Kommentar zu den Attacken der Rechtspopulisten: Schlichter Reflex

Europas Populisten, Rechtsextreme und Nationalisten versuchen aus der Gewaltwelle politisch Kapital zu schlagen. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg. S. Carl.

Mit diesem Reflex war zu rechnen. Europas rechtsnationaler Flügel versucht, die Anschläge in Deutschland für seine Zwecke auszunutzen. Populisten und Extremisten wie Frankreichs Front National plakatieren die Gleichung, dass Regierungshandeln dem Terror den Weg bereite.

Ihre Schlussfolgerung, die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sei schuld, ist schlicht, bequem und falsch. Sie ist ein böswilliges Missdeuten der Realität und eine spalterische Irreführung der Öffentlichkeit. Verantwortlich für den Terror ist weder die Flüchtlingspolitik noch die Religion Islam. Verantwortlich sind der Islamismus, dessen Hass- und Gewaltideologie und dessen Organisationen wie IS und Al-Qaida, die ihre Terrornetze weltweit spinnen und auf die sich jede Zelle, jeder Einzeltäter nach Bedarf berufen kann.

Es ist naiv zu meinen, ohne die Flüchtlingskrise, ohne das Recht auf Asyl, wie es manche Rechtspopulisten nun suggerieren, könne man die Terrorgefahr bannen. Ein Blick nach Frankreich und Belgien und deren Massenmörder, die im eigenen Land groß wurden, genügt.

Richtig ist: Es wurden Fehler gemacht in der Flüchtlingspolitik. Es gab zu wenig, anfangs gar keine Kontrolle, und die Politik muss im Zuge der Integrationsaufgaben an etlichen Stellschrauben korrigieren. Aber der Druck im Sommer 2015 war immens. Das Öffnen der Grenzen war ohne Alternative, weil man Flüchtlinge vor Krieg, Massakern und Folter retten muss. Es gibt viele Wege - gemeinsame oder isolierte - dies zu tun und ebenso viele Fehler, die man dabei machen kann. Aber man muss es tun. Weil wir Menschen sind: Die, die kommen, und die, die sie aufnehmen.

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