Vor 175 Jahren startete die erste

Das Komplettpaket für unterwegs: Fragen und Antworten zu Pauschalreisen

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Sonne, Strand und Meer: Die traditionellen Ziele der Pauschalreisen liegen rund um das Mittelmeer, im Bild ein Strand bei Pollenca auf Mallorca. Rechts: Plakat von Thomas Cook von 1850.

Man fuhr Bahn und Alkohol war tabu: 1841 veranstaltete Thomas Cook, was vielen als erste Pauschalreise gilt. Heute buchen Millionen Menschen pauschale Reiseangebote für ihre schönste Zeit des Jahres.

Die Touristikbranche ist ein milliardenschwerer Markt. Wie fing alles an?

Am 5. Juli 1841 bot der englische Baptistenprediger Thomas Cook eine Bahnfahrt von Leicester nach Loughborough an. Es gab Schinkenbrot und Tee, am Bahnhof wurden die Reisenden mit Blasmusik empfangen. Einige Hundert Menschen nahmen an der Fahrt teil. Das Ziel war ein Abstinenzlertreffen in Loughborough. Als Josef Neckermann die Pauschalreise Anfang der 1960er-Jahre nach Deutschland brachte, ging es schon mit dem Flugzeug nach Mallorca.

Welchen Anteil haben Pauschalangebote heute am Reisemarkt? 

42 Prozent der Urlaubsreisen mit mindestens fünf Tagen Dauer werden pauschal gebucht, hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (Fur, Kiel) ermittelt. Damit sind Pauschalreisen die wichtigste Organisationsform der Branche. Die Veranstalter in Deutschland machen einen Jahresumsatz von 25 Milliarden Euro. Aber: Im Jahr 2006 hatten Pauschalreisen noch einen Anteil von 48 Prozent.

Sinkt die Beliebtheit der Pauschalreisen?

Nein, der Reisemarkt ist gewachsen. Laut Fur sind in diesem Jahr 69 Millionen Reisen geplant, vor zehn Jahren waren es 60 Millionen Reisen. Die Bundesbürger sind heute insgesamt öfter unterwegs. Sie buchen aber häufiger Ticket und Unterkunft getrennt und nutzen Internet-Plattformen wie Trivago oder Airbnb.

Also geht der Trend weg von der Pauschalreise? 

Nein, die Pauschalreise hat sich verändert. Die Veranstalter haben gemerkt, dass viele Kunden ihre Reise zusammenstellen wollen und bieten Bausteine an. Der Deutsche Reiseverband spricht von „organisierten Reisen“. „Heute reisen selbst Studenten organisiert, das Angebot erreicht alle Bevölkerungsgruppen“, sagt ein Sprecher. Allerdings kratzt der Trend zum Urlaub in Ferien- und Privatwohnungen am Spitzenplatz der Pauschalreise.

Schlecht für die Reisebüros, oder? 

Nein, der Gang ins Reisebüro ist bei größeren Urlaubsreisen üblich. „Die Deutschen sind bei Käufen im Internet noch zurückhaltend“, sagt Tui-Chef Friedrich Joussen. Unter den deutschen Tui-Pauschalurlaubern buche nur jeder dritte im Internet. Der Großteil recherchiere seine Reise online, gehe aber zum Abschluss ins Reisebüro.

Was sind die liebsten Reiseziele der Pauschalurlauber?

Spanien, Griechenland, die Türkei, Ägypten, Tunesien und Marokko. Doch die Türkei, Tunesien und Ägypten haben nach mehreren Terroranschlägen große Probleme. Derzeit verlagern sich die Reiseströme in Richtung Portugal, Bulgarien und Italien.

Was sagen Experten zur künftigen Entwicklung? 

„Die Pauschalreise wird es auch in Zukunft geben“, sagt der Tourismusforscher Harald Pechlaner. „Viele müssen klar kalkulieren.“ Er glaubt, dass Terroranschläge und Krisen mehr Menschen bewegen, pauschal zu buchen - denn wenn die Reise ausfällt, haftet der Veranstalter. (dpa)

Schon die Pilger reisten pauschal

„Schon die Pilgerfahrten nach Jerusalem im Mittelalter kann man gewissermaßen als Pauschalreisen betrachten“, sagt Professor Hasso Spode von der TU Berlin. Am Hafen in Venedig schlossen die Pilger demnach mit dem Kapitän einen Vertrag: Überfahrt, Landweg, Verpflegung inklusive, auch notwendige Bestechungsgelder. Im England des 19. Jahrhunderts verkauften die jungen Eisenbahngesellschaften Tagesausflüge, etwa zu öffentlichen Hinrichtungen. Auch christliche Sonntagsschulen machten Tagesausflüge zum Festpreis. Das sei Thomas Cooks Vorbild gewesen, sagt Spode. „Er hat aus der Pauschalreise das große Geschäft gemacht.“ (dpa)

Hintergrund: Die kassische Paketlösung

Eine Pauschalreise ist eine klassische Paketlösung eines Reiseveranstalters, die Leistungen bündelt - mindestens Flug, Hotel und Transfer.

Während eine individuell geplante Reise unterwegs mehr Flexibilität ermöglicht, bietet eine Pauschalreise mehr Sicherheit. Ist der Veranstalter insolvent, ist der Pauschaltourist durch einen Reisesicherungsschein geschützt. Bei Flugausfällen kümmert sich der Reiseveranstalter um die Pauschaltouristen. In Krisensituationen sorgt der Veranstalter für den schnellstmöglichen Rücktransport, während Individualreisende oft tagelang festsitzen und noch einmal viel Geld für Heimflug und Hotel ausgeben müssen.

So reisen unsere Redakteure

Matthias Lohr: Wie ich mit Kindern verreise 

Die Königsdisziplin der Pauschalreise mit Kindern ist das Familienhotel. Da ist wirklich alles all-inclusive - nicht nur das Essen, sondern auch das Strandbad, der Streichelzoo und die Rundumkinderbetreuungdurch in Cambridge ausgebildete Pädagogen. Für gestresste Eltern klingt das wie das Paradies. Andererseits: Wer da glücklich wird, kann seine Kinder auch gleich ins Heim geben. Wir reisen lieber ohne Komplettversorgung. Das mag stressiger sein, aber noch brauchen wir keinen Urlaub von der Familie. Man beantwortet sogar gern alle fünf Autobahnkilometer die Frage: „Papa, wann sind wir endlich da?“

Tibor Pézsa: Auch wir reisten einmal pauschal 

Irgendwann ist immer das erste Mal, und so reisten wir mit den Kindern für eine Woche in eine Hotelanlage an der türkischen Küste. Alles war im Preis drin, Flug, Bustransfer, all inclusive. Das Lager warschön, man durfte auch raus, im Bus natürlich gegen Aufpreis. Im Ort konnte man Plastikhemden kaufen. Am Strand war’s mir zu heiß. Auf einem Boot übergaben sich zwei. Die Sonne? Alle aßen und tranken ohne Ende, verschwitzt, halbnackt. Sie optimierten das Preis-Leistungsverhältnis ihres Urlaubs. Die Kinder wollten nicht bespaßt werden, sie wollten eigene Wege gehen. Abends wurden Wiederholungsgäste geehrt, für vier Jahre, 12 und 16. Kurz vorm Strand gab es Palmen in Reih und Glied mit Messingschildchen dran: Dr. Schneider, Bottrop, 24 mal hier. Oder so ähnlich. Selten habe ich mich so fremd gefühlt.

Tobias Lawatzki: Darum reise ich auf eigene Faust 

E meinem Leben, da habe ich es verflucht, dass ich meinen Urlaub normalerweise selber plane: Da steckte mein Fahrrad im Schlamm fest,ich hatte keine Orientierung, und meine Freunde standen hinter mir mit bösem Blick, denn ich war es, der den Abschnitt unserer Fahrradtour geplant hatte. Dennoch: Wenn man selbst Unterkünfte sucht und Routen festlegt, steigt die Vorfreude auf den Urlaub schon lange vorher. Anders als bei der Pauschalreise kommt es dabei mal zu Überraschungen. Aber genau das sind die Momente, über die wir heute noch sprechen.

Barbara Will: Individuell, und zwar pauschal 

Drei Wochen mit dem Mietwagen durch die USA oder zwei Wochen durch Island: Da gibt es unendlich viel zu entdecken. StundenlangeAutofahrten nehme ich hin, stundenlange Wanderungen genieße ich - doch das ständige Problem der zeitraubenden Quartiersuche im Nacken hasse ich. Schön, wenn ich diesen Aufwand im Paket an einen Reiseveranstalter delegieren und mich auf Land und Leute einlassen kann. Zu wissen, dass an dem Ort, an dem man nach 30 Kilometer Schlagloch-Piste durchgerüttelt ankommt, auch sicher ein freies Bett wartet: Das ist für mich wirklich Urlaub.

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