Eltern rebellieren gegen fragwürdige Rituale - Kind bekam „besprochenes Salz“

Aufruhr im Kindergarten

Ortstermin vor einem Jahr in vermeintlich heiler Umgebung (von links): Kaloku-Vorstandsmitglied Claudia Schaubruch und Christian Kessel, Anja Deiß, Zukunftsbeauftrage des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Vereinsmitglied Michaela Schwarz-Wenk und Landrat Karl-Ernst Schmidt. Foto: Kreis Hersfeld-Rotenburg

Rotenburg. Salz gehört zum Essen, überall auf dem Globus. Auch in Rotenburg an der Fulda. Allerdings ist da Salz nicht gleich Salz. Damit es richtig wirkt, muss es besprochen werden, muss es mit Gebeten energetisiert werden.

Natürlich nicht überall in Rotenburg. Aber im Kaloku-Naturkindergarten. Dessen Verantwortliche geraten wegen solch umstrittener Methoden zunehmend in die Kritik.

Der Hersfelder Landrat Karl-Ernst Schmidt hatte die Einrichtung bei einem Besuch exakt vor einem Jahr noch in höchsten Tönen gelobt. Mit den Worten „sehr beeindruckend“, was in Privatinitiative geschaffen worden sei, wird er auf der Internetseite des Kreises zitiert.

Schmidt: „Ich möchte, dass der Landkreis zu einem der familienfreundlichsten Kreise wird.“ Dazu könnten Angebote wie das Kaloku-Kinderland einen „hervorragenden Beitrag“ leisten.

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Möglich, dass der Landrat das seit einigen Tagen etwas differenzierter sieht. Denn im so genannten Kaloku -Naturkindergarten auf dem Rotenburger Dickenrück ist die nach außen postulierte heile Welt ziemlich brüchig geworden, nachdem einem Kind auf Anweisung der Trägervereinsvorsitzende Claudia Schaubruch Essen mit „besprochenem Salz“ gegeben wurde - ohne Rücksprache mit den Eltern. Das Salz sollte harmonisierend wirken. Und Energie geben.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Zumindest was die Harmonie betrifft. Denn jetzt gehen immer mehr Eltern auf Distanz zu der Einrichtung. Viele werten das Verhalten der Kaloku-Leitung als Vertrauensbruch. Einige Eltern haben ihre Kinder inzwischen schon aus der Einrichtung genommen.

Und auch der Landrat kommt wieder ins Spiel. Bei ihm nämlich ist die Fachaufsicht für die Kindergärten angesiedelt. Ganz nah am Landrat sitzt Michael Adam, war mal dessen Pressesprecher. Er bestätigt: Eltern hätten sich über mangelnde Informationen und ungewöhnliche Vorgänge in der Kaloku-Kindereinrichtung beschwert. Es würden Gespräche „über die bekannt gewordenen Unzufriedenheiten“ geführt. Möglich auch, dass sich Hessens Fachminister Jürgen Banzer mit dem besprochenen Salz vom Rotenburger Dickenrück beschäftigen muss. Sein Ministerium ist bereits informiert.

Sachkundig können sich der christdemokratische Landrat und sein Parteifreund Banzer beim Sektenbeauftragten der evangelischen Landeskirche, Eduard Trenkel, machen. Der hat schon vor zwei Jahren gewarnt - also ein Jahr vor den wohlwollenden Worten des Kreisverwaltungschefs auf dem Dickenrück: „Eltern sollten wissen, worauf sie sich einlassen“ Und: „Ich denke, Kinder nehmen längerfristig Schaden.“

Jeder halbwegs Interessierte hätte die Meinung des Fachmannes in einem im Rotenburger Dekanat leicht erhältlichen Infoblatt nachlesen können. Der Energiebegriff beispielsweise stehe im Kaloku-Kindergarten in klarem Widerspruch zur Kräftelehre der heutigen Physik. Trenkel: „Ich halte es für gefährlich, wenn man sich davon abhängig macht.“

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann und Jürgen Umbach

Hintergrund: Von Kaloku bis Huna

• Das Kaloku-Kinderland in Rotenburg besuchten etwa 20 Kinder.

• Unter Besprechen im magischen Sinn ist eine ritualisierte Methode zu verstehen, mit der Gegenstände oder Lebewesen durch Aussprechen von Wünschen verändert werden soll.

• Ausführende Personen sind Priester, Schamanen oder Hexen.

• Kaloku arbeitet nach eigenen Angaben auf der Basis von Huna. Das ist eine esoterische Interpretation der schamanistisch geprägten Naturreligion Hawaiis mit psychologischen, religiösen und magischen Elementen.

• KaLoKu steht für das Hohe, das Mittlere und das Untere Selbst.

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