noch Albanisch, die offiziellen Amtssprachen des Kosovo. Bahtija Saciri Gesundheitszustand ist bedenklich. Nachdem sie von der drohenden Abschiebung erfahren hat, ist sie mit Herzproblemen in das Krankenhaus Neu-Bethlehem eingeliefert worden.

Die Ärzte aber lehnen das Ausstellen einer Reiseunfähigkeitsbescheinung ab, da dieses nicht in ihrem Verantwortungsbereich liege. Untersuchungen des Hausarztes und des Gesundheitsamtes stehen noch aus. Die Reiseunfähigkeit der Mutter ist die einzige Hoffnung, die Abschiebung noch abwenden zu können.

Juristisch sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Ende Januar legte die Ausländerbehörde der Familie einen Antrag vor, dass ihr Fall vor der Härtefallkommission des Landes entschieden werden soll. Nach Angaben der Familie drückte sich der Sachbearbeiter auf „Amtsdeutsch“ aus, so dass die Saciris nichts verstanden und den Antrag nicht unterschrieben haben. Nun ist die Frist verstrichen, die Zukunft der Familie Saciri ungewiss. Ihr Haus wurde im Bürgerkrieg zerstört, sie haben weder Familie noch Freunde oder Unterstützer im Kosovo.

Kenan Emini vom Verein Roma Center hat bereits mehrere abgeschobene Göttinger Roma-Familien im Kosovo besucht. „Sie sind nicht integriert und leben in ghettoähnlichen und unmenschlichen Verhältnissen.“ Das niedersächsische Innenministerium sieht es anders: Die Diskriminierung der Roma im Kosovo wird als Asylgrund nicht anerkannt. Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das einen Abschiebestopp für Roma verhängt hat. Von der Ausländerbehörde der Stadt war gestern keine Stellungnahme zu bekommen.

Die Saciris blicken in eine unsichere Zukunft. Denn die Kälte erwartet sie.

Von Sandy Naake

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.