Fragen & Antworten zur Entwicklung von Pedelecs

Voll im Trend: Elektrofahrräder werden immer besser, haben aber auch Mängel

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Nicht mehr nur für Senioren: Auch Jüngere entscheiden sich immer häufiger für ein Elektrofahrrad. Die Stiftung Warentest warnt aber vor Sicherheitsmängeln bei den günstigsten Modellen.

Lange hatten Elektrofahrräder den Ruf als Fortbewegungsmittel für Senioren. Mittlerweile setzen sich die Räder mit Motor aber auch auch bei den Jüngeren durch. Die Stiftung Warentest hat bei einigen Modellen Sicherheitsmängel festgestellt.

Ist die Nachfrage nach Pedelecs und E-Bikes wirklich ungebrochen groß?

Ja, immer mehr Menschen entscheiden sich für ein Elektrofahrrad. Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands in Deutschland 535 000 solcher Räder verkauft. Das sind 11,5 Prozent mehr als 2014. Jedes achte verkaufte Fahrrad ist mittlerweile mit Motor ausgestattet.

Wie viel muss man für ein gutes Elektrorad ausgeben?

Im Test der Stiftung Warentest (Ausgabe 7/2016) landete ein Modell der Schweizer Marke Flyer auf Platz eins. Mit 3300 Euro war es das teuerste im Test. Aber auch günstigere Räder wie das von Decathlon für 1800 Euro überzeugten. Vorsichtig sollte man bei noch günstigeren Varianten sein. Räder von Aldi für 900 und Fischer für 1200 Euro fielen mit Sicherheitsmängeln durch.

Sind teurere Modelle also automatisch sicherer?

Nein, auch teurere Räder von Kettler, Stevens und Pegasus, die 2400 bis 2700 Euro kosten, fielen durch. Bei ihnen waren die Bremsen nicht stark genug oder Teile unter dem Sattel brachen.

Was sagen die Hersteller zu den Sicherheitsmängeln?

Die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG), zu der Kettler und Pegasus gehören, kann das Testergebnis nicht nachvollziehen und will deshalb juristisch gegen die Stiftung Warentest vorgehen. „Bisher ist bei uns aber nichts eingegangen“, sagt Nico Langenbeck von der Stiftung Warentest. Die ZEG beruft sich darauf, dass die beanstandete Sattelklemme kürzlich noch vom TÜV für gut befunden worden sei. Für die Stiftung Warentest ist die Norm aber nicht ausreichend, so Langenbeck. Es werde unter realistischen Bedingungen getestet. Darüber seien alle Hersteller vorab informiert worden.

Wie lange halten die Akkus und wie schnell sind sie wieder aufgeladen?

Die meisten Elektrofahrräder halten mittlerweile auch bei einer längeren Tagestour durch. Im Schnitt schaffen die von der Stiftung Warentest geprüften Räder etwas mehr als 63 Kilometer - das Rad von Kalkhoff sogar 100 Kilometer. Für größere Ausflüge ungeeignet sind die Modelle von Fischer und Aldi, deren Motoren nach 39 beziehungsweise 47 Kilometern aufgeben. Der Akku aller getesteten Räder ist je nach Modell nach drei bis mehr als fünf Stunden wieder vollständig geladen.

Ist es gefährlicher, mit einem Elektrorad zu fahren?

Vor allem am Anfang ist das Elektrofahrrad noch ungewohnt, denn es fährt schneller als ein normales. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club empfiehlt deshalb, ausgiebige Probefahrten zu machen. Ob es durch Elektrofahrräder häufiger zu Unfällen kommt, ist umstritten.

Lasten fahren und Berge bezwingen

Die Hersteller von Elektrofahrrädern erreichen mittlerweile immer mehr Zielgruppen. Es gibt Modelle, die Familien beim Transport ihrer Einkäufe entlasten. Und auch in die Mountainbike-Szene drängen die Elektromotoren vor. Außerdem gibt es mittlerweile Räder, die nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Schieben Unterstützung leisten.

Lastenrad

Gerade wenn man viel Gepäck dabei hat, kann der Motor eines Elektrofahrrads eine gute Hilfe sein. Doch viele der aktuellen Modelle halten nicht viel Gepäck aus. Einige Räder, die die Stiftung Warentest unter die Lupe nahm, haben ein zulässiges Gesamtgewicht von lediglich 120 oder 130 Kilogramm. Rechnet man das Gewicht des Fahrrads und des Fahrers dazu, bleibt nur wenig übrig für das Gepäck. Außerdem erlauben die meisten getesteten Räder nur 25 Kilogramm Gewicht auf dem Gepäckträger.

Wer sein Elektrorad regelmäßig für größere Transporte nutzt, kann auf ein Lastenrad mit Motor zurückgreifen. Auch Firmen nutzen E-Lastenräder für Transporte in den Städten. Sie erlauben deutlich mehr Gewicht als die herkömmlichen Elektrofahrräder - kosten aber auch entsprechend mehr. Eine Übersicht über verfügbare Modelle gibt es auf der Internetseite des Verkehrsclubs Deutschland: http://lastenrad.vcd.org

E-Mountainbike

Allein mit Muskelkraft steile Berge bezwingen: Das macht für viele den Reiz am Mountainbikefahren aus. Kein Wunder, dass ein kleiner Aufschrei durch die Szene ging, als die ersten E-Mountainbikes vorgestellt wurden. Das widerspreche dem Grundgedanken, sich am Berg zu verausgaben, so die Kritiker. Dennoch steigt der Absatz in diesem Bereich. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands verleiten gerade die sportlichen Varianten immer mehr Jüngere dazu, sich für ein Elektrofahrrad zu entscheiden.

Schiebehilfe

Ein hilfreiches Extra bei den Elektrofahrrädern sind Schiebe- und Anfahrhilfe. Wer sein Rad eine Kellertreppe hochschiebt, kommt schnell an seine Grenzen, denn die Räder wiegen meist um die 25 Kilogramm. Bei Pedelecs mit entsprechender Funktion kann der Motor eingeschaltet werden, ohne dass man treten muss. Das hilft auch beim Anfahren am Berg. (tla)

• Der Lohfeldener Fahrrad-Experte Holger Koch bietet unter www.fahrrad-rat.de einen Ratgeber zu Elektrorädern an.

• Informationen gibt es auch beim Pressedienst Fahrrad unter: http://pd-f.de

Hintergrund: Unterschiede bei Elektrorädern

• Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor beim Treten. Bei Geschwindigkeiten über 25 Kilometer pro Stunde schaltet sich die Unterstützung aber ab. Somit sind die Pedelecs normalen Fahrrädern rechtlich gleichgesetzt. Für sie gilt keine Helmpflicht. Auch ein Führerschein ist nicht nötig. Die meisten der verkauften Elektrofahrräder sind Pedelecs.

• Ein schnelles Pedelec (S-Pedelec) unterstützt genauso wie ein Pedelec den Fahrer beim Treten. Der Motor läuft aber bei Geschwindigkeiten von bis zu 45 Kilometern pro Stunde mit. Deshalb zählen schnelle Pedelecs zu den Kleinkrafträdern, für die man einen Führerschein und ein Kennzeichen braucht. Außerdem gilt die Helmpflicht.

• E-Bikes unterstützen den Fahrer nicht nur beim Treten, sondern fahren ohne Muskelkraft. Mit einem Drehgriff oder Schaltknopf beschleunigt man das Rad. Es ist also mit einem Elektromofa vergleichbar. E-Bikes fahren nicht schneller als 20 Kilometer pro Stunde. Einen Helm braucht man nicht, Kennzeichen und Mofaführerschein sind aber Pflicht. Häufig werden Pedelecs mit E-Bikes verwechselt.

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