Kommentar zu Finanznot der Gemeinden durch VW-Abgasskandal: Fluch der Monokultur

An den VW-Standorten bricht durch den Abgasskandal den Gemeinden die Gewerbesteuer weg. Dadurch müssen viele Gebühren erhöht werden. Ein Kommentar von HNA-Redakteurin Barbara Will.

Nach Beschäftigten und Aktionären bezahlen jetzt auch Zehntausende Bürger die VW-Krise mit: Der Milliardenverlust des Autobauers hinterlässt nicht nur bei Börsenkurs und Mitarbeiter-Boni Bremsspuren, sondern auch in den Kommunalfinanzen: Von Emden bis Ingolstadt schrumpfen die Gewerbesteuer-Einnahmen, deshalb werden Gebühren erhöht und Subventionen gestrichen.

Doch während wohlhabende Städte wie die Audi-Heimat Ingolstadt oder das schwäbische Weissach, Sitz des Porsche-Forschungszentrums, auf Finanzpolstern aus besseren Tagen sitzen, steht strukturschwachen Landstrichen das Wasser bis zum Hals. Mit den Werken wuchsen dort Wohlstand und Ansprüche: Ob kostenlose Kinderbetreuung oder freier Eintritt fürs Schwimmbad - wenn es der Kommune gut ging, sollten auch die Bürger etwas davon haben - im Vertrauen auf den Konjunkturmotor VW, der lief und lief und lief.

Den Kommunen vorzuwerfen, zu lange die ökonomische Monokultur gepflegt zu haben, ist nicht ganz fair. Tatsächlich hatten es andere Branchen schwer, neben einem Konzern zu gedeihen, der stetig Flächen brauchte und Arbeitskräfte mit attraktiven Löhnen an sich zog. Der Riese VW war für Kommunen ein Segen - aber in seinem Schatten ist es kalt.

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