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Fragen und Antworten zum Milliardenprojekt Stuttgart 21

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Stuttgart. Die Bahn hat nach einem knapp zweieinhalb Monate dauernden Baustopp am Dienstag die Arbeiten am umstrittenen Bahnprojekt „Stuttgart 21“ wieder aufgenommen. 300 Gegner hatten zuvor die Zufahrten zu den Baustellen auf beiden Seiten des Bahnhofs blockiert.

Die Polizei trug zahlreiche Demonstranten weg. Zu Ausschreitungen kam es nicht. Am 14 Juli sollen Ergebnisse des Stresstests zur Leistungsfähigkeit des Projekts vorgestellt werden. Mehr Zugdurchfahrten auf weniger Gleisen?

Fragen und Antworten

Wie muss man sich den viel zitierten „Stresstest“ für einen Untergrundbahnhof vorstellen, der gar nicht existiert?

Als gigantische Computersimulation. Am Rechner soll nachgewiesen werden, ob S21 die Hürden schafft, die der Schlichterspruch von Heiner Geißler fordert.

Was fordert dieser Nachweis genau?

Die Bahn AG „muss den Nachweis führen, dass ein Fahrplan mit 30 Prozent Leistungszuwachs in der Spitzenstunde mit guter Betriebsqualität möglich ist. Dabei müssen anerkannte Standards des Bahnverkehrs für Zugfolgen, Haltezeiten und Fahrzeiten zur Anwendung kommen.“ So steht es im Protokoll.

Was heißt das im Vergleich des vorhandenen Kopf- oder Sackbahnhofs mit dem tiefergelegten Durchgangsbahnhof?

Derzeit enden 16 Gleise in der querliegenden Bahnhofshalle. Auf ihnen fahren zu Spitzenzeiten pro Stunde 38 Züge ein und in Gegenrichtung wieder aus - ein System wie im alten Kasseler Hauptbahnhof. Der neue Tiefbahnhof soll Durchgangsgleise bekommen - so wie im IC-Bahnhof Wilhelmshöhe. Diese acht Gleise müssten für 30 Prozent mehr Leistung pro Spitzenstunde 49 Züge schaffen - gut sechs pro Gleis.

Wer stellt sicher, dass der „Stresstest“ sich nicht irgendwelche Ergebnisse für oder gegen S21 zurechtbiegt - und bis wann?

Ergebnisse sollen am 14. Juli vorgestellt werden. Getestet wird das Projekt auf Rechnern der DB Netz AG. Überwacht und bewertet wird der Stresstest aber von der Schweizer Bahnplanungsfirma SMA. Tatsächlich gab es im Vorfeld schon Streit über die Testvorgaben, die - so oder so - das Ergebnis beeinflussen.

Welche Vorgaben könnten das sein?

Bahnhöfe sind ja Knotenpunkte eines gigantischen Netzwerks. Bei Ein- und Ausfahrt kreuzen Züge andere Gleise, Standzeiten am Bahnsteig blockieren die Strecke, Kunden legen besonderen Wert auf fest getaktete Fahrpläne, kurze Wege zum Anschlusszug, kurze Wartezeiten - und zwar möglichst in alle Richtungen. In Stuttgart werden ja auch Fernverkehr (ICE), Regional- und Nahverkehr (IC und Interregios sowie S-Bahn) verknotet. Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat Mitglieder seines Kabinetts im Lenkungsausschuss sitzen, der Details des Stresstests definiert.

Könnte S 21 theoretisch beim Stresstest durchfallen - und damit erledigt sein?

Über Konsequenzen des Stresstests dürfte heftig diskutiert werden. Im Schlichterspruch ist von einem Aus aber nicht die Rede, nur von der Verpflichtung für die Bauträger, „alle Ergänzungen der Infrastruktur, die sich aus der Simulation als notwendig erweisen“, zu schaffen.

Was meinte Heiner Geißler damit konkret?

Zum Beispiel den Bau eines neunten und zehnten Gleises im Bahnhof oder die zweigleisige Anbindung des Flughafens und damit der Neubaustrecke nach Ulm.

Das macht das Projekt dann aber wieder teurer ...

Genau - und die Bahn will das Kostenlimit von 4,5 Milliarden unbedingt halten. Sonst müsste mit Bund und Land ganz neu verhandelt werden.

Von Wolfgang Riek

Links zu den Internetseiten von S21-Befürwortern und -kritikern:

- Offizielle S21-Projektseite

- Ja zum Kopfbahnhof

-Parkschützer

-Bei Abriss Aufstand

-Seite des S21-Schlichters Heiner Geißler

-S21-Infoseite der Landeshauptstadt Stuttgart

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