Kommentar zum Berufsbildungsbericht: Alarmsignal nicht nur für Unternehmen

Angesichts sinkender Azubi-Zahlen und mäßiger Ausbildungsbereitschaft vieler Firmen wirbt die Bundesregierung verstärkt für die betriebliche Lehre. Dazu ein Kommentar von Ullrich Riedler.

Die neue Baustelle von Politik und Wirtschaft heißt duale Ausbildung. Während junge Leute den Hochschulen die Bude einrennen, entscheiden sich seit Jahren immer weniger für die klassische Lehre im Zusammenspiel von Betrieben und Berufsschulen. Das ist ein Alarmsignal nicht nur für Unternehmen. Die berufsbezogene Ausbildung ist ein Erfolgsmodell: Nirgends in der EU gibt es so wenig arbeitslose Jugendliche wie bei uns.

Was ist zu tun? Die Durchlässigkeit zwischen dualer und akademischer Ausbildung in beide Richtungen weiter zu stärken, wäre das eine. Immerhin hat sich die Zahl der Abiturienten, die in eine Lehre gehen, leicht erhöht. Doch müssen Sozialpädagogen und Bildungslotsen auch mehr Überzeugungsarbeit in den Kiezen leisten. Denn die Ausbildungsanfängerquote junger Ausländer hat sich stetig verschlechtert.

Die Phrase vom „Keinen zurücklassen“ muss in den sozial schwachen Milieus ansetzen. Allein alle Hoffnung auf den Zustrom der Migranten zu setzen, greift zumindest mittelfristig zu kurz. Junge Flüchtlinge dürften erst einmal damit beschäftigt sein, die deutsche Sprache zu lernen. Gleichwohl haben sie großes Potenzial auch für die kleinen und mittelständischen Betriebe, die händeringend Nachwuchs und künftige Facharbeiter suchen.

Insofern sind auch die Firmen gefordert, ausreichend Ausbildungsplätze anzubieten und den jungen Leuten eine echte Perspektive zu bieten. Profitieren werden davon alle.

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