Nach Umsturzversuch

Erdogan geht mit aller Härte gegen Putschisten vor

Festnahmen nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei.
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Festnahmen nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei.
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Militäreinheiten und Polizei greifen nach dem gescheiteren Putschversuch in der Türkei hart durch.
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Militäreinheiten und Polizei greifen nach dem gescheiteren Putschversuch in der Türkei hart durch.
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Militäreinheiten und Polizei greifen nach dem gescheiteren Putschversuch in der Türkei hart durch.
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Militäreinheiten und Polizei greifen nach dem gescheiteren Putschversuch in der Türkei hart durch.
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Ankara - Nach dem gescheiterten Umsturzversuch in der Türkei lässt Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Gegner in Armee und Justiz mit aller Härte verfolgen. Insgesamt 6000 Beschuldigte wurden bereits festgenommen. 

Justizminister Bekir Bozdag kündigte am Sonntag eine Fortsetzung der "Säuberungsaktionen" an. Erdogans Erzfeind Fethullah Gülen deutete unterdessen an, dass der Staatschef selbst hinter dem Putsch stehen könnte.

Soldaten der türkischen Armee waren am Freitagabend in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul ausgeschwärmt und hatten strategische Punkte unter ihre Kontrolle gebracht. In einer im Fernsehen verlesenen Erklärung verkündete ein "Friedensrat" die Machtübernahme, rief das Kriegsrecht aus und verhängte eine Ausgangssperre. Es solle "die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie, die Menschenrechte und die Freiheiten" im Land gewährleistet und wiederhergestellt werden.

Bei den folgenden schweren Gefechten in Ankara und Istanbul wurden nach offiziellen Angaben 265 Menschen getötet. Präsident Erdogan schaltete sich via Smartphone live in eine TV-Nachrichtensendung ein und rief die Bevölkerung auf, sich den Putschisten entgegenzustellen. Zehntausende folgten dem Appell. Die Regierung erklärte den Putschversuch nach wenigen Stunden für gescheitert.

Yildirim: Umsturzversuch "Schandfleck für türkische Demokratie"

Die Lage sei "vollständig unter Kontrolle", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Samstagmittag. Er bezeichnete den Umsturzversuch als einen "Schandfleck für die türkische Demokratie". Die "Feiglinge" würden ihre gerechte Strafe bekommen.

Alle aktuellen Entwicklungen nach dem Putschversuch in der Türkei finden Sie hier in unserem Live-Ticker

Erdogan machte die Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Umsturzversuch verantwortlich, was dieser entschieden zurückwies. Bei einer Rede am Samstagabend vor tausenden Anhängern in Istanbul verlangte der Staatschef von Washington die Auslieferung seines im US-Exil lebenden Erzfeindes. Arbeitsminister Süleyman Soylu beschuldigte die USA, den Putsch unterstützt zu haben.

Erdogan, der seine Machtposition nach dem abgewehrten Putsch ausbauen dürfte, hatte noch während des Umsturzversuchs angekündigt, die Putschisten würden "einen hohen Preis für diesen Verrat zahlen". Er kündigte an, Armee und Justiz würden nun "gesäubert". Justizminister Bozdag sagte am Sonntag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: "Wir haben bereits 6000 Menschen festgenommen. Und die Zahl wird noch über 6000 steigen."

Razzia auf Armeestützpunkt

Unter anderem wurden bei einer Razzia auf einem Armeestützpunkt in Denizli am Sonntag Brigadegeneral Özhan Özbakir sowie 51 weitere Soldaten in Gewahrsam genommen, wie Anadolu meldete. Auf dem auch von der Bundeswehr genutzten Luftwaffenstützpunkt Incirlik wurden laut einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" ein General und mehrere weitere Soldaten festgenommen. Zudem wurden unzählige Richter und Staatsanwälte festgenommen.

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, Anhänger Gülens zu sein. Der Kleriker dementiert jedoch jegliche Verwicklung in den Putschversuch. Er deutete vielmehr an, dass Erdogan möglicherweise selbst dahinter stehen könnte. Zwar wolle er keine "Anschuldigungen ohne Beweise" vorbringen, sagte Gülen der "New York Times". Einige Führer inszenierten aber "falsche Selbstmordanschläge", um mit stärkerer Hand regieren zu können.

US-Außenminister Kerry sagte zu, ein Auslieferungsgesuch der Türkei zu prüfen, wenn sie stichhaltige Beweise gegen Gülen vorlegen könne. Gleichzeitig wies er Behauptungen über eine angebliche Beteiligung der USA an dem Putschversuch zurück. Solche Vorwürfe seien "völlig falsch" und "schädlich" für die Beziehungen zwischen beiden Ländern.

International wurde der Putschversuch scharf verurteilt. US-Präsident Barack Obama stellte sich hinter Erdogan und forderte ein Ende des Blutvergießens. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Umsturzversuch. Gleichzeitig mahnte sie die Regierung in Ankara, bei der Bestrafung der Umstürzler rechtsstaatliche Verfahren einzuhalten. Justizminister Heiko Maas (SPD) warnte vor "Rache und Willkür", Frankreichs Präsident François Hollande sprach von drohenden "Repressionen" in der Türkei.

AFP

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