Büdingen: Keine Ruhe vor der NPD

Demo gegen NPD in Büdingen Ende Januar 2016: 150 Rechtsradikale waren an diesem Tag aus Protest gegen eine Flüchtlingsunterkunft durch Büdingen (Hessen) gezogen. Nun will die NPD ihren Bundesparteitag dort abhalten Fotos: dpa

Die Kommunalwahl hat der NPD in einigen Orten starke Zuwächse beschert - etwa in Büdingen im Wetteraukreis. Jetzt plant die NPD, dort ihren Bundesparteitag abzuhalten.

Büdingen. 150 Rechtsradikale zogen am 30. Januar dieses Jahres durch die mittelalterliche Innenstadt von Büdingen. Ihnen standen 800 Gegendemonstranten gegenüber. „Mir war da schon mulmig“, sagt ein Ladenbetreiber. „Alle haben ihre Schaufenster verbarrikadiert“, sagt der Mann, der unerkannt bleiben will. Zwei Monate später erzielt die NPD dort bei der Kommunalwahl eines ihrer besten Ergebnisse in Hessen, liegt am Ende bei 10,2 Prozent der Stimmen. Jetzt plant die NPD, in der 21 000-Einwohner-Stadt ihren Bundesparteitag abzuhalten.

Bürgermeister Erich Spamer bestätigte, dass die NPD für die örtliche Stadthalle mehrere Termine angefragt hat. Weiter wolle er sich dazu nicht äußern. Eine Anfrage, warum die NPD ausgerechnet in Büdingen ihren Bundesparteitag abhalten möchte, ließ diese gestern unbeantwortet.

Doch warum ist die NPD überhaupt so stark in dem Wetterau-Städtchen? Ein Grund liegt auf der Hand: Überall dort, wo die AfD nicht antrat, schnitt die NPD bei der Kommunalwahl gut ab. Zu nennen sind dabei etwa Wetzlar, Leun (Lahn-Dill-Kreis) sowie Altenstadt, das wie Büdingen im Wetteraukreis liegt.

Kurz nach der Kommunalwahl sagte Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums an der Uni Marburg, unserer Zeitung: „Mich überrascht die Höhe der NPD-Ergebnisse, aber nicht die Orte, wo diese erzielt wurden.“ Laut Becker sei die NPD dort stark, wo es gewachsene Strukturen und starke Persönlichkeiten gebe. In Büdingen ist das zum Beispiel Daniel Lachmann.

8,2 Prozent bei der Wahl

Wer ist dieser Lachmann? Der gelernte Bäcker und Bürokaufmann lebt seit seinem dritten Lebensjahr in Büdingen. Seit 2006 sitzt er für die NPD im Stadtparlament, war dort lange Einzelkämpfer, seit der Kommunalwahl gibt es drei weitere Sitze in der Stadtverordnetenversammlung. Dass es eine Wählerschaft für ihn gibt, zeigte sich bereits bei der Bürgermeisterwahl 2015. Damals erhielt Lachmann 8,2 Prozent. Lachmann, der telefonisch nicht zu erreichen war, sagte kürzlich der Zeitung Die Welt, die Menschen honorierten, dass er sich kümmere.

Bürgermeister Spamer glaubt, der NPD-Erfolg sei Ausdruck einer Protestwahl. Aber auch das Flüchtlingsthema spielt der NPD in die Karten: An einem Ortseingang sind in einer ehemaligen Kaserne Flüchtlinge untergebracht. Platz für bis zu 800 Menschen gibt es dort. Lachmann stimmte laut einem Bericht der Welt als einziger gegen die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft. Gerüchte um die gestiegene Kriminalität erhitzten die Gemüter. Als Reaktion auf die Unterkunft fand Anfang Januar die Demo von Rechtsradikalen statt.

Wie die Stadt mit einem möglichen Bundesparteitag der NPD umgehen will, ist derzeit noch unklar. Die Wetterau gilt seit Jahren als Region, in der die NPD Zuspruch erhält. So auch im nahen Altenstadt. Dort ist der frühere NPD-Landesvorsitzende Stefan Jagsch aktiv. Die NPD erzielte bei der Kommunalwahl zehn Prozent der Stimmen.

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