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Benzingipfel verspricht mehr Durchblick

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Demo vor dem Benzingipfel im Bundeswirtschaftsministerium: Auch Umweltschützer trauen dem E10-Sprit nicht. Foto: dpa

berlin. Der weithin ungeliebte neue E10-Sprit bleibt - aber die Werbung soll besser werden. Das ist in einem Satz das Ergebnis des gestrigen Benzingipfels im Bundeswirtschaftsministerium.

In einer zweiseitigen Gipfelerklärung einigten sich Bundesregierung, Auto- und Mineralölwirtschaft, Autoclubs und Landwirtschaft auf konkrete Schritte gegen weitere Verunsicherung an den Tankstellen:

• Die Liste der Deutschen Automobiltreuhand (DAT), die typ- und baujahrgenau auflistet, welche Autos den E10-Sprit vertragen, soll „unverzüglich“ an allen Tankstellen ausliegen. Tankwarte sollen ihre Kunden zur Not persönlich auf die Liste hinweisen. Auch alle Händler und Werkstätten sollen die Liste bereithalten.

• Fahrzeughersteller und -importeure erklären, dass die Aussagen in der DAT-Liste zu E10 verbindlich sind.

• Für E10 werben wollen Regierung, Landwirtschaft, Biokraftstoffwirtschaft, Ölkonzerne und Fahrzeugbauer sowie die Autoclubs ADAC und AvD - die sogar mit Hotlines ADAC: 01805 / 10 11 12 AvD: 01802 / 16 25 16

• Wie weit die Zusagen tragen, ist offen: Die Aussage zur Rechtsverbindlichkeit der DAT-Liste nannte Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (Vzbv), „zu wenig“. Billen: „Solange keine erweiterte Garantieerklärung der Hersteller vorliegt, kann ich Autobesitzer verstehen, die um E10 einen großen Bogen machen.“ Der Vzbv hatte zudem eine direkte Information des Kraftfahrt-Bundesamtes zu E10 an die Kfz-Besitzer gefordert.

• SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber hält „den sogenannten Benzingipfel für gescheitert. Regierung, Mineralölkonzerne und Automobilhersteller lassen die Verbraucher weiter im Stich“. Die SPD wolle „das Desaster bei E10“ kommende Woche im Bundestag zum Thema machen.

• Der ADAC fordert für jeden Autofahrer weiterhin Wahlfreiheit, „ob er das neue E10 oder ein Super E5 tanken will“. Sprich: Er soll nicht zum bis zu acht Cent teureren Super plus greifen müssen, sondern mit E5, dem bisherigen Super, eine Alternative zum in etwa gleichen Preis behalten.

• Und was hält der ADAC von der „Rechtsverbindlichkeit“ der DAT-Liste? „Wir gehen davon aus, dass den E10-verträglichen Autos wirklich nichts passiert, sagte ADAC-Sprecher Dieter Wirsich. Falls doch, würden das keine Einzelfälle bleiben. Dann setze man auf Schadenersatz und Kulanz der Hersteller: „Und da behalten wir ein Auge drauf!“

• Der BUND fordert den sofortigen Stopp der E10-Einführung.

Von Wolfgang Riek

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