Fotofalle im Wald nur mit Ansage

Achtung, Videoüberwachung! Jäger auf dem Hochsitz.
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Achtung, Videoüberwachung! Jäger auf dem Hochsitz.

Wiesbaden/Kassel. Hessens Waidmänner gehen auf Konfrontationskurs. Sie wollen ihre Tierbeobachtungskameras im Wald behalten. Anders als der Landes-Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch hält die Spitze des Hessen-Jagdverbandes (LJV) die zigarettenschachtelgroßen Videospione zur Überwachung von Wildwechseln und Futterplätzen nicht für illegal.

Die an Baum und Borke gut versteckten Selbstauslöser-Fotofallen sollen Persönlichkeitsrechte ahnungsloser Spaziergänger verletzen? Das sei eine „rechtsirrige“ Ansicht, kanzelten LJV-Vorständler im Fachblatt Hessenjäger jüngst den Datenschützer ab.

Die Spionagetechnik ist verlockend billig: Sogar Aldi hatte die Kamerawinzlinge schon für 119 Euro im Angebot. Spätestens das machte sie bei Jägern so beliebt wie Rauhaardackel oder Feldstecher. Man kann sich Schnappschüsse von Wildsau und Reh aufs Smartphone senden lassen, den Tierbestand zählen oder seinen Hochsitz von zuhause aus vor Rowdys überwachen.

Das ist bequem, aber verboten. Abgesehen von wenigen Ausnahmen müssen Kameras aus Hessens Jagdgründen raus, fordert der Datenschutz. Der Wald sei ein öffentlich frei zugänglicher Raum, eines der letzten Erholungsgebiete. Jeder müsse dort unkontrolliert von Videoüberwachung unterwegs sein können, sagte Bernd Groh, Mitarbeiter des Datenschutzbeauftragten, unserer Zeitung. Dieses Recht sei höher zu bewerten als alles, was die Jäger vorbringen. Das wissen auch die Waidmänner, seit Hessen-Forst im August einen Mahnbrief rundschickte.

Auf ein kleines Schlupfloch haben sich Datenschutz und Hessens Umweltministerium jetzt geeinigt: Per Antrag, zu wissenschaftlichen Zwecken und behördlich begleitet, werden Minikameras geduldet. So könnten Kontrollen der Luchsbestände, der Wildwechsel-Grünbrücken über Autobahnen und im Nationalpark Kellerwald-Edersee bleiben.

Aber nur mit Ansage: Jeder, der ein videoüberwachtes Waldstück betritt, muss informiert sein, so Thomas Neels, Sprecher von Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU). Man könne da an Schilder auf nahen Parkplätzen oder an Zugangswegen denken - Details sind offen. Und: Auf allen Tierbildern müssen Menschen, die vielleicht doch vors Objektiv stolpern, umgehend unkenntlich gemacht werden.

Der Landesjagdverband munitioniert sich juristisch für seinen Gegenkurs. Und rät doch lieber zur Vorsicht: Wer Privatkameras jetzt nicht abhänge, mache das auf eigenes Risiko. Dass das Thema so hochkochte, verdanken die Jäger übrigens letztlich zwei Jägern: Einer knipste an seiner Wildschweinfütterung im Taunus den anderen und zeigte die Bilder empört herum. Der Reviernachbar setzte seinen Anwalt in Marsch - über die Obere Jagdbehörde beim RP Kassel landete der Fall beim Datenschutz.

Hintergrund

„Verfolgungswahn kennt keine Grenzen“

In den Jäger-Chats jagderleben.de und wildundhund.de wird das Kameraverbot robust und fast nur ablehnend kommentiert:

• „Der Wald hat 1000 Augen, da kommt es wohl auf eines mehr nicht an.“ Molch

• „Verfolgungswahn freiheitsliebender Menschen kennt keine Grenzen.“ Rapsjäger

• „Unsere Wildkameras sind in Nistkästen versteckt, und die bleiben ...“ 44Magnum

• „Was für ein Land, das geklaute Daten kauft und sich um den Pilzsammler sorgt, der durch die Szene läuft...“ OberförsterVS

„Boooa - mit Kanonen auf Spatzen böllern.“ gipflzipfla

Im Internet wird überwiegend mit Spitznamen kommentiert

Von Wolfgang Riek

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