Wolfgang Schäuble wurde mit dem Point-Alpha-Preis geehrt

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Verschmitzter Blick während der Laudatio: Das Bild zeigt Wolfgang Schäuble (rechts) mit Hans-Dieter Brenner, Vorsitzender der Helaba Hessen-Thüringen (links) und neben ihm der thüringischen Staatssekretärin Babette Winter (von links).

Rasdorf/Geisa. Die Jungen kennen Wolfgang Schäuble (CDU) als Finanzminister - für die Älteren ist er der "Architekt des Einigungsvertrags" Für sein Mitwirken an der Deutschen Einheit bekam er jetzt den Point-Alpha-Preis verliehen.

Es regnet an der Point Alpha-Gedenkstätte. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sitzt vor hunderten Gästen in der Fahrzeughalle des US-Camps an einem Tisch, neben ihm der mit 25.000 Euro dotierte Point Alpha-Preis in den Farben Schwarz-Rot-Gold. Draußen vor der Halle stehen Besucher dicht gedrängt hinter einem Absperrgitter und lauschen seinen Worten. „Ich hätte damals gern den ehemaligen DDR-Bürgern mehr Zeit gegeben für den Wandel“, sagt der 72-Jährige.

Damals, vor 25 Jahren, ging es aber darum, schnell zu handeln. Wolfgang Schäuble, damals Innenminister, tat das. Der Politikgestalter und Staatsdiener habe sich mit einem vernünftigen Pragmatismus, mit Professionalität und Glaubwürdigkeit an den Verhandlungen zur Wiedervereinigung beteiligt und eine „stets unbeirrt kluge Deutschland- und Europapolitik gestaltet“, formulierte Christine Lieberknecht (CDU), Präsidentin des Kuratoriums deutsche Einheit, in ihrer Laudatio. Sie nannte ihn ein „bundesdeutsches Fossil“ und das Publikum lachte. Schäuble selbst schmunzelte hier und da, schloss zwischendurch die Augen, selten nickte er leicht.

Schäuble, seit 1972 im Bundestag, ist heute das älteste Kabinettsmitglied. Er ist den Weg von der Bonner zur Berliner Republik mitgegangen. Der Vertrag zur Deutschen Einheit vom 20. September 1990, der den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland regelte, gilt als sein Lebenswerk.

Der Ex-Staatssekretär und Vizepräsident des Kuratoriums, Jürg Aretz, lobte den CDU-Politiker für seine Kooperation mit dem Verhandlungspartner auf der DDR-Seite, Günter Krause. Er sei in der Lage gewesen, Brücken zu bauen, die begehbar sind. Danach spielt das Jugendorchester der Musikschule Wartburgkreis „Über sieben Brücken“.

In seiner Erwiderung spannt der Preisträger schließlich den Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft. Er spickt seine Schilderungen mit Details, wie der Frage von DDR-Bürgern, ob den Frauen bei einer Einigung der Frauenhaushaltstag bestehen bleibe. Das heutige Europa sei „ein Erbe der deutschen und europäischen Einigung nach 1989“. Darauf müsse weiterhin aufgebaut werden. Statt die gemeinsamen Regeln Europas aufzuweichen, sollte man die gemeinsamen Ziele der Wertegemeinschaft aufrechterhalten. Und als er von Freiheit, Demokratie und Nachhaltigkeit spricht, kommt über Point Alpha die Sonne heraus.

Hintergrund

Seit 2005 verleiht der Verein „Kuratorium Deutsche Einheit“ den mit 25.000 Euro dotierten Point-Alpha-Preis für Verdienste um die deutsche und europäische Einheit. Die ersten Preisträger waren Michail Gorbatschow, George Bush sen. und Helmut Kohl (2005). Der Preis wird auf dem Gelände der Gedenkstätte verliehen. Die Gedenkstätte Point Alpha hat ihren Namen vom ehemaligen Nato-Stützpunkt, dem Observation Point Alpha. Bis 1989 war er einer der markantesten Beobachtungsstützpunkte der US-Streitkräfte in Europa und einer der heißesten Konfrontationspunkte im Kalten Krieg. Das Gelände erstreckt sich über hessisches und thüringisches Gebiet in der Nordrhön. Die Gedenkstätte dient als Erinnerungsort der deutschen Teilung sowie als Ort der Dokumentation und Erforschung des Kalten Krieges in Europa.

Sie ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet sechs Euro, Schüler/Studenten/Schwerbehinderte zahlen fünf Euro. 

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