CDU-Politiker: Eigentlich sprach alles für eine Große Koalition in Hessen

Angst um Europa:Kassels früherer Oberbrügermeister Hans Eichel (SPD). Fotos:dpa

Ex-Ministerpräsident Hans Eichel und früherer Justizminister Christean Wagner (CDU) plauderten bei Uni-Diskussion in Kassel aus dem Nähkästchen.

Kassel. Wenn Ex-Spitzenpolitiker zu Diskussionen eingeladen werden, können sie sich Geschichten aus dem Nähkästchen nicht verkneifen - zum Vorteil der Zuhörer. Der Abgang von der großen politischen Bühne bringt offensichtlich Gelassenheit mit sich. So zumindest präsentieren sich Hessens früherer Ministerpräsident Hans Eichel (74, SPD) und Christean Wagner (73), unter anderem Justizminister für die CDU in Hessen, am Donnerstag im Gießhaus an der Uni Kassel.

Politikwissenschaftler Professor Wolfgang Schroeder hatte zur Diskussion anlässlich des 70-jährigen Bestehens des Landes Hessen eingeladen.

Alte Rivalitäten

Beim Thema Bildung traten alten Rivalitäten wieder hervor. Deutlich abzulesen daran, dass Hans Eichel den Mund spitz zusammenzog, als wolle er kleine Rauchwolken produzieren. Christean Wagner, der zu aktiven Zeiten dem konservativen Flügel seiner Partei zugeordnet wurde, begann nämlich gerade damit, über Chancengerechtigkeit bei der Bildung zu referieren. Eichel rutschte auf seinem Stuhl hin und her, so als wolle er ausdrücken: Damit stimme ich nicht überein. Die Schulpolitik hatte in den 70er Jahren zu harten Auseinandersitzungen in der Landespolitik geführt. Doch eine tiefere Diskussion verkniffen sich die beiden.

Nähkästchen 

Parteien müssen Antworten liefern: Hessens Ex-Justizminister Christean Wagner (CDU).

Bei aller Rückschau vor rund 30 Besuchern diskutierten Eichel und Wagner auch die gegenwärtige Politik. Brexit, die Grünen in Hessen und natürlich die AfD. Wagner, bei der Landtagswahl 2013 in Hessen noch Fraktionsvorsitzender der CDU, gewährte in der Diskussion Einblicke in das konservative Seelenleben. Mit der Erkenntnis, dass der Koalitionspartner eigentlich ein anderer hätte sein sollen: „Zwei Drittel unserer Partei waren für eine große Koalition, die inhaltliche Schnittmenge war größer als mit den Grünen.“ Doch der SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel habe mehrfach durchblicken lassen, sich auch eine Regierung aus rot-rot-grün vorstellen zu können. Das Kokettieren mit der Linkspartei habe die CDU verunsichert. Die Entscheidung fiel für die Grünen.

„Ich bin überrascht, wie geräuschlos die Zusammenarbeit auf Landesebene funktioniert“, sagte Hans Eichel über schwarz-grün in Hessen. Allerdings fehle ihm das grüne Profil. Profil - ein Thema, das aus Sicht der beiden Politiker ein Problem der arrivierten Parteien ist. „Das Tief der Sozialdemokratie wird sich nicht auf Landesebene lösen lassen“, sagte Eichel. Die Bundespartei müsste den Takt vorgeben.

Fehlendes Profil 

Auch Wagner vermisst, dass die Parteien die inhaltlichen Unterschiede, die es zwischen ihnen gibt, nicht deutlicher machen. Er wünschte sich mehr Wettbewerb, davon lebe die Demokratie. Aus seiner Sicht sei es ebenso wichtig, dass CDU und SPD sich auch den Fragen stelle, die AfD und die Linke aufwerfen würden.

Mit Blick auf Europa zog Hans Eichel am Schluss ein düsteres Fazit: Rassismus, Nationalsozialismus, all das was nach 1945 niemand wer wollte, sei jetzt wieder da „und sogar stärker“. Deshalb es wichtig, dass die Regierungen nun eng zusammenarbeiteten.

Zitate: 

Es ist in der Diskussion nicht einmal der Name Roland Koch gefallen.“ Prof. Wolfgang Schroeder 

„Den Frankfurtern ist es egal, wer unter ihnen Ministerpräsident ist.“ Hans Eichel 

„Die Nordhessen sagen, der Balkan fängt bei Frankfurt an. Die Südhessen sagen, spätestens hinter dem Vogelsberg musst du in Richtung Nordhessen auf ein Kamel umsteigen.“ Hans Eichel 

„Ich wollte kein Hesse sein, ich komme ja aus Ostpreußen.“ Christean Wagner 

„Ich muss schmunzeln, wenn ich Tarek al-Wazir mit Krawatte sehe. Die hat er früher nie getragen.“ Christean Wagner

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