Merkel will Hektik und Emotion rausnehmen

Kommentar zu Merkels Brexit-Strategie: "Kanzlerin hat Recht"

Mit dem Austritt Großbritanniens wächst Deutschlands Bedeutung in der EU noch mehr. Berlin wird zum europäischen Krisenreaktions-Zentrum. Ein Kommentar von Hagen Strauß.

Nun soll alles möglichst schnell gehen, denken viele. Raus mit den Briten. Wer nicht hören will, muss fühlen. Doch in der Politik sind Emotionen ein schlechter Ratgeber. Klar, eine unendliche Hängepartie will niemand. Weil Unsicherheiten ökonomisch schädlich sind und die Europäische Union lähmen könnten. Für unnötige Hast gilt das aber auch. Angela Merkel setzt jetzt wie so oft auf ihren politischen Realismus; sie stellt ihn den aufgeladenen Brüsseler Emotionen entgegen. Und sie hat Recht. Denn Europa braucht die Briten weiter als Handelspartner und als Verbündeten in der Außen- und Sicherheitspolitik.

Genauso wenig kann es deshalb im Interesse der EU sein, wenn sich Schottland von Großbritannien abspaltet. Auch wenn viele in Europa das den Engländern gönnen. Viele andere Kleinregionen, die schon lange mit ihren Zentralstaaten hadern, könnten es den Schotten dann gleichtun wollen.

Hinter einem sanfteren Umgang mit London steckt noch ein anderes Kalkül. Die Briten erhalten mehr Zeit zum Nachdenken. Sie werden noch einmal ausgiebig mit den Folgen eines Austritts konfrontiert.

Das wird jene Kräfte stärken, die noch eine Chance sehen, dass Großbritannien in der EU bleibt oder die später wieder eintreten wollen. Denn auch beim Brexit könnte gelten, was der frühere SPD-Fraktionschef Herbert Wehner einmal gesagt hat: „Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen.“ nachrichten@hna.de

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