Mehr als ein Werbegag: Start in das erste Semester zum Studium des Kultgemüses

Grünkohl in der Akademie

Grünkohl so weit das Auge reicht: Mit einer modifizierten Maschine, die ursprünglich für die Rübenernte konstruiert wurde, wird das Kultgemüse hier bei Visbeck im Landkreis Vechta geerntet und in einen Container verladen. Foto: dpa

Oldenburg. Für Norddeutsche ist Grünkohl nicht einfach irgendein Gemüse. Grünkohl hat Tradition. Sobald es kühler wird, frönen die Menschen im Norden einem für manch einen Süddeutschen unverständlichen Kult. Sie ziehen mit Bollerwagen los, küren bei kuriosen Spielen ihren Grünkohlkönig und verzehren anschließend Unmengen des deftigen Gemüses mit Wurst, Speck oder Kassler.

Das muss man nicht mögen, man kann es aber lernen. Und wo sollte das besser gehen als in Oldenburg, Deutschlands selbst ernannter Kohltour-Hauptstadt?

Von diesem Dienstag an können sich Studenten für das Wintersemester an der Grünkohl-Akademie einschreiben. Auf dem Lehrplan werden unter anderem Geschichte, Eigenschaften, Anbau und Zubereitung der Kohlart stehen.

Auch wenn das kostenlose Online-Studium nicht bierernst gemeint ist, um einen Werbegag allein handelt es sich nicht. Das versichert Bettina Tammen von der Oldenburger Tourismus und Marketing GmbH, die die Akademie organisiert.

„Man lernt dort alles, was es um den Grünkohl zu wissen gibt.“ Einer, der das mit Sicherheit nicht nötig hat, ist Gottfried Gerken. Seine Familie baut seit 20 Jahren Grünkohl im Oldenburger Münsterland an. Bis Weihnachten holt der 35 Jahre alte Bauer die krausen Blätter tonnenweise vom Acker. Mit einer Anbaufläche von 407 liegt Niedersachsen fast gleichauf mit Nordrhein-Westfalen mit 438 Hektar. Pro Kilogramm frischen Grünkohl erzielen die Bauern zwischen 50 und 90 Cent.

In Gummistiefeln steht der junge Gemüsebauer auf einem Feld hinter seinem Hof. Bis zu den Knien reichen ihm die Pflanzen. Bis zum Nikolaustag werden sie etwa auf einen Meter gewachsen sein.

Gerken reißt eins der kräftigen Blätter vom Stiel und rupft es fachmännisch. „Früher haben wir das alles per Hand gemacht“, erläutert er. Seit vier Jahren erledigt das eine Erntemaschine. Gerken muss mit zwei, drei Helfern nur noch am Förderband die welken Blätter aussortieren. Innerhalb weniger Stunden holt er inzwischen bis zu 90 Tonnen Kohl vom Feld, früher brauchte er dafür mehr als eine Woche.

Schockgefrostet

Die Tagesausbeute bringt Gerken mit seinem Traktor in mehreren Fuhren auf das Gelände eines Vermarkters. Dort werden die Blätter von den Stielen getrennt, blanchiert und schockgefrostet. In Beutel verpackt geht die Tiefkühlkost an Groß- und Einzelhändler längst nicht mehr nur im Norden. „Das dehnt sich von Jahr zu Jahr mehr aus“, sagt der Vermarkter. „In Süddeutschland ist der Grünkohl aber noch nicht angekommen.“

Auf dem Markt wird frischer Grünkohl im Moment nur in kleinen Mengen verkauft. „Die Nachfrage steigt, sobald es kälter wird“, sagt Jörn Rathjen vom Naturkost Kontor auf dem Bremer Großmarkt. Von November bis Februar – dann haben die Kohlfahrten Hochsaison – wird der Bio-Händler das Wintergemüse wieder kistenweise verkaufen. Da ist sich Rathjen absolut sicher: „Das ist ein Selbstläufer.“ Appetit auf Grünkohl haben die Norddeutschen im Winter eben immer. (lni)

Von Irina Güttel

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