Fehl-Pass oder Pass-genau? Pro und Kontra zum Sicherheitspaket

Bundesinnenminister Thomas de Maizière Dschihadisten mit doppelter Staatsbürgerschaft den deutschen Pass abknöpfen. Dazu ein Pro und Kontra.

HNA-Redakteurin Tatjana Coerschulte hält den Vorstoß für Symbolpolitik

Ob der Attentäter, der sich in der U-Bahn von Brüssel in die Luft gesprengt hat, vorher in seinen Pass geschaut hat? Falls ja, war es ein belgischer. Der Mann hatte die Staatsangehörigkeit des Landes, in dem er aufgewachsen war. Sein Pass jedenfalls hat ihn nicht davon abgehalten, sich selbst und möglichst viele andere zu töten.

Was hat die Staatsangehörigkeit mit religiösem Fanatismus und äußerster Gewaltbereitschaft zu tun? Nichts.

Integration fängt im Kopf an, nicht im Pass – deswegen ist der Vorstoß gegen die doppelte Staatsbürgerschaft reine Symbolpolitik. Sie stellt die Deutschen mit zwei Pässen unter Generalverdacht und beruhigt vielleicht die Stammtische. Sicherer macht sie dieses Land aber nicht.

HNA-Redakteur Ullrich Riedler ist für eine einzige Staatsbürgerschaft

Wer sich einbürgern lässt, muss eine Entscheidung treffen: Ich will dazugehören – ohne Wenn und Aber. Zwei Pässe für ein Leben? Das schließt sich aus. Denn so kann man sich nicht einem Staat, dem Land und seinen Bürgern gegenüber verpflichtet fühlen. Verführt der Doppelpass nicht allzu leicht zum Lavieren und Aussuchen, was einem gerade recht ist? Wir leben in Zeiten der Entwurzelung, so viele Menschen kommen nach Deutschland wie nie zuvor. Und so viele sind schon hier. Sie leben bei uns, weil sie hier eine sichere, tolerante Wohlstandsgesellschaft gefunden haben.

Wir machen es ihnen einfacher – und sie es uns – , wenn sie sich passgenau entscheiden. Deutschland gibt viel. Es kann auch 100 Prozent Loyalität erwarten.

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