Auschwitz-Prozess: Freispruchforderung empört Überlebende

+
Der Auschwitz-Überlebende Leon Schwarzbaum sitzt im Verhandlungssaal in Detmold. Foto: Bernd Thissen/Archiv

Oswiecim/Detmold (dpa) - Vor dem Urteil im Detmolder Auschwitzprozess gegen einen ehemaligen SS-Wachmann hat eine Überlebendenorganisation die Freispruchforderung der Verteidiger als "makaber und empörend" bezeichnet.

Der wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen angeklagte heute 94-jährige Reinhold Hanning sei in der Befehlskette von Auschwitz "aktiv an den Lagerabläufen der Tötungsmaschinerie beteiligt" gewesen, sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, am Montag in Oswiecim.

Begründe die Verteidigung das Verhalten des Angeklagten mit dessen Obrigkeitshörigkeit, so wirke das "wie ein nachträglicher riesiger Persilschein". Der einstige Wachmann sei "Teil des alltäglichen und überall präsenten Grauens, dem jüdische Familien und andere Häftlinge von Auschwitz ausgeliefert waren". Die Verhandlung sei sehr wahrscheinlich der letzte Prozess gegen einen noch lebenden Täter. Werde er freigesprochen, sei das fatal.

Am Freitag wollen die Detmolder Richter ihr Urteil sprechen. Auschwitz-Birkenau war das größte der nationalsozialistischen Vernichtungslager. Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet.

Gedenkstätte Auschwitz

Internationales Auschwitz-Komitee

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.