Landeskriminalamt ermittelt

Geköpfter Wolf: 11.000 Euro Belohnung ausgesetzt

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Gefährliche Freiheit: Wölfe werden illegal verfolgt und gejagt. Dieser hier lebt im Wisentgehege in Springe/Region Hannover.

Staakow. In Brandenburg wurde ein Wolfskadaver gefunden. Sein Kopf fehlte, abgeschnitten von einem Trophäensammler, vermuten die Ermittler.

Doch Fahnder haben es im Kampf gegen illegale Abschüsse und Autohetzjagden schwer. Der grausige Fund in einem Maisfeld zwischen den brandenburgischen Dörfern Pinnow und Staakow, nahe der Grenze zu Polen vom Wochenende hat einmal mehr Fahnder des Landeskriminalamtes (LKA) Brandenburg auf den Plan gerufen. Sie unterstützen bei schweren Umweltstraftaten Polizeikollegen. Das LKA Sachsen hat sogar eine eigene Spezialistengruppe.

Wölfe, die in Deutschland zurück sind und aus Polen kommend nun bis zur holländischen Grenze wieder ihre Reviere haben, werden öfter mal überfahren. Zuweilen auch absichtlich. Das ist natürlich illegal - so wie Schüsse auf das grauhaarige Raubtier, das strengsten Artenschutz genießt, verboten sind.

Woran der Brandenburger Wolf verendete, ist ungeklärt. Selbst wenn Schüsse nachgewiesen würden, ist die Chance, den Schützen zu ermitteln, nur klein. Tom Bernhardt, Sprecher des LKA Sachsen: „Fundort ist meist nicht Tatort.“ Angeschossene Wölfe könnten noch ein gutes Stück laufen, bevor sie sich irgendwo zum Sterben verkröchen.

Manchmal würden illegal abgeknallte Wölfe auch bewusst noch weggefahren - und wie in einem Fall direkt unter ein Naturschutzgebiet-Schild gekippt. Projektile oder Hülsen zu finden sei extrem unwahrscheinlich, sagt Bernhardt. Selbst wenn - Schützen habe man damit noch lange nicht. Sie müssten sonst mit bis zu fünf Jahren Freiheits- oder Geldstrafe rechnen.

Wilderei-Problem

Im Juli hatte die Umweltorganisation WWF nach der Tötung eines Wolfes in Sachsen 25 000 Euro Belohnung für die Ergreifung des Täters ausgesetzt. Ohne den erhofften Erfolg, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. Trotzdem sind nun weitere 10 000 Euro für den Brandenburger Fall angekündigt. Die Tierrechtsorganisation Peta erhöhte gestern auf 11 000 Euro. „Deutschland hat ein Wilderei-Problem“, sagte WWF-Wildtierexperte Moritz Klose: „Immer wieder werden bedrohte und geschützte Tiere illegal getötet.“ Massenhaft Greifvögel, auch Luchse. Und eben Wölfe: 18 seien in den vergangenen Jahren hierzulande nachweislich illegal getötet worden.

Acht davon wurden laut Statistik des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz seit 2009 in Sachsen aufgelesen. In sieben Fällen erschossen, ein Wolf wurde per Auto gejagt und gezielt überrollt. 28 Wölfe starben bei Verkehrsunfällen - davon vier auf Bahnschienen.

Niedersachsens Fundstatistik nennt 16 tote Wölfe seit dem Jahr 2000: drei davon erschossen, zehn als Unfallopfer. In Hessen wurden 2015 zwei Wölfe überfahren.

Einer der seltenen Fälle, in denen Wolfsabschüsse ausermittelt wurden, liegt lange zurück: Nachdem er auf einen Wolf gefeuert hatte berief sich ein Jäger 2003 im Landkreis Hildesheim auf Notwehr und Verwechslung des Tieres mit einem wildernden Hund. Der Wolf war aus einem Gehege in Sachsen entkommen, eine Zeit lang durch unsere Region gestreift und dann weserabwärts weitergezogen. Die Notwehr-Argumentation sei nicht zu widerlegen, bekannte die Staatsanwaltschaft damals. Kein Vorsatz - Verfahren eingestellt.

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