In Ginsheim-Gustavsburg

„Froh, dass die Iren weg sind“ - 600 Iren belagerten illegal Platz

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Polizei war zunächst machtlos: Am Mittwoch tauchten plötzlich hunderte irische Landfahrer mit ihren Wohnmobilen auf einem Festplatz in Ginsheim-Gustavsburg (Bild) auf. Stadt und Polizei beschlossen, die Camper zunächst zu dulden. Gestern verließen sie plötzlich den Platz.

Ginsheim-Gustavsburg. Plötzlich waren sie da - Polizei und Stadt waren völlig machtlos. Am vergangenen Mittwoch tauchten hunderte Iren mit ihren Wohnwagen auf.

Bis Montag blockierte die wachsende Zahl von irischen Landfahrern - eine Art fahrendes Volk - ohne Genehmigung den Festplatz Ochsenwiese in Ginsheim-Gustavsburg. Angeblich um dort am 15. August Mariä Himmelfahrt zu feiern. Stattdessen gab es Autorennen, Diebstähle in Tankstellen und Einkaufsmärkten, dazu jede Menge Alkohol. Ein Mann wurde wegen eines Hitlergrußes in Gewahrsam genommen.

Am Montag verschwanden die 600 Iren mit ihren 120 Wohnmobilen vom Ochsenplatz, hinterließen jede Menge Müll, umgestoßene Dixi-Toiletten und einen durch die Autorennen zerstörten Rasen. „Die sind hier asozial aufgetreten,“ sagt Thies Puttnins-von Trotha, Bürgermeister von Ginsheim-Gustavsburg.

Die Überrumplungs-Taktik der feierwütigen Iren hatte jedenfalls funktioniert: „Wir sind völlig überrascht worden“. Es fehlten schlicht genügend Polizisten, um den Platz räumen zu lassen. Vier Beamte von den örtlichen Polizeistationen waren am Mittwoch vor Ort, sagt der parteilose Bürgermeister. „Wir haben uns dann entschieden, die Situation zu ertragen.“ Schließlich hätten die Iren im Gespräch angekündigt, eine Woche später weiterreisen zu wollen.

Thies Puttnins-von Trotha

Bleibenden Eindruck haben sie auf jeden Fall hinterlassen - nicht nur im Rasen des Festplatzes: In den Presseberichten aus dem Rhein-Main-Gebiet ist von Beschwerden über Lärmbelästigung die Rede. Und eine Gruppe von Frauen ließ sich mit einem Taxi durch die Stadt chauffieren: Statt zu zahlen, nahmen sie noch das Handy des Taxifahrers mit, berichtet Polizeisprecher Sebastian Trapmann. Zwei Iren prügelten sich auf dem Gelände. In einem Döner-Imbiss wurde erst nach scharfer Soße gefragt. Nachdem sie doch zu scharf war, wurde das Essen einfach in den Imbiss gespuckt, so der Polizeisprecher.

„Wir sind froh, dass die Iren weg sind“, sagt der Bürgermeister. Er hat sich auf dem Festplatz mit einigen unterhalten. „Sie waren nicht aggressiv“, sagt er. Aber das Verhalten sei unmöglich gewesen. Womöglich habe die wachsende Polizeipräsenz vor Ort den Iren den Spaß am Feiern genommen, vermutet der Bürgermeister. Wie viele Polizisten vor Ort waren, wollte die Polizei nicht sagen.

Um nicht auf den kompletten Kosten sitzenzubleiben, sammelte er bei dem fahrenden Volk Geld ein. Immerhin: „Eine vierstellige Summe“. Mögliche restliche Kosten wird die Stadt selbst tragen müssen. „In drei Wochen ist der Platz wieder in Ordnung.“ Dann soll auch der Zirkus dort gastieren dürfen, der eigentlich für diese Zeit angemeldet war.

Mit der Polizei und den anderen Kommunen will sich der Bürgermeister nun beraten, um solche Ereignisse zu verhindern. Denn schon in den Vorjahren tauchten Gruppen wie diese in der Region auf - im Jahr zuvor in Wiesbaden.

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