Max Holscher berichtet aus Amerika

Gun Club in den USA: „Mehr Waffen, mehr Sicherheit“

Im US-Staat Colorado kann jeder Bürger ab 18 Jahren in einen Waffenladen gehen und sich nach kurzer Überprüfung seiner Daten ein Sturmgewehr kaufen. Unser Kollege Max Holscher hat sich auf seiner USA-Reise in einem Gun Club umgesehen.

Kleine amerikanische Flaggen stecken im Boden entlang des Weges, der vom Parkplatz zum Gun Club in Denver (Colorado) führt. Betritt der Besucher das Innere des Ladens, begrüßen ihn schon die dumpfen Geräusche von Gewehr- und Pistolenschüssen, die in einem hinteren Bereich des Ladens abgegeben werden.

5600 Mitglieder sind Mitglied im Gun Club in Denver -30 Dollar kostet die Mitgliedschaft. Für 200 Dollar im Monat kann man Mitglied im Statesman-Club werden. Dort gibt es einen eigenen Lounge-Bereich mit eigener Schieß-Anlage.

„Mehr Waffen bedeuten mehr Sicherheit“, sagt Richard Abramson, der aber lieber „Dick“ genannt werden möchte. Er ist der Eigentümer des Gun Clubs. Die Zahl der Mitglieder wächst ständig. Dick und seine Frau Mary sind ein freundliches, älteres Ehepaar, die den Besuchern stolz ihren Laden zeigen.

Waffen, wohin das Auge reicht, garniert mit den Geräuschen von abgefeuerten Waffen aus dem hinteren Gebäudeteil. Von schärferen Waffengesetzen oder gar einem Verbot von Waffen im Privatbesitz hält Dick nichts. Seine Frau Mary fürchtet sogar einen Aufstand, wenn es zu dazu kommen sollte - denn die Diskussion ist durch den Amoklauf in Orlando (Florida) erneut entfacht worden. „Dann gäbe es riesige Proteste“, glaubt Mary.

In Colorado ist der Waffenkauf denkbar einfach: Mit 18 Jahren kann der US-Bürger in einen Waffenladen gehen, sich Sturmgewehr oder ein anderes Kaliber aussuchen. Was folgt ist die Überprüfung der Angaben durch ein Programm der Polizei. Liegen keine Vorstrafen vor - dazu zählen zum Beispiel Trunkenheit am Steuer oder häusliche Gewalt - kann der Kunde mit der Waffe schon innerhalb einer Stunde den Laden verlassen, sagt Dick Abramson. Handfeuerwaffen wie Pistolen gibt es erst ab 21 Jahren. Warum es die großen Gewehre schon ab 18 gibt, Pistolen aber erst drei Jahre später, das weiß Dick auch nicht. „So ist das Gesetz“, sagt er.

Dick Abramson ist der Überzeugung, dass die waffenfreien Zonen ein Problem sind - und nicht die bewaffneten Bürger. An einigen Einrichtungen, auch Kinos, Einkaufscentern oder Klubs gibt es extra Schilder mit dem Hinweis: Waffen verboten.

Dicks Credo ist: Mehr Waffen, mehr Sicherheit. Wären Waffen in dem Club in Orlando erlaubt gewesen, hätte Schlimmeres verhindert werden können - davon ist der 68-Jährige überzeugt. „Ich fühle mich in den waffenfreien Zonen nicht sicher, meide sie sogar“, sagt er. Sehr ähnlich hat sich erst kürzlich der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump geäußert.

„Wartezeit unnütz“ 

Die Anregung, eine 30-tägige Wartezeit beim Waffenkauf einzuführen, hält Dick Abramson für unnütz. „Entweder man besteht den Background-Check, oder man fällt durch, was soll dann die Wartezeit“, sagt er.

Auf den Bahnen im hinteren Bereich des Gebäudes geht es indessen laut zu. Ältere Damen schießen hier mit ihrem Revolver, College-Studenten tun es und Väter mit ihren Söhnen: Ein Mann sitzt mit seinem Sturmgewehr an einer der Bahnen. Seine Schulter schnellt durch den Rückstoß des Sturmgewehres immer wieder zurück. Ein Angestellter des Gun Clubs kehrt derweil mit einem Besen Hunderte von leeren Patronenhülsen zusammen.

Die Nähe zur Wortwahl Trumps von Dick Abramson ist dann auch kein Zufall. „Ich habe Trump vom ersten Tag an unterstützt“, sagt der Waffenclub-Besitzer. Endlich mal einer, der nicht auf die „political correctness“ Acht gebe und frei seine Meinung äußere. Er nennt dann auch gleich ein Beispiel: „Wenn man heutzutage Kritik an Muslimen äußert, oder Sorgen über muslimische Vereinigungen kundgibt, gilt man doch sofort als islamophob“. Trump nehme da› ein Glück keine Rücksicht.

„Gute Berater“ 

Auf die Nachfrage, dass Trump bisher aber kein Programm für die Innen- und Außenpolitik vorgestellt habe, sagt Dick Abramson: „Er muss nicht jetzt schon alle Antworten haben.“ Schließlich verfüge Trump über gute Berater, die mit ihm ein Konzept entwickeln könnten.

Auch Guy Pizzulo, der in dem Gun Club als Angestellter arbeitet, findet Donald Trump und seine Aussagen nicht so verkehrt: „Er will Amerika und den Dollar wieder stark machen, die Jobs zurückholen, die etwa an die Mexikaner verloren gegangen sind.“ Das halte er für einen guten Ansatz. Gleichzeitig fürchtet er, dass Trump die USA im Mittleren Osten in einen Krieg führen könnte.

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