Waffenhändler festgenommen - auch Nordhesse hatte bei ihm gekauft

Amokschütze von München kaufte Waffe in Marburg

Der Amokläufer von München hat seine Tatwaffe, mit der er zehn Menschen tötete, offenbar von einem 31-Jährigen aus Marburg gekauft. Der Waffendeal fand über das Darknet statt.

Am Dienstag nahm die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt den Händler in Marburg fest. Er wird laut Generalstaatsanwaltschaft verdächtigt, unter anderem die Tatwaffe und Munition an den 18-jährigen Amokläufer von München, David S., verkauft zu haben. Am Abend wurde bekannt, dass auch die gleichaltrige Lebensgefährtin des Verdächtigen festgenommen wurde.

Ausgangspunkt für die Ermittlungen waren laut Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen zwei Personen, die im Verdacht stehen, bei dem 31-Jährigen Waffen gekauft zu haben. Dabei handelt es sich es sich um 17-jährigen Schüler aus Nordhessen und einen 62-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen.

Der 17-jährige Schüler soll in der ersten Julihälfte 2016 von dem Waffenhändler ein Repetiergewehr Karabiner Modell 1931 mit 157 Patronen erworben haben. Das geht aus einer Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft hervor. Zudem fanden die Beamten bei einer Hausdurchsuchung in der Nacht vom 2. auf den 3. August weitere Waffen bei dem Schüler: Eine Pistole Walther PK 380, drei Gewehre, vier Revolver, Munition und fünf Kilogramm Schwarzpulver. Bei dem 62-Jährigen wurden ebenfalls Waffen sichergestellt.

Wie die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), die bei der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt angesiedelt ist, dann den Kontakt zu dem Waffenhändler herstellte ist unklar. Möglicherweise nutzten die Ermittler die Accounts der beiden Personen – das ist allerdings offiziell noch nicht bestätigt. Auf jeden Fall lockten sie den Händler im Darknet über ein Chat-Programm in eine Falle: Sie fädelten einen Scheingeschäft ein, bei der eine Maschinenpistole, vier Magazine mit 700 Patronen sowie eine Pistole Modell Glock 17 mit 100 Patronen für 8000 Euro geliefert werden sollte, heißt es in der Mitteilung der Behörde.

Im Zuge der Kommunikation für den Waffendeal erklärte der Waffenhändler aus Marburg, er habe die Glock nebst Munition für den Amoklauf in München am 22. Juli geliefert. Die Waffe will er dem Attentäter bei einem Treffen in Marburg am 22. Mai übergeben haben. Im Juli soll es ein weiteres Treffen in Marburg für die Übergabe von Patronen gegeben haben.

Heute konnte der Händler bei der Übergabe der Waffen in Marburg festgenommen werden. Die Maschinenpistole und die Pistole wurden sichergestellt. Der Mann führte bei der Übergabe zur Eigensicherung eine durchgeladene Pistole mit sich.

Hintergrund: Darknet - der Untergrund des Internets

Im sogenannten Darknet (englisch für "dunkles Netz") können sich Internetnutzer anonym bewegen. Der nur über Anonymisierungsdienste erreichbare Bereich des Internets wird etwa von Kriminellen genutzt, aber auch von Menschen, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben. Zugangsvoraussetzung ist eine Anonymisierungssoftware, etwa die kostenlose Software "Tor".

Damit werden Datenpakete nach dem Zwiebelschalenprinzip - der ursprüngliche Name "TOR" stand für "The Onion Router" - zwischen Tor-Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger, aber nicht die gesamte Ende-zu-Ende-Verbindung. Damit wird die IP-Adresse des Nutzers getarnt. (dpa)

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