Kommentar zum Sieg Jamals im Eurovision Song Contest: Politische Stimme

Kommentar zum Sieg Jamals im Eurovision Song Contest: Politische Stimme

Mit einem Lied über die Vertreibung der Krimtataren hat Jamala den Eurovision Song Contest gewonnen. Russland ist pikiert, die Ukraine begeistert. Doch sollte Politik nicht beim ESC außen vor bleiben? Das war auch früher nicht der Fall, schreibt HNA-Redakteurin Barbara Will.

Ukrainische Politiker feiern den Eurovision-Sieg als Triumph über Moskau, der Kreml wittert Provokation und Betrug. Aber das Lied der Krimtatarin Jamala über Deportation und Gewalt ist kein neuer Ton einer Politisierung des Gesangswettstreits. Mit „1944“ ist die Politik nur endgültig in der Glitzerwelt von Kostümen, Choreografie und Lichteffekten angekommen. Und daran wird sich wohl auch künftig wenig ändern.

Denn ein Wettbewerb, der ein Abbild Europas sein will, muss auch die Themen zulassen, die Europa bewegen. Politische Botschaften waren auch früher zu hören. So sang sich Nicole 1982 mit „ein bisschen Frieden“ zum Sieg, als Demonstranten gegen die Nachrüstung auf die Straße gingen. Lisa Angell mahnte 2015 für Frankreich „vergesst nicht“, ein Lied, das an den Ersten Weltkrieg erinnern sollte, und Armenien ging mit „Stell Dich dem Schatten“ ins Finale. Brisantes Thema: Der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich.

Falls der Eurovision Song Contest zum Zusammenhalt Europas beitragen kann, dann dank seiner Zuschauer und trotz seiner Juroren. So gaben Russen und Ukrainer dem Nachbarland jeweils hohe Wertungen, während ihre Jurys die Beiträge ignorierten. Souveränität – null Punkte.

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