Fragen und Antworten: Schnabelkürzen nur in Ausnahmefällen

Kürzungen von Schnäbeln: Hennen in der Massentierhaltung werden so behandelt, damit sie sich auf minimalem Platz nicht gegenseitig verletzen oder töten. Das Kürzen soll künftig in Hessen nicht mehr die Regel sein. Die Geflügelwirtschaft zieht mit. Foto: dpa

Wiesbaden. Die hessische Geflügelwirtschaft will nur noch in Ausnahmefällen Legehennen die Schnäbel kürzen. Eine entsprechende Vereinbarung schlossen der Verband und das Landwirtschaftsministerium gestern in Wiesbaden.

Zugleich zog Ministerin Priska Hinz (Grüne) eine Zwischenbilanz des von ihr ins Leben gerufenen Runden Tisches Tierwohl. Wir beantworten wichtige Fragen.

Was passiert mit den Legehennen genau? 

Ihnen soll die bisher übliche routinemäßige Kürzung ihrer Schnäbel erspart werden. Bisher sollte die Maßnahme verhindern, dass sich die Tiere wegen Platzmangels gegenseitig picken und dabei verletzen oder töten. Eine solche Vereinbarung wurde bereits im Jahr 2015 auf Bundesebene geschlossen und sollte in der Aufzucht ab 1. August 2016 in Kraft treten. Ausnahmen können aber beantragt werden.  

Was sagen die Geflügelhalter?

Ihr Verband geht davon aus, dass die 130 Mitglieder gut genug vorbereitet sind, die Vereinbarung zu erfüllen. Geplant sei, anderes Futter und mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung anzubieten.

Was bedeutet dies für die Verbraucher? 

Die hessischen Geflügelzüchter erwarten Mehrkosten bei den Eiern zwischen zwei und zehn Cent. Gründe seien mehr Betreuungsbedarf und teureres Futter. Auch sei damit zu rechnen, dass mehr Tiere sterben, weil sie sich bei Platzmangel gegenseitig totpicken. Diese Möglichkeit räumte auch Hinz für eine Übergangsphase ein. Es gebe aber keine Alternative: Nicht nur Verbraucher, sondern auch der Handel setze zunehmend auf Produkte aus tiergerechter Haltung, sagte die Grünen-Politikerin. Und appellierte an die Verbraucher, Tiere dürften nicht einfach als ökonomische Größe behandelt werden.

Noch immer werden männliche Küken kurz nach der Geburt getötet. Gibt es hier eine andere Lösung?

Männliche Küken sind für die Eierproduktion wertlos, deshalb werden sie geschreddert oder vergast. Um das zu verhindern, hatte Hinz auf eine technische Lösung gesetzt. Sie sollte schon 2018 kommen, nun ist allerdings erst frühestens 2019 damit zu rechnen, dass bereits im Ei erkannt werden kann, ob ein männliches oder ein weibliches Küken schlüpft. Das männliche Küken soll dann gar nicht erst ausgebrütet werden. Die Züchtung von Rassen, die Eier legten und deren männliche Tiere genug Fleisch lieferten, sei noch sehr am Anfang - und wiederum eine Frage des Preises, sagte die Ministerin.

Welche weiteren Pläne für mehr Tierwohl gibt es in Hessen? 

Ein Erlass soll regeln, dass Kälbern nicht mehr ohne Betäubung ihre Hörner entfernt werden. Hinz will auch das routinemäßige Kürzen des Schwanzes von Ferkeln beenden. Hier laufen nach Angaben von Hans-Joachim Hermann vom Landesbetrieb Landwirtschaft die Vorbereitungen.

Was ist mit der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern?

Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin hat bereits in ihrem Jahresbericht 2015 gefordert, diese zu verbieten, Das will auch der Runde Tisch Tierwohl. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht allerdings keinen Handlungsbedarf. (mit dpa)

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