Umweltminister Altmaier will Energieberatung für alle Bürger

Nachdenken und Strom sparen: Umweltminister Peter Altmaier will mit flächendeckender Beratung den Verbrauch bis 2020 um zehn Prozent senken. Foto: dpa

Berlin. Strom wird auch in Zukunft teurer. Um den Anstieg jener Kosten abzufedern, die die Energiewende fordert, sollen alle Haushalte in Deutschland künftig Energieberatungen nutzen können.

„Nach Möglichkeit auch kostenlos“, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin nach einem Runden Tisch mit Energiebranche, Kommunen, Verbraucherschützern und Wohlfahrtsverbänden.

So will Altmaier bis 2020 den Stromverbrauch um 10 Prozent senken. Weniger Strom aus der Steckdose zapfen und diesen Rest besser nutzen - darum geht es laut Altmaier bei der Energiewende auch: Schon im Schulunterricht solle auf das Thema hingewiesen werden. Bisher hätten erst zehn Prozent der Haushalte solche Beratungen in Anspruch genommen, so der Umweltminister weiter.

Die Angebote seien einfach nicht bekannt, hieß es am runden Tisch weiter. Das soll sich ändern, wenn ab Anfang 2013 dann Altmaiers Sparoffensive anrollt. „Wir wollen niemanden zwangsbeglücken“, betonte der Umweltminister, aber „Möglichkeiten geben, dem Strompreis ein Schnippchen zu schlagen“.

Mit Energiesparlampen, abschaltbaren Steckerleisten, Wassersparduschköpfen und anderen Soforthilfen haben Experten der Caritas sowie der Energie- und Klimaschutzagenturen seit 2008 deutschlandweit schon 70 000 Haushalte ausgerüstet: Das kostenlose Angebot - auch die Energiespartechnik war gratis - richtete sich an Empfänger von Sozialleistungen. Bei ihnen schlagen steigende Strompreise besonders schwer zu Buche. Im Schnitt können den Projektträgern zufolge so rund 86 Euro Stromkosten pro Jahr gespart werden.

Mit mehr Beratung soll der starke Anstieg der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Umlage zur Förderung von Ökostrom aufgefangen werden. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr könnte das ein Plus von grob 60 Euro auf der Stromrechnung bringen - also fünf Euro im Monat. Die Umlage für 2013 wird am kommenden Montag offiziell bekanntgegeben.

Die Opposition sieht in der Sparoffensive ein Ablenkungsmanöver. „Was nützt es, wenn der Arbeitslosengeld-II-Bezieher lernt, wie er seine Energiekosten senken kann, wenn zugleich die Energieverschwendung woanders steuerlich begünstigt wird?“, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Das zielt auf EEG-Umlage-Rabatte, die Großverbrauchern gewährt werden - sogar Hähnchenmäster und Rechenzentren, so Trittin.

Rabatte auf Verbraucherkosten

Ausnahmen für Industrie machten 2011 ein Fünftel der EEG-Umlage aus

Betriebe, die extra viel Energie brauchen, und Schienenbahnen sind von der EEG-Umlage weitgehend befreit. Diese vielkritisierte Regelung, deren Kosten letztlich Normalverbraucher mittragen, soll Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten. 2012 hat die Bundesregierung den Kreis möglicher „Rabattnutzer“ stark ausgeweitet: EEG-Nachlass gibt's nun auch für Mittelständler, die pro Jahr eine Gigawattstunde (GWh) Strom verbrauchen - bislang lag die Einstiegsgrenze bei 10 GWh. Die Anträge schnellten so von 813 Firmen im Jahr 2011 auf gut 2000 in diesem Juni hoch.

Auf Anfrage der Grünen im Bundestag schätzte die Bundesregierung die „Begünstigungswirkung“ auf 2,5 Mrd. Euro im laufenden Jahr. Das macht 2011 auf der anderen Seite ein knappes Fünftel der Normalverbraucher-EEG-Umlage aus: 0,6 Cent von insgesamt 3,21 Cent pro kWh.

In der Region sparen mit der Ausgleichsregelung:

• Eisenwerk Hasenclever & Sohn, Battenberg, Eisengießerei

• Essex Germany, Draht- und Kabelhersteller, Bad Arolsen

• Kasseler Verkehrs-Gesellschaft, Schienenbahn

• Performance Fibers, Chemiefaserproduzent, Bad Hersfeld

• SCA Hygiene Products, Haushalts- und Hygienepapier, Witzenhausen

• BEL Bioenergie Leinetal, Hardegsen, Holzwarenhersteller

• Universitätsenergie Göttingen, Elektrizitätsverteilung

• Fels-Werke, Goslar, Gips und Kalk (Stand März 2012, Quelle: Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)

• Seit Mitte September bieten die Verbraucherzentralen telefonische Energieberatung (auch zu Heizung, Dämmung und Fördermitteln) für Anrufer aus dem deutschen Festnetz kostenlos an. Für einen Termin in einer Beratungsstelle fallen 5 Euro pro 30 Minuten an. Ein Ortstermin zu Hause kostet einen Eigenanteil von 45 Euro. Der Brennwert-Check zur Brennwertkessel-Prüfung kostet 30 Euro.

www.verbraucherzentrale-energieberatung.de, 018 - 809 802 400

(montags bis donnerstags, 8 - 18 Uhr; freitags, 8 - 16 Uhr)

• Das zweite Angebot ist der Stromspar-Check der Caritas sowie Energie- und Klimaschutzagenturen. Dabei werden Langzeitarbeitslose zu Stromsparhelfern geschult, die gratis Energiesparartikel einbauen - etwa Sparlampen, abschaltbare Steckdosenleisten, Standby-Abschalter und mehr. Bisher gilt das Angebot nur für Empfänger von Sozialleistungen. Stromspar-Tipps gibt es auch online auf der Homepage des Checks.

www.stromspar-check.de, Jörg Klinkenberg, Landkreis Kassel, 05692 / 987-3209

Von Georg Ismar und Wolfgang Riek

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