Gaucks selbstbestimmter Abschied: Aufhören, wenn es am schönsten ist

Verzichtet auf zweite Amtszeit: Bundespräsident Joachim Gauck (76).

Der Bundespräsident hat am Montag sein Amtsende angekündigt - selbstbestimmt, und damit anders als manch andere Politiker.

Aufhören, wenn es am schönsten ist - welcher Politiker schafft das schon? Joachim Gauck (76), beliebter Präsident, will sich ersparen, im Amt zu alt zu werden. Er weiß, dass der Alterungsprozess in der Regel immer schneller voranschreitet.

Einer, der das nicht einsehen wollte, war „der Alte“, Konrad Adenauer. So genannt nicht, weil er, anno 1949, mit 76 überhaupt erst Bundeskanzler wurde; sondern weil er auch nach drei Wiederwahlen keinen Schlussstrich ziehen wollte. Er ging nicht, als es am schönsten war; sondern erst, als sein Ruf etwa durch die Niederlage vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem „Adenauer-Fernsehen“ und die Spiegel-Affäre schon Schaden genommen hatte.

Nicht anders sein politischer Enkel Helmut Kohl, der die Union 1998 nach 16 Jahren Kanzlerschaft in die Niederlage gegen Gerhard Schröder (SPD) führt, gealtert, stur und zum bitteren Ende wegen der Spendenaffäre auch noch des CDU-Ehrenvorsitzes beraubt.

Aus Alters- und Gesundheitsgründen dagegen und trotz Chancen auf Wiederwahl verzichtet Gustav Heinemann 1974 auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident. Auch Hans- Dietrich Genscher, der große Liberale, beendet seine Laufbahn als Außenminister 1992 - nach 18 Jahren - aus freien Stücken.

„Aufhören, bevor man gefragt wird, wie lange man noch bleiben will“, sagt Hans Eichel einst Ministerpräsident in Hessen und bis 2005 Bundesfinanzminister, als er gibt sein Bundestagsmandat 2009 abgibt - mit 67. Sein Parteifreund Hans-Jochen Vogel, einst Oberbürgermeister von München, Bundesminister, Kanzlerkandidat, Partei- und Fraktionschef, hat eine ähnliche Maxime: Man müsse gehen, solange man seinen Mitmenschen die Bekundungen des Bedauerns noch glauben könne, sagt er einmal. Vogel gibt Partei- und Fraktionsvorsitz mit 65 Jahren 1991 auf.

Sein Bruder Bernhard bei der CDU verlässt die rheinland-pfälzische Staatskanzlei zwar 1988 im Zorn, schließt aber 1992 noch einmal eine zweite Karriere als Thüringer Regierungschef an, die er 2003, mit 71, aus Altersgründen freiwillig beendet. Aus ganz anderen Gründen geht 2010 Roland Koch (CDU), Hessens langjähriger Ministerpräsident. Er wechselt in die Wirtschaft.

Von Johannes Rau, gefühlt ewig Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen (1978 - 1995), stammt der Satz: „Politik ist wie Nüsse essen: Wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören.“ Er wurde danach noch Bundespräsident. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel kennt die Ängste der Politiker: „Viele von uns haben Angst, dass sie mit dem Amt auch sich selbst verlieren.“

Zugeben würden es wohl die wenigsten. Angela Merkel ist seit elf Jahren Kanzlerin. Wie sie es sieht, ist nicht überliefert. Beobachter gehen davon aus, dass sie 2017 zum vierten Mal kandidieren wird.

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