Kassen: Bei Bio-Arznei sparen

Barmer-Report: Ärzte verschreiben immer noch zu viele Original-Präparate

Berlin. Die gesetzlichen Krankenkassen könnten in den kommenden fünf Jahren mehr als vier Milliarden Euro einsparen, wenn die Ärzte auch im Bereich biotechnologisch hergestellter Arzneimittel konsequent preiswertere Nachahmer-Präparate (Biosimilars) verschreiben würden.

Das geht aus dem aktuellen Arzneimittelreport der Barmer GEK hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Um welche Arzneien geht es genau? 

So genannte Biologika werden aus lebenden Organismen (zum Beispiel Bakterien) gewonnen. Sie sind ein wichtiger Fortschritt in der Therapie, denn sie kommen bei bislang unzureichend behandelbaren Erkrankungen zum Einsatz. Darunter fallen zum Beispiel entzündliche rheumatische Leiden sowie chronisch entzündliche Darmerkrankungen. Biosimilars wiederum sind Versionen des Wirkstoffs bereits zugelassener Biologika, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie sind im Schnitt etwa 25 Prozent günstiger als das Originalpräparat.

Wir haben sich die Arzneikosten entwickelt? 

Sie sind zuletzt stark gestiegen. Nach einem Zuwachs von 9,4 Prozent pro Versichertem im Jahr 2014 haben die Arzneikosten von Januar bis September des Vorjahres nochmals um fünf Prozent zugelegt. Auffällig sind die hohen Ausgaben insbesondere für neu zugelassene Arzneimittel. Auch deshalb haben die Kassen ein großes Interesse an kostengünstigeren Nachahmer-Produkten. Ein großes Potenzial sind dabei Biologika, denn sie verursachen mittlerweile etwa 21 Prozent aller Arzneimittelkosten

Welche Einsparmöglichkeiten gibt es?

Im Bereich der synthetischen Medikamente haben viele Kassen Rabattverträge mit den Herstellern abgeschlossen. Die funktionieren so, dass der Arzt nur eine bestimmte Substanz verschreibt und der Apotheker ein entsprechendes Medikament (Generika), das dem Rabattvertrag unterliegt, an den Patienten abgibt. Die Krankenkasse des Patienten kostet das weniger als ein wirkstoffgleiches Originalpräparat. Im Bereich der biotechnologischen Arzneien sind zwar auch Rabattverträge möglich. Doch entscheidet hier allein der Arzt über das konkrete Medikament, da sie nach den geltenden Bestimmungen als nicht austauschfähig gelten. Allerdings gibt es inzwischen Studien, die einen problemlosen Austausch belegen. Darauf bauen die Kassen.

Werden Biosimilars bereits verschrieben? 

Ja, bereits seit zehn Jahren werden Patienten damit behandelt. Allerdings hängt das stark davon ab, wo der Patient wohnt. Der Autor des Arzneimittelreports, Daniel Grandt, Chefarzt im Klinikum Saarbrücken, sieht eine Ursache für die zum Teil geringe Verschreibung von Biosimilars in der Informationspolitik der Pharmahersteller, die um ihre Einnahmen aus teuren Originalpräparaten fürchteten.

Rubriklistenbild: © dpa

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