Sicherheit der Maschinen hat Vorrang

Bunte Vielfalt an Startbahn: An Flughäfen siedeln sich viele Tierarten an

Frankfurt/Hannover. Startbahnen an Flughäfen sind Sicherheitszonen und menschenleer. Trotz Fluglärms siedeln sich auf den Grünflächen rundherum Tiere an.

Im Takt von wenigen Minuten heben an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt Flugzeuge ab oder setzen dort auf. 150.000 Passagiere werden hier täglich abgefertigt. Rund um die Startbahnen jedoch ist es gähnend leer. Hier darf sich, abgesehen von Flughafenpersonal, niemand aufhalten. Wiesen prägen das Bild in dem hoch eingezäunten Gelände. Dicht an den Bahnen sind sie kurz gemäht, damit die Piloten gute Sicht haben, knapp dahinter steht das Gras bis zu 24 Zentimeter hoch. Das ist nach Angaben von Bernd Beuchert, Chef der Frankfurter Flughafengärtnerei, kein Zufall. Das hohe Gras soll es Raubvögeln schwer machen, Beute zu erspähen und sie damit möglichst vom Areal fernhalten.

Die Wiesen – Spannungsfeld zwischen Natur und moderner Technik – sind Lebensraum für viele Tiere, besonders für kleine Arten. Trotz des Fluglärms brüten hier Vögel, haben sich Füchse und Hasen angesiedelt und ziehen ihre Jungen groß. Wiesen auch an anderen Großflughäfen bieten darüber hinaus eine große Vielfalt an Kräutern und Gräsern. Auch Insekten fühlen sich hier wohl.

Der Flugbetrieb wird durch die meisten der kleinen Tiere kaum gestört, allerdings gibt es hohe Sicherheitsvorkehrungen. Problematisch wird es etwa, wenn kleinere Tiere Fressfeinde anlocken. Dies können große Vögel sein, die durchaus eine Gefahr für startende Maschinen sein können.

Für die Flughafenbetreiber stehen Unversehrtheit und Sicherheit der Passagiere an erster Stelle. Am Flughafen Hannover etwa gibt es ein „Bird Control System“. Ornithologen beobachten die Vögel und kennen ihr Verhalten. Sie sind wie an anderen Flughäfen auch mit Schreckschuss- und Signalwaffen ausgerüstet. Dabei gibt es Systeme für verschiedene Flughöhen, um Kraniche und Wildgänse zu verjagen, die recht hoch fliegen. Das Aufscheuchen von intelligenten Vögeln wie Krähen oder Dohlen per Schuss ist nach Ansicht von Experten nicht immer einfach. Sie gewöhnen sich an das Knallen und reagieren dann nicht mehr darauf.

Auch beim Anpflanzen des Geländes an den Startbahnen wird auf Sträucher ohne Beeren oder Früchte geachtet, um keine weiteren Vögel anzulocken.

Die Tiere passen sich den Lebensbedingungen an den Flughäfen schnell an. Am Stuttgarter Airport wurde beobachtet, dass Neuntöter ihre Beute, bestehend aus Insekten, Mäusen und Eidechsen, nicht mehr auf Pflanzendornen aufspießen, sondern auf den Zinken des Sicherheitszauns rund um die Startbahnen. Turmfalken haben an den Hangars günstige Brutstätten entdeckt.

Vögel finden an Flughäfen Areale, die ihnen landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen wesentlich häufiger gemäht wird, nicht mehr bieten. Anders als in Parks müssen sie auf Flughäfen auch keine frei laufenden Hunde fürchten. Trotz aller Artenvielfalt: Die Wiesen an den Airports sind keine Naturschutzgebiete, sondern Verkehrsflächen. Der Flugbetrieb hat Vorrang.

Hintergrund: Gefahr für Maschinen durch Vogelschlag

Vogelschlag, also der Zusammenstoß von Vögeln mit Flugzeugen oder das Ansaugen der Tiere durch die Triebwerke, ist eine nicht unbedeutende Gefahr für den Flugverkehr. Moderne Triebwerke müssen eine Vogelschlag-Resistenz aufweisen, das heißt, ein Zusammenprall darf keine katastrophalen Folgen für die Maschine haben und der Schub darf nur kurzzeitig gemindert sein. Große Vögel wie Gänse, Schwäne und Greifvögel können erhebliche Schäden anrichten. Sie werden von Flughäfen vertrieben. Spektakulär: Im Jahr 2009 geriet in New York ein Airbus A 320 nach dem Abheben in einen Vogelschwarm. Beide Triebwerke fielen aus, das Flugzeug konnte durch eine Meisterleistung des Piloten auf dem Hudson River notlanden

Flughafenflächen wie großer Park

Wäre der Frankfurter Flughafen ein Stadtpark, wäre er von der reinen Fläche her der größte in Deutschland. Die Flughafengärtnerei pflegt dort nach eigenen Angaben mit 26 Mitarbeitern acht Quadratkilometer Grünland, das entspricht 800 Hektar. Zum Vergleich: Der englische Garten in München ist eine 375 Hektar große Grünanlage, die Kasseler Karlsaue ist 1,5 Quadratkilometer groß. Natürlich lassen sich die Grünanlagen nicht direkt vergleichen, die Freiflächen neben den Start- und Landebahnen haben für Menschen keinerlei Freizeitwert. Sie sind aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich. (mit dpa)

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