Tat im Oktober 2015

Ex-RAF-Terroristen sollen Laden in Northeim überfallen haben

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So sahen sie früher aus: Mit diesen undatierten Aufnahmen wurden die mutmaßlichen RAF-Terroristen (von links) Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette lange Zeit gesucht.

Northeim. Die drei mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette haben womöglich weit mehr Raubüberfälle verübt als bisher bekannt.

Offenbar auch in Northeim.

Seit Monaten fahndet die niedersächsische Polizei nach drei mutmaßlichen früheren Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF). Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass Burkhard Garweg (47), Ernst-Volker Staub (61) and Daniela Klette (57) womöglich mehr Raubüberfälle verübt haben als bisher bekannt. Auf die Spur soll ihnen ein Ermittler aus Northeim gekommen sein.

Wie Spiegel Online berichtet, hatte der Polizist, der einen Überfall auf die Marktkauf-Filiale in Northeim am 19. Oktober 2015 aufklären wollte, auffällige Übereinstimmungen verschiedener Überfälle in Niedersachsen entdeckt. In dem Supermarkt hatten drei vermummte Täter eine Mitarbeiterin und einen Geldboten bedroht und 70 000 Euro erbeutet.

Klicken Sie auf das Symbol rechts oben im Bild, um alle drei Gesuchten zu sehen. So könnten sie heute aussehen: Das Bundeskriminalamt hat anhand von älteren Fahndungsfotos die Alterung der mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen (von links) Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette simuliert.

Wenig später fand ein Spaziergänger an einem Waldweg zwischen Großenrode und Elvese (Landkreis Northeim) das Fluchtauto, ein VW Golf 3 ohne Kennzeichen. Es stand in Flammen. Inzwischen hat das Landeskriminalamt den Händler, der das Auto an die Täter verkaufte, ausfindig gemacht und ihm Fotos vorgelegt. Dieser habe nach Angaben von Spiegel Online auf ein aktuelles Fahndungsfoto von Staub gezeigt, das die Polizei nach Pfingsten veröffentlicht hatte.

Bisher waren den mutmaßlichen Terroristen, die zur dritten Generation der 1998 aufgelösten RAF gezählt werden, nur zwei gescheiterte Überfälle auf Geldtransporter sicher zugeordnet worden. Per Haftbefehl gesucht wird das Trio unter anderem wegen eines Anschlags auf die JVA im südhessischen Weiterstadt im März 1993. Die Bundesanwaltschaft hält Garweg, Staub und Klette zudem für dringend verdächtig, im Juli 1999 bei einem Überfall auf einen Geldtransporter in Duisburg eine Million Mark erbeutet zu haben.

Neue Fahndungsbilder: Das könnten Burkhard Garweg (links) und Ernst-Volker Staub sein.

Dieser Artikel wurde aktualisiert um 20.05 Uhr.

Nachdem es jahrelang keine Spur von den Verdächtigen gab, stellte die Polizei nach einem Überfall 2015 DNA-Material sicher, das sie den drei Gesuchten zuordnen konnte. Aus Ermittlerkreisen hieß es nach den Hinweisen aus Northeim, es gebe inzwischen Parallelen zu einer ganzen Reihe anderer Taten, die den Verdacht nahe legten, dass Staub, Garweg und Klette auch für weitere Überfälle verantwortlich seien. Das Trio versuche mit den Taten offenbar immer wieder, sich Geld für den Lebensunterhalt zu beschaffen.

Laut Zeit Online war das Trio dabei immer wieder mit dem öffentlichen Nahverkehr durch Niedersachsen unterwegs, um an verschiedenen Orten Fluchtfahrzeuge zu kaufen. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass sich das Trio auch in den Niederlanden aufhält. Die Suche wurde dorthin ausgedehnt. Im holländischen Fernsehen wurde mittlerweile ein Fahndungsaufruf ausgestrahlt.

Hinweise nehmen das Landeskriminalamt Niedersachsen unter Tel. 05 11/ 2 62 62 74 00 und jede Polizeidienststelle entgegen.

Das sagen die Behörden

• Auf Anfrage unserer Zeitung wollte sich die Polizei in Northeim über die mutmaßlichen Ex-RAF-Terroristen und den Verdacht, dass das Trio im Oktober 2015 den Marktkauf in Northeim überfallen habe, nicht äußern und verwies ans Landeskriminalamt (LKA) in Hannover.

• Auch das niedersächsische Landeskriminalamt wollte die Berichte nicht kommentieren. Eine LKA-Sprecherin sagte lediglich: „Die Zielfahndung läuft auf Hochtouren“ und verwies an die zuständige Staatsanwaltschaft in Verden bei Bremen.

• Die Staatsanwaltschaft Verden gab sich ebenfalls wortkarg. „Die Ermittlungen laufen noch, mehr können wir dazu derzeit nicht sagen“, erklärte Staatsanwalt Markus Heusler.  

Hintergrund: RAF-Terroristen der dritten Generation

Burkhard Garweg, Ernst-Volker Staub und Daniela Klette zählen mutmaßlich zur dritten Generation der RAF. Diese Generation wird mit den tödlichen Attentaten auf Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und Treuhand-Präsident Detlev-Karsten Rohwedder (1991) in Verbindung gebracht. Das Trio tauchte Ende der 80er-Jahre in den Untergrund ab. Weitaus bekannter waren die Mitglieder der ersten Generation um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Auf das Konto der linksextremistischen RAF gingen von 1970 bis zur Selbstauflösung 1998 mindestens 34 Morde und 200 Verletzte durch Anschläge und Überfälle. (dpa/ses)

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