Nach Brexit-Referendum

Labour-Partei steht vor Showdown - Kein Rückhalt für Corbyn

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Langsam wird es einsam um Jeremy Corbyn.

London - Es sind schwere Tage für die britische Labour-Partei. Hält sich der Vorsitzende Corbyn im Amt? Gibt er auf? Bei den Konservativen schält sich Theresa May immer mehr als Favoritin heraus.

Die Mitglieder der britischen Labour-Partei wenden sich einer Umfrage zufolge von ihrem unter Druck geratenen Vorsitzenden Jeremy Corbyn ab. Nur noch 51 Prozent der Befragten meinten, Corbyn mache einen guten Job, 48 Prozent waren gegenteiliger Ansicht. Noch Anfang Mai lag das Resultat der Befragung bei 72:27 Prozent, wie das Institut YouGov mitteilte.

Zugleich wird erwartet, dass in Kürze ein Gegenkandidat zu Corbyn auftreten und ein Machtkampf um die Führung ausbrechen wird. Ein enger Vertrauter Corbyns sagte am Freitag, er erwarte „in den nächsten Tagen“ eine offene Herausforderung. Corbyn werde nicht zurücktreten.

Referendum und Neuwahlen werden Corbyn wohl zum Verhängnis

Bisher hat lediglich die Abgeordnete Angela Eagle signalisiert, gegen Corbyn antreten zu können - eine offizielle Ankündigung vermied sie aber bislang. Der YouGov-Umfrage zufolge würde Corbyn bei einer Wahl der Parteibasis klar gegen Eagle gewinnen.

Corbyns Kritiker fürchten, mit Corbyn an der Spitze eine mögliche Neuwahl zu verlieren. Zudem werfen sie dem 67-Jährigen vor, er habe sich beim EU-Referendum nicht mit genügend Nachdruck für einen Verbleib Großbritanniens in der Gemeinschaft eingesetzt.

Bei den Konservativen ist die Nachfolge des amtierenden Premierministers David Cameron noch offen. Innenministerin Theresa May gilt als Favoritin, ihr stärkster Konkurrent ist Justizminister Michael Gove. Laut Presseberichte stellen sich immer mehr Abgeordnete auf die Seite Mays, die als mögliche Versöhnerin der nach dem Brexit-Votum zerstrittenen Partei gilt.

Kommt doch noch der Exit vom Brexit?

Insgesamt haben fünf Bewerber ihre Kandidatur erklärt. Der Brexit-Wortführer und Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson hatte am Donnerstag völlig überraschend auf eine Kandidatur verzichtet.

Das Auswahlverfahren bei den Tories beginnt bereits am Dienstag. Zunächst sind die Abgeordneten gefragt. Sie müssen zwei Kandidaten wählen, die sich dann dem Votum der Parteimitglieder stellen. Bis zum 9. September soll der oder die neue Parteivorsitzende und damit auch der neue Regierungschef feststehen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht die Möglichkeit eines Rückzugs vom Brexit skeptisch. „Ich kann nicht beurteilen, was das für den Machtkampf bei den Tories bedeutet. Ich sehe aber nicht, wie man sich über das knappe, aber doch klare Votum des britischen Volkes hinwegsetzen könnte“, sagte Steinmeier am Freitag in einem Interview mit Spiegel online. Man müsse sich an den Fakten orientieren: „Und die sehen einen Austritt vor.“

dpa

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