Tipps für 14 Tage ohne Einkauf

Fragen und Antworten zum Notfall: Was die Regierung für uns plant

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Früher ein gewohntes Bild, heute seltener: Eine intakte Sirene mit Schutzdach. Unser Archivbild zeigt eine Sirene auf einer Schule in Walschleben (Thüringen). Die Geräte dienen der Alarmierung der Feuerwehr oder für die Warnung der Zivilbevölkerung im Katastrophenfall. Wegen anderer Alarmierungswege werden immer mehr Sirenen abgebaut.

Der aktuelle Notfallplan für den Schutz der Zivilbevölkerung ist aus dem Jahr 1995. Die Bundesregierung will am Mittwoch eine neue Fassung beschließen.

Die darin enthaltene Empfehlung an die Bürger, Lebensmittel für zehn Tage vorzuhalten, hat für Aufregung gesorgt.

Um welche Arten von Krisenfällen geht es in dem Notfallplan?  

Es geht unter anderem um Situationen, in denen die öffentliche Versorgung lahmgelegt ist. In denen etwa auf einmal kein Trinkwasser mehr da ist, es keine Elektrizität gibt, Menschen nicht mehr an Lebensmittel kommen, ihre Häuser nicht verlassen dürfen oder Krankenhäuser in kürzester Zeit viele Verletzte aufnehmen müssen. Hintergrund können gezielte Angriffe auf Deutschland sein, aber auch Naturkatastrophen.

Ist der Aufruf, dass Bürger Lebensmittelvorräte anlegen sollen, neu? 

Nein. Die Behörden empfehlen seit langem, dass private Haushalte für den Krisenfall Vorräte für bis zu zwei Wochen anlegen sollten (siehe Artikel unten). Auch der Staat hortet in rauen Mengen Grundnahrungsmittel für den Ernstfall.

Wie hat die Opposition auf die Empfehlung reagiert? 

Die Linke hat das Konzept als Angstmache kritisiert. „Man kann die Menschen mit immer neuen Vorschlägen, so auch zu Hamsterkäufen, völlig verunsichern“, sagte Linksfraktionschef Dietmar Bartsch. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte eine Aktualisierung der Notfallpläne zwar sinnvoll, hält eine Vermischung von ziviler Vorsorge mit militärischen Szenarien und Hinweisen auf terroristische Gefahren aber für problematisch.

Wie begründet die Regierung ihren Vorstoß? 

Seit 1995 hätten sich die Bedrohungsszenarien fundamental verändert, heißt es in dem aktuellen Papier. Seitdem seien zudem bundeseigene Strukturen und Einrichtungen der Zivilen Verteidigung oft abgebaut oder durch die Nutzung der Katastrophenschutzressourcen der Länder ersetzt worden, heißt es in dem aktuellen Papier. „Nicht nur, aber auch wegen der verschärften Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus ist es wichtig, die Abwehr- und Reaktionsfähigkeit unserer Zivilschutzorganisationen in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und den neuen Herausforderungen anzupassen“, sagte der innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer.

Was steht neben der Empfehlung zu Vorratskäufen noch in dem Konzept?

Unter anderem geht in dem Notfallplan darum, die Staats- und Regierungsfunktionen aufrechtzuerhalten sowie die Streitkräfte bei der Aufrechterhaltung ihrer Verteidigungsfähigkeit zu unterstützen. Das Technische Hilfswerk muss sich auf Veränderungen einstellen. So soll eine „Anpassung des Fähigkeitsprofils erfolgen, um die vorhandenen Bereiche Rettung und Bergung, Notinstandsetzung und Notversorgung (...) neu zu gewichten.“

Bundesamt für Bevölkerungsschutz gibt Tipps für 14 Tage ohne Einkauf

Neu ist der Aufruf an die Bürger, Vorräte für den Katastrophenfall anzulegen, nicht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellt auf seiner Internetseite schon seit einiger Zeit einen Ratgeber zur Verfügung, der Anregungen für die Vorsorge für Unwetter, Feuer, Hochwasser und Unfälle mit Gefahrstoffen geben soll.

Bei einer Katastrophe sei es nicht mehr unbedingt selbstverständlich, dass Supermärkte zugänglich sind, heißt es in der Broschüre. Deshalb müsse das Ziel sein, 14 Tage ohne Einkaufen überstehen zu können. Die Waren sollten ohne Kühlung gelagert und kalt gegessen werden können, falls der Strom ausfällt. Auch ein Campingkocher könne ratsam sein.

Hochgerechnet für eine vierköpfige Familie empfiehlt das BKK einen Vorrat von rund 22 Kilogramm Gemüse in Dosen und Gläsern sowie zusammen rund 20 Kilogramm an Getreideprodukten, Brot und Kartoffeln. Zum Vorrat zählen außerdem H-Milch, Hartkäse, Thunfisch und Obst in Dosen, Trockenpflaumen, Bockwürstchen im Glas sowie Eier. 112 Liter Mineralwasser sollten für vier Personen vorrätig sein. Neben Lebensmitteln empfiehlt das BKK auch, genügend Hygieneartikel wie Seife, Zahnpasta und Toilettenpapier vorrätig zu haben. Wer Haustiere hat, solle auch daran denken, genügend Futter für sie zu haben.

Außerdem heißt es in dem Ratgeber, dass die Vorräte regelmäßig überprüft werden müssen, ob sie noch haltbar sind. Neu gekaufte Produkte sollten im Regal hinten einsortiert und die vorderen zuerst verbraucht werden.

• Den Ratgeber für die Notfallvorsorge gibt es hier

Schon gewusst?

Die Bundesrepublik hat einen zentralen Bergungsort für deutsches Kulturgut. Im Barbarastollen in der Nähe von Freiburg lagern etwa 31,2 Millionen Meter Mikrofilm mit Duplikaten von bedeutenden Dokumenten der deutschen Kultur und Geschichte in Edelstahlzylindern (Foto). Sie sollen davor geschützt werden, im Krieg zerstört zu werden. Auf den Mikrofilmen sind unter anderem der Vertrag zum Westfälischen Frieden von 1648 und die Baupläne des Kölner Doms gespeichert.

• 1961 rief das Bundesernährungsministerium zur „Aktion Eichhörnchen“ auf. Schon damals wurde der Bevölkerung empfohlen, für Krisen einen Vorrat an Lebensmitteln für 14 Tage anzulegen. Jeweils bis zu1,5 Millionen Mark wurde in den ersten Jahren für Werbung und Broschüren dafür ausgegeben - der Slogan: „Denke dran, schaffe Vorrat ran“. Allerdings sollen sich nur zwei bis drei Prozent der Haushalte einen Vorrat angelegt haben, wie er empfohlen wurde. Laut aktuellen Studien, ist der Kauf auf Vorrat auch heute unbeliebt.

• In den Gesamtverteidigungsrichtlinien der Bundesrepublik von Januar 1989 wurden die Bürger noch dazu ermutigt, in Neubauten Schutzräume zu errichten. Ziel war es, dass möglichst jedem ein Ort, an dem man sich bei Anschlägen schützen kann, zur Verfügung steht. Heute gibt es solche Bunker kaum noch.

• Im Kalten Krieg baute Deutschland für fünf Milliarden Mark einen Regierungsbunker für die politische Elite in der Nähe von Bonn. Das 17 Kilometer lange Tunnelsystem bot im Falle eines atomaren Angriffs jeweils rund 900 Büro- und Schlafräume, in denen das Überleben mindestens 30 Tage lang gesichert sein sollte. Alle zwei Jahre wurde der Ernstfall im Bunker geübt. Zum realen Einsatz kam es aber nie.

Hintergrund: Katastrophenhilfe gebündelt in Bonn

Das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entwickelt seit 2004 Strategien zur Zivilen Sicherheit in Deutschland. Auslöser für die Gründung waren die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA und die dramatische Hochwasserlage an Donau und Elbe. Das BBK hat rund 300 Mitarbeiter. Im Lagezentrum laufen im Krisen- und Katastrophenfall sämtliche Fäden von Behörden und Hilfsorganisationen zusammen. Es ist ständig besetzt und koordiniert die Einsätze. (mit dpa)

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