Karola Böttcher leidet unter gesundheitlichen Beschwerden und Einschränkungen

Auf der Flucht vor Funkstrahlen

Sie leidet unter Elektrosmog: Karola Böttcher sucht Zuflucht im Funkloch Frebershausen und lebt dort vorübergehend mit Hündin Ronja in einem Wohnmobil. Foto:  Klein

Bad Wildungen. Karola Böttcher ist verzweifelt. Auf der Flucht vor Funkstrahlen ist sie mittlerweile in Frebershausen angekommen. Dort lebt sie gemeinsam mit Hündin Ronja in einem Wohnmobil am Dorfrand. „Hoffentlich nur vorübergehend,“ sagt sie.

Denn hier, im engen Tal am Rande des Nationalparks Kellerwald im Kreis Waldeck-Frankenberg, fühlt sie sich einigermaßen sicher vor Funkstrahlen. „Handys funktionieren hier nicht“, erzählt sie.

Seit mehreren Jahren leidet die ausgebildete Krankenpflegerin unter gesundheitlichen Beschwerden. Sie macht Elektrosmog dafür verantwortlich. Alles fing nach der Trennung von ihrem Ehemann im Fritzlarer Stadtteil Züschen an. „Es ging mir aus unerklärlichen Gründen immer schlechter. Ich litt unter Ängsten und ich fühlte ein ständiges Kribbeln in den Haaren.“ Ihr Hausarzt überwies sie daraufhin an einen Psychotherapeuten, doch der habe bei ihr keine psychosomatischen Auffälligkeiten feststellen können, berichtet Böttcher.

Dennoch sei sie zweimal in die psychiatrische Klinik Haina eingewiesen worden. Irgendwann habe sie für sich dann einen Handy-Funksendemast als Auslöser für ihre gesundheitlichen Probleme ausgemacht.

„Der stand etwa 500 Meter von dem Haus entfernt, in dem ich damals lebte.“ In dem Bad Wildunger Stadtteil Bergfreiheit fand die mit 47 Jahren frühverrentete Frau schließlich einen neuen Wohnort, in dem sie sich sicher vor Funkstrahlen fühlte. Bis vor etwa acht Wochen: „Sechseinhalb Jahre lang lebte ich nahezu beschwerdefrei in Bergfreiheit. Doch plötzlich fühlte ich ein dauerhaftes und sehr unangenehmes Kribbeln in meinen Beinen.“

Die Beschwerden waren wieder da, und hätten sich in den Folgetagen sogar noch verstärkt. „Eine große innere Unruhe kam hinzu.“ Karola Böttcher erkundigte sich schließlich beim Ortsvorsteher von Bergfreiheit. „Er bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen.“ Auf dem Kellerwaldturm sei kurz zuvor ein DSL-Funksendemast in Betrieb genommen worden, dessen Strahlen bis in das Kellerwalddorf reichten.

„Ich habe mich in meinen Opel Corsa gesetzt, und bin mit meiner Ronja nach Frebershausen gefahren. Denn ich wusste von diesem Ort, dass er in einem Funkloch liegt.“ Drei Wochen lang verbrachte die Frau mit ihrer Hündin die Tage und Nächte in dem Kleinwagen.

Das Auto hatte sie zunächst im sogenannten Talgang im Nationalpark abgestellt. „Die Strahlensymptome waren zwar weg, aber im Corsa zu leben ging nicht länger. Ich hatte furchtbare Schmerzen im Rücken und in den Beinen.“

In der vorigen Woche löste Karola Böttcher ihren Haushalt in Bergfreiheit auf und schaffte sich ein Wohnmobil an, in dem sie nun am Rande des Frebershäuser Bolzplatzes wohnt. „Ich möchte mal wieder leben können. Ich suche daher einen Ort und ein Haus, die strahlenfrei sind.“ Trotz aller Widrigkeiten gilt die größte Sorge der Krankenpflegerin ihren vier erwachsenen Kindern. „Hoffentlich reagiert keines von ihnen irgendwann einmal so sensibel auf Strahlen wie ich.“

Von Uli Klein

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