Freunde und Helfer jenseits des Erlaubten

Kommentar zur Festnahme eines Flüchtlings durch selbsternannte Ordnungshüter

Mehrere Tage hat es gedauert, bis die Festnahme des Asylbewerbers durch selbst ernannte Ordnungshüter im sächsischen Arnsdorf es in die überregionalen Schlagzeilen schaffte. Doch der Fall taugt nicht zum Draufhauen auf Sachsen, erst recht nicht auf Flüchtlinge. Er belegt vielmehr die Überforderung aller Beteiligten in diesem Fall. Ein Kommentar von Tibor Pézsa.

Der betreffende Asylbewerber ist psychisch krank. Das kann vieles bedeuten, vor allem aber heißt es, dass ein solch bedauernswerter Mensch Hilfe und Mitleid braucht, auch wenn er anderen Leuten auf den Geist geht. Wenn ein psychisch Kranker sich und andere gefährdet, sind Zwangsmaßnahmen im übrigen ziemlich normal, durch die Polizei oder auch auf Station. Aber gewiss nicht durch selbsternannte Bürgerwächter.

Zweimal löst die Polizei im Arnsdorfer Nettomarkt die Situation auf, vergeblich. Sie kann nun mal nicht jedem psychisch Kranken einen Beamten zur Seite geben. Beim dritten Mal sind die Männer in schwarz schneller, ergreifen den jungen Mann, entwinden ihm eine Flasche und schaffen ihn nach draußen, wo ihn die Polizei an einen Baum gefesselt findet. Die Fessler lässt sie laufen, was ein merkwürdiges Blitzverständnis von Recht und Unrecht offenbart.

Ein Fall von Zivilcourage, wie es die Bürgerwehr verstanden wissen will, ist die Sache jedenfalls nicht, schließlich gehen offenbar geplant mehrere Männer gegen einen vor. Wer hierin umgekehrt Lynchjustiz erkennt, muss sich fragen lassen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Selbstjustiz statt eines Hausverbots durch die Geschäftsführung des Nettomarkts. Das Ganze bei wohlwollender Begleitung durch offenbar ebenso überforderte Polizisten. Das war es. Schlimm genug.

Lesen Sie dazu auch:

Sachsen: Selbsternannte Bürgerwehr fesselt Asylbewerber an Baum

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.