Kommentar zum Umgang mit Informationen in Krisensituationen

Amoklauf in München: Antworten, die Sicherheit geben

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Marcus da Gloria Martins

Wer gestern die schrecklichen Ereignisse in München verfolgte, tat das zumeist über Fernsehen und Internet. Gerade letzteres macht es Journalisten wie Nutzern nicht einfacher, Informationen richtig einzuordnen. Ein Kommentar von Jens Nähler, Mitglied der Chefredaktion und Leiter der Online-Redaktion.

Angst ist ein schlechter Begleiter. Gestern aber erreichte sie Deutschland. Sie ist nur zu verständlich angesichts der jüngsten Anschläge in Europa. Umso stärker die Reaktion der Sicherheitskräfte in München – auch wenn dieser Angst zunächst vermeintlich Vorschub geleistet wurde durch die Ausweitung der Fahndung auf mehrere Täter.

Nein, die Polizei machte nur ihren Job, als sie entsprechenden Hinweisen nachging. Das war keine Hysterie, keine Terrorpanik, auch wenn sich der Gedanke an einen islamistischen Hintergrund unweigerlich Bahn brach. Es war keine übertriebene Vorsicht: es war nüchterne, exakte Polizeiarbeit, die die Angst ins Gegenteil verkehrte und stattdessen sogar dem nervösen Beobachter ein Gefühl von Sicherheit zurückgeben konnte.

Dieses Gefühl hatte in der Nacht zum Samstag ein Gesicht: das des Polizei-Pressesprechers Marcus da Gloria Martins. Sachlich und unaufgeregt stand er Rede und Antwort und beschränkte sich dabei auf das, was er als sicher benennen konnte. Nicht mehr und nicht weniger. Lieber langsame Fakten als schnelle Gerüchte. Besser nichts ausschließen als sich falsch festlegen.

Wir, die Medien, können davon lernen. Wir, Leser und Betrachter, können davon lernen.

Eigentlich wissen wir es schon. Nämlich, dass vieles, das wir schnell an anderer Stelle erfahren, zunächst oft einmal nichts anderes ist als bloße Spekulation. Fotos vermeintlich von vor Ort. Im Netz geteilt von Tausenden. Einige davon tatsächlich von ganz anderen Schauplätzen. Videos. Livevideos. Statements.

Es gab Zensurvorwürfe gegen die Polizei nach deren Bitte, keine Einsätze zu filmen und im Netz zu veröffentlichen. Dabei ging es den Beamten um Sicherheit. Für die Menschen in München. Für sich selbst. Was könnte wichtiger sein? Die schnelle Nachricht ist es jedenfalls nicht.

Marcus da Gloria Martins musste auf viele Fragen antworten. Doch das, was er an Sicherheit ausstrahlte, machte das Übermaß an Material und Mutmaßungen im Netz, im TV fast wieder zunichte. Journalisten müssen fragen, sicher. Aber sie müssen sich auch die Frage stellen lassen, wie sie mit Informationen umgehen, die sich nur schwer prüfen lassen – und das nicht zum ersten Mal.

Sie sind immens unter Druck angesichts einer durch moderne Medien völlig neuen Öffentlichkeit und damit einhergehenden Beobachtung sowie einer geradezu absurden Menge an Materialien und Eindrücken, die sie einordnen sollen. Wer wollte all dies noch fehlerfrei leisten können trotz bester Absichten?

da Gloria Martins jedenfalls hat seinen Teil dazu beigetragen, einen Ausweg aus dieser Misere zu finden und auch eine sachliche Routine in absoluten Ausnahmesituationen an den Tag zu legen. Ein Beispiel, das Schule machen und Sicherheit geben sollte.

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