Frauen unter Tage: Arbeitsplatz in 700 Metern Tiefe

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Die Arbeit unter der Erde gehört für sie zum Alltag: Carolin Möller arbeitet als Bergbautechnologin bei K+S im Werk Hattorf. Auf diesem Bild bedient sie den Sprenglochbohrer.

Philippsthal. Das Thema Seit fünf Jahren dürfen Frauen in Deutschland unter Tage arbeiten. Nur wenige haben sich seither für diesen Job entschieden. In den Bergwerken von K+S sind 0,3 Prozent der Belegschaft weiblich. Auch auf Führungsebene will das Kasseler Unternehmen die Quote verbessern.

Der Arbeitsplatz von Carolin Möller liegt 700 Meter unter der Erde. Es ist dunkel, manchmal staubig und ziemlich warm. Nicht unbedingt eine Umgebung, die junge Frauen in Scharen anzieht. Für die 22-jährige Bergbautechnologin macht genau das den Reiz der Arbeit unter Tage aus. „Es ist kein gewöhnlicher Job, den es überall gibt“, sagt sie. Die Arbeit an den Maschinen und das Untereinander der Bergleute, das sei etwas Besonderes.

Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Bergbautechnologin. Carolin Möller hat sie bei K+S im Werk Werra an der hessisch-thüringischen Landesgrenze absolviert - zusammen mit zwei weiteren Frauen und 16 Männern. Seit Anfang Juli ist sie im Werk Hattorf bei Philippsthal fest angestellt. „Anfangs hat man schon gemerkt, dass es für die Männer etwas Neues ist, mit Frauen im Bergwerk zu arbeiten“, erinnert sie sich. Inzwischen sei das aber normal.

Erst seit dem 31. Juli 2009 ist es Frauen in Deutschland gesetzlich erlaubt, unter Tage zu arbeiten (Paragraph 64a Bundesberggesetz). Das Kasseler Rohstoffunternehmen K+S hat daraufhin im Sommer 2010 die ersten weiblichen Auszubildenden eingestellt. Inzwischen arbeiten in den deutschen K+S-Bergwerken 13 Bergfrauen, eine Quote von 0,3 Prozent.

„K+S will die Vereinbarkeit von Familie und Beruf künftig noch weiter verbessern“, sagt Unternehmenssprecher Michael Wudonig. K+S sei deshalb seit vergangenem Jahr Partner zweier bundesweiter Initiativen, die das Ziel haben, Begabungen von Frauen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe zu entdecken und zu fördern.

„Natürlich ist die Arbeit körperlich manchmal sehr anstrengend“, bekennt Carolin Möller, die sich in ihrer Freizeit mit Fußball fit hält. Daran gewöhne man sich aber ebenso schnell wie an Dunkelheit und Wärme. Etwa 28 Grad sind es in 700 Metern Tiefe. Über Lüftungsschächte und Gebläse wird die Grube mit Frischluft versorgt, deren Größe unter Tage etwa dem Straßennetz von München entspricht.

Auch nach dem tragischen Grubenunglück in Unterbreizbach, bei dem am 1. Oktober 2013 drei Bergleute starben, hat die 22-Jährige aus Steinbach (Thüringen) keine Angst, dass ihr etwas passieren könnte. „Die Sicherheitsstandards in den deutschen Bergwerken sind sehr hoch“, sagt sie. Ohne Helm, Handschuhe, Sicherheitsschuhe, Notfallsauerstoff und Licht darf keiner in die Grube einfahren. Auch wenn sie ihre Arbeit meist allein verrichtet, ist sie ständig per Funk mit Kollegen in der Nähe verbunden.

Zu ihren Aufgaben unter Tage gehört zum Beispiel das Bohren der Sprenglöcher sowie das Laden und Abtransportieren der Kalisalze mit großen Maschinen. Gearbeitet wird rund um die Uhr, eine Schicht dauert 7,6 Stunden. In dieser Zeit sieht keiner der Bergleute das Tageslicht, obwohl die Fahrt im Aufzug nur etwa 90 Sekunden dauert.

Frauenanteil bei K+S in Deutschland

K+S ist Mitglied einer Arbeitsgruppe von Dax-Unternehmen, die im Jahr 2011 eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen eingegangen sind. 2010 lag dieser Anteil bei 7,2 Prozent. Drei Jahre später war erbereits auf 11,2 Prozent angewachsen. „Wir wollen diese positive Entwicklung ohne starre Quote fortsetzen“, sagt Dr. Thomas Nöcker, Personalvorstand der K+S AG. Ziel sei es, den Frauenanteil in Führungspositionen bis 2020 um 30 Prozent im Vergleich zu 2010 zu erhöhen. An den Verwaltungsstandorten von K+S sind bereits 38 Prozent der Belegschaft weiblich, an der Gesamtbelegschaft machen Frauen 9,1 Prozent aus. (jus)

Frauen unter Tage bei K+S

Von Julia Schwekendiek

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