Airport Hahn wird chinesisch: Auch Hessen will Anteile loswerden

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Der wichtigste Kunde: Eine Maschine der Ryanair unweit des Towers am Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück. 

Der defizitäre Hunsrück-Flughafen Hahn soll nach seinem Verkauf an Chinesen in die schwarzen Zahlen gelangen. Das sagte am Montag der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD).

Der Käufer, die Shanghai Yiqian Trading Company, teilte mit, es gebe einen Geschäftsplan, man könne ein Ende der roten Zahlen aber nicht terminieren. Die Belegschaft solle mittelfristig wachsen - derzeit sind es 320 Mitarbeiter. Fragen und Antworten:

Was weiß man über die Käufer?

Yu Tao Chou

Hahn-Investor Shanghai Yiqian Trading Company ist nach den Worten des Generalbevollmächtigten Yu Tao Chou ein Schwergewicht unter anderem der Bauindustrie und Logistik. Unterstützt wird sie von der Shanghai Guo Qing Investment Company, laut Chou das führende Inlands-Bauunternehmen in China, das auch Flughafengebäude baue.

Was weiß man über den Generalbevollmächtigten?

Chou, ein Arzt mit Pilotenschein, wird Vize-Geschäftsführer des Hahn. Früher sei er für die 2015 vom Hahn abgewanderte Frachtflug-Airline Yangtze River Express geflogen. Die wolle er zurückholen. Interessant am Hahn aus Investorensicht: die 24-Stunden-Betriebserlaubnis.

Was sagen andere Fachleute?

„Positiv bei chinesischen Unternehmen ist, dass sie meist eine langfristige Strategie verfolgen, das Management oft beibehalten und darauf aufbauend versuchen zu entwickeln“, so Luftfahrtexpertin Yvonne Ziegler, Professorin an der Frankfurt University of Applied Sciences. Chinesen seien gute Geschäftsleute, die häufig über die finanziellen Ressourcen verfügten. Auch der Regionalflughafen Schwerin-Parchim ging 2007 an einen Chinesen. Eine Boom-Geschichte ist nicht daraus geworden: „Das Projekt kann zehn Jahre dauern, 100 Jahre oder bis in alle Ewigkeit“, so Käufer Jonathan Pang. Zuletzt war vom Bau eines Luxus-Centers an der Piste die Rede - für Chinesen, die zum Shoppen nach Parchim eingeflogen werden.

Was weiß man über den Kaufpreis?

Offiziell liegt der niedrig im zweistelligen Millionen-Bereich. Die CDU-Opposition im Mainzer Landtag spricht vom „Notverkauf für wohl läppische zehn Mio. Euro“.

Seit wann kann man vom Hahn fliegen?

1993 begann die zivile Nutzung des alten US-Militärflughafens. Die irische Billig-Airline Ryanair fliegt hier seit 1999 und ist der mit Abstand wichtigste Kunde - allerdings schrumpfend. 2009 schied der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport als Anteilseigner aus. Rheinland-Pfalz hielt 82,5 Prozent an der Frankfurt-Hahn GmbH, einem wichtigen Arbeitgeber im strukturschwachen Hunsrück. Hessen hat noch 17,5 Prozent - auch sie sollen nach China gehen. In Hessen müssen dem Verkauf der Anteile das Kabinett und der Haushaltsausschuss des Landtags zustimmen. Die nächste Sitzung des Ausschusses ist für Mittwoch kommender Woche (15. Juni) geplant. 

Hintergrund:  Ärger um den Doppelnamen

Darf eine Piste im Hunsrück, 120 Kilometer weg von Rhein/Main, mit dem Namen Frankfurt-Hahn werben? Der Streit ging bis vor Gericht. Irreführung der Kunden, meinte das Oberlandesgericht Frankfurt erst - und korrigierten sich 2002: Nun wüssten die meisten, dank umfangreicher Berichterstattung, dass zwischen Frankfurt und Hahn anderthalb Zubringerbus-Stunden lägen. Lufthansa und Ryanair legten den Streit bei. 

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